5 Buchtipps für den Restwinter

Die Gute Güte

 

Ich hätte es ja, zugegebenermaßen, wirklich nicht erwartet, dass auf eurer via Instagram zusammengestellten Wunschliste an Blogartikeln für die nächsten Wochen tatsächlich eine Liste mit Buchempfehlungen stehen würde. Schließlich bin ich für vieles bekannt, aber Buchtipps gehören eigentlich nicht zu meinen Kernkompetenzen. Umso mehr freue ich mich, dass ich euch hiermit fünf meiner liebsten Lektüreempfehlungen der vergangenen Monate darbieten darf. Sie sind, wie es bei meinen Buchlisten immer der Fall ist, ein wenig phantastisch angehaucht, in der Länge flexibel und bieten diverse Erlebniswerte, vom Schmunzeln bis zum Gruseln. Und ich hoffe, dass auch für euch das eine oder andere neue Lieblingsbuch dabei ist.

Bringt Staunen

Eleanor Catton – The Luminaries (Die Gestirne)

Als ein junger Schotte im Jahr 1866 dem Goldrausch in ein kleines neuseeländisches Küstendorf folgt, findet er dort wenig Gold, dafür viele Geheimnisse: Eine scheinbar unzusammenhängende Serie von Verbrechen, ein verschwundener, jungreicher Goldgräber, der versuchte Selbstmord einer Prostituierten und das wundersame Auftauchen eines Goldschatzes in der verlassenen Hütte eines armen Einsiedlers scheinen auf mysteriöse Art und Weise zusammenhängen.

Darum geht’s: Ein Netz aus Betrug, Geheimnissen, Gier und Liebe entspinnt sich langsam über fast 850 spannende Seiten.

Darum geht es wirklich: Wer ist mit wem verwandt? Wer ist unter falschem Namen unterwegs? Wer hat wen bestohlen? Und was haben die titelgebenden Planeten damit zu tun? Die Antworten auf diese Fragen haben Eleanor Catton 2013 zur bisher jüngsten Man Booker-Preisträgerin gemacht.

Passt für: Freund*innen von komplex aufgebauten Plots und mathematisch konstruierten Kapitellängen: Jeder Abschnitt dieses Buches ist genau halb so lang wie sein Vorgänger und entspricht damit den Mondphasen. Den einzelnen Figuren sind Himmelskörper zugeordnet, deren Bahnen mit den Wegen der einzelnen Personen durch den Plot des Buchs übereinstimmen. Oag!

 

Bringt Phantastisches

Scott Lynch – The Lies of Locke Lamora (Die Lügen des Locke Lamora)

Der Waisenjunge Locke Lamora ist einer der wenigen Überlebenden einer Katastrophe, die über die Armenviertel der mysteriösen Stadt Camorr hereinbricht. Wie zufällig verschlägt es ihn in das Reich der Diebesgilden, in dem er zum geschicktesten Trickbetrüger seiner Generation heranwächst. Als charmanter wie gewitzter Anführer der “Gentleman Bastards” ist er bald ein berüchtigtes Mitglied der Unterwelt und führt nicht nur die Aristokratie an der Nase herum, sondern auch die Capas der städtischen Diebesbanden. Doch bald findet er sich mit einem Gegner konfrontiert, der nicht nur seinen Geschäften den Gar ausmachen will.

Darum geht’s: Ocean’s Eleven trifft ein fantastisch überzeichnetes Venedig des 18. Jahrhunderts.

Darum geht es wirklich: Eines ist dieses Buch bestimmt nicht, nämlich vorhersehbar: Als Leser*in hat man meist keine Ahnung, welche Pläne Locke gerade schmiedet und wie sich alle Puzzleteile der Geschichte schließlich ineinander fügen werden: schnelles Erzähltempo, fesselnder Plot, gute Unterhaltung. The Lies of Locke Lamora ist außerdem das erste Buch einer mehrteiligen Serie, an dessen zweiten Band ich gerade sitze. Allerdings endet der erste Band an keinem unerträglichen Cliffhanger – also kann man es sich auch dann sehr gut zur Brust nehmen, wenn man keine Lust auf eine Fantasy-Serie epischen Ausmaßes hat. PS: Am besten auf Englisch lesen – die deutsche Übersetzung hat imho sprachliche Schwächen.

Passt für: Alle, die gerne Bücher mit dezenten fantastischen Elementen lesen (garantiert frei von Drachen und Elfen), Freund*innen von Abenteuergeschichten und charmanten Titelhelden, die cleverer sind als alle anderen – bis sie es plötzlich nicht mehr sind und schleunigst handeln müssen.

 

Bringt angenehme Verstörtheit

Jeff Vandermeer – Annihilation (Auslöschung)

Vor dreißig Jahren verwandelte ein mysteriöses Ereignis einen amerikanischen Küstenstreifen in ein seltsames Gebiet, in dem sich fremdartige Flora und Fauna seitdem unkontrolliert ausbreiten. Das vertraute Ökosystem mutiert unaufhaltsam. Bereits elf Expeditionen haben versucht, das zugleich faszinierende wie verstörende Naturgebiet zu erforschen. Wer von ihnen zurückgekehrt ist, wurde auf ebenso verstörende Art und Weise verändert. Nun bricht die zwölfte Expedition auf und versucht zu erkunden, was sich in der “Area X” befindet.

Darum geht’s: Eine rasant mutierende Naturlandschaft entzieht sich dem Verständnis der Menschen, die auf sie treffen in einem Plot, der zwischen Neugier und Wahnsinn, Faszination und Grauen changiert.

Darum geht es wirklich: Angst vor dem Fremdartigen: Was passiert, wenn das Vertraute plötzlich unvertraut wird? Wenn eine unaufhaltsame, rasante Welle der Evolution über den Menschen schwappt, der seine Umwelt nicht mehr versteht? Ich habe selten ein Buch gelesen, das es schafft, so viel verstörende Atmosphäre aufzubauen, obwohl rein faktisch kaum etwas geschieht. Beim Lesen lieber das Licht anlassen.

Passt für: Alle, die sich gern ein kleines bisschen gruseln, abseits von Kettensägenmördern und Killerclowns. Die Filmversion mit teils abweichendem Plot gibt’s auf Netflix, mit Natalie Portman und Oscar Isaac in den Hauptrollen.

 

Bringt Unterhaltung

Isabel Bogdan – Der Pfau

Eine Gruppe Investmentbänker reist zum Teambuilidng auf den leicht herumgekommenen schottischen Landsitz der Familie MacIntosh. Dabei haben die Herrschaften mit allem gerechnet, nur nicht mit dem verrückt gewordenen Pfau der Gutsbesitzer, der mit Vorliebe blaue Gegenstände attackiert – etwa den Sportwagen der Bankiers-Teamleiterin, die lange nichts von ihrem Pech erfährt. Um der Sache Herr zu werden, muss der aggressive Pfau ehestmöglich um die Ecke gebracht werden. Doch das erweist sich als komplexer als ursprünglich gedacht.

Darum geht’s: Egos, Notlügen und Vertuschungsmanöver in einem absurd-komischen Plot.

Darum geht es wirklich: Anstatt ein Missgeschick zuzugeben, werden immer komplizierter werdende Ausreden gesucht, bis deren Konstrukteure nicht mehr wissen, wo die eigene Ausrede aufhört und die potenzielle Schuld des Nächsten anfängt.

Passt für: Freund*innen gepflegt britischen Humors. Ein Büchlein, das an einem verregneten Wochenende gute Unterhaltung schenkt.

 

Bringt Märchenhaftes

Olga Tokarczuk – Ur und andere Zeiten

Irgendwo in den polnischen Wäldern liegt der Ort Ur, zwischen zwei Flüssen, neben dem Maikäferhügel und bewacht von vier Erzengeln. Ihn bewohnen eigentümliche Personen: Die Müllerin, deren Mann im Krieg ist, die Hure, die barfuß durch den Winter wandert, der verarmte Gutsherr, der wilde Mann im Wald. Und so vergeht die Zeit, ziehen Konflikte und Machtwechsel ins Land und Ur bleibt von allem unberührt – von allem, außer den steten Gezeiten aus Geburt und Tod, Fülle und Hunger, Glück und Unglück.

Darum geht’s: Durch die Brille unterschiedlicher Personen erlebt man in “Ur und andere Zeiten” die poetisch geschilderten Urmächte des Lebens, für die Ereignisse der Weltgeschichte nur Nebenschauplätze sind.

Darum geht es wirklich: Märchenhafte Episoden, in denen Traum und Wirklichkeit, Mögliches und Unmögliches oft verschwimmen.

Passt für: Alle, die sich ebenfalls vorgenommen haben, endlich etwas von Frau Nobelpreisträgerin Tokarczuk zu lesen – und zwar ein Buch, das einen unwiderstehlichen Sprachsog entwickelt.

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