Der Tonträger ist tot. Es lebe der Tonträger: Rockhouse Xtra Ordinary Vol.23

Die Gute Güte

 

Hand aufs Herz: wann hast du zum letzten Mal eine CD gekauft? Ja richtig, diese silberglänzenden Scheiben, für die unsere pickeligen Teenager-Selbste zum Libro gepilgert sind, um die neuesten Werke der persönlichen Lieblingsband zu akquirieren und so lange in Dauerschleife zu spielen, bis dieser vermaledeite Plastikträger in der Hülle gebrochen und der arme Tonträger hilflos im Case herumgepurzelt ist? Ich vermute mal: Du kannst dich wahrscheinlich, wie auch ich, gar nicht mehr so wirklich dran erinnern. Im Zeitalter des Streaming, von Spotify und YouTube und Amazon Music haben sich physischen Tonträger schleichend aber sicher aus dem allgemeinen Leben verabschiedet. Oder zumindest aus meinem, denn: Wenn ich mittlerweile Musik kaufe, dann meistens, wie es sich für einen braven Protohipster gehört, auf Vinyl. Und da greife ich oft nicht zu Neupressungen anno 2020, sondern zu Dingen, die wohl schon im Plattenregal meiner Eltern gestanden haben könnten. Ja, ich bin fad, ich geb’s zu.

Genau dieser Umstand, dass heutzutage kaum noch jemand einen funktionierenden CD-Player in der Wohnung stehen hat, ist offenbar auch dem Salzburger Rockhouse bewusst. Denn: Die jüngste Ausgabe der hauseigenen Kompilation mit Musik von Salzburger Bands, die das Rockhouse regelmäßig unters Volk bringt, nimmt dieses Todesröcheln der CD sehr charmant zur Kenntnis. Die Rede ist von der mittlerweile 23. Ausgabe des Samplers Xtra Ordinary, die nicht mehr als CD erscheint, sondern diesmal so oldschool, wie es nur geht: als Musikkassette.

Ich hab mir nämlich sagen lassen, dass die wirklich braven Protohipster mittlerweile nicht mehr zu Vinylplatten greifen, um die persönlichen Musikbedürfnisse zu stillen, sondern der nächste heiße und fast ebenso alte Scheiß die klassische MC ist.

Das Rockhouse setzt die Sache dabei mit einem sympathischen Augenzwinkern um: In Begleitung des neonorangen Plastiktonträgers wird nämlich das wohl essentiellste audiophile Zubehör geliefert, nach dem eine Musikkassette nur verlangen kann: Als Kassetten-Reparatur-Werkzeug liegt ein Bleistift bei, der direkt in die Magengrube der Generation Pumuckl-zum-Einschlafen haut. Und wer jetzt nicht weiß, wozu man den benutzt, ist bestimmt 10 Jahre jünger als ich – und ich freu mich, dass du trotzdem bis hierher gelesen hast.

Xtra Ordinary Vol. 23: Das ist drauf

Ja, und was ist eigentlich drauf auf dem feinen Sampler, wirst du dich jetzt fragen? Insgesamt 32 Stück Musik von Salzburger Bands, quer durch alle Sparten, sind darauf versammelt, angefangen beim aktuellen Heimo Erbse-Preisträger Dandelion (“Tic Tac Toe”), über Mynth (“Casablanca”), Magic Delphin (“Dosenbier/Baggersee”), Gospel Dating Service (“Like Wolves feat. Auntie”) oder Julian Nantes (“Now”).

Und übrigens: Solltest du, anders als ich, nicht über einen Ehemann mit einer ausgedehnten Vintage Hi-Fi-Sammlung und damit über geschätzte 15 Kassettenrecorder verfügen, liegt der MC auch ein Downloadcode für die enthaltene Musik bei. Das Rockhouse geht schließlich mit der Zeit.

Die Xtra Ordinary Vol. 23 ist im Rockhouse um wohlfeile 10 € (für Members um 8 €) erhältlich.

Transparenzhinweis: Das gezeigte Kit samt Sampler und diversen Gutzis wurde mir freundlicherweise vom Rockhouse zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!

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