Alles hat seine Zeit. Offenbar auch das Prinzip Blog.

Die Gute Güte

 

Irgendwie habe ich das Gefühl, wir sind alle ein wenig müde. Und mit “wir” meine ich Blogger vom alten Schlag. Natürlich, ich kann an dieser Stelle nicht von wirklich allen sprechen, die da draußen Gedanken, Ideen und Meinungen in Texte gießen und dies schon seit vielen Jahren getan haben, aber: Je mehr ich mich mit Kolleg*innen unterhalte, die die Online-Welt schon seit den Urzeiten der Blogosphäre beehren, desto mehr beschleicht mich das Gefühl, dass wir am Ende einer Ära angelangt sind.

Blogs sind nicht mehr neu und aufregend, sie entsprechen nicht mehr den immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspannen und Blogs generieren nicht mehr so viele Likes, wie sie es vor zwei Jahren noch taten. Und nein, ich will hierbei nicht desillusioniert, beleidigt, oder frustriert klingen: Ich stelle einfach nur fest, denn: Mir als Hobbybloggerin kann das alles herzlich egal sein – eigentlich. Aber ich leide mit manchen Kolleg*innen, die berichten, dass der Blog als Langform von Online-Content einfach nicht mehr so beliebt ist, wie die kleinen, digitalen Snacks und Videoberieselungen, die andere Kanäle bieten.

Wir sind müde, das Publikum ist müde und allesamt sind wir wohl an einem Punkt angekommen, an dem wir dem Prinzip Blog ein wenig überdrüssig geworden sind. Das merke ich an Gesprächen mit Kolleg*innen, die sich altersmüde geben. Ich merke es daran, dass sich das Interesse der breiten Masse mehr denn je schnelllebigeren Kanälen wie Instagram zuwendet, lange Texte will hingegen niemand mehr lesen. Und ich merke es an der Tatsache, dass immer mehr Blogger und Bloggerinnen vom alten Schlag das Handtuch werfen, ihre Blogs schließen, aufhören.

Alles ändert sich, auch die Blogosphäre und nichts dauert ewig an. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich kann dieser Entwicklung auch etwas abgewinnen. Ich finde die Tatsache, dass sich das Scheinwerferlicht immer weiter von uns wegbewegt, nämlich fast ein wenig befreiend, weil dadurch die Leichtigkeit des Seins in meinen Blog zurückkehrt. Und wenn du da draußen nun bis zu dieser Zeile durchgehalten hast, bist du der lebendige Beweis dafür, dass sich auch das Publikum zwar konsolidiert, aber nicht vollkommen verschwindet. Und wenn wir in Zukunft von der großen Bühne zurückwechseln in ein Kaffeekränzchen, dann soll mir das nur recht sein. Ist ohnehin viel gemütlicher so.

 

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