Ich habe den Blumenschmuck meiner Hochzeit selbst gemacht – so ist es mir ergangen.

Die Gute Güte

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich hab ja schon einmal gesagt, dass ich mich bezüglich meiner Hochzeit auf diesen paar Quadratmetern Internet eher ein wenig zurückhalten möchte. Wer sich nun also Paarfotos und Szenen von Trauung und Co erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Manche Aspekte meines Lebens möchte ich nämlich einfach so privat halten, wie sie sein sollen. Was ich aber sehr gerne und auf Nachfrage hin herzeige, ist meine selbstgemachte Blumendeko – inklusive eines Erfahrungsberichts, wie es mir damit erging, einen Saal für 120 Leute und ein Standesamt mit Blumen auszustatten. Weil: Das könnte vielleicht tatsächlich jemandem weiterhelfen. Und praktische Tipps sind mir bekanntlich stets lieber als allzu private Einblicke.

Ehe (HA!) ich starte, hier noch eine wichtige Vorbemerkung:

Ich bin keine professionelle Floristin. Alles, was ich im Anschluss sage und empfehle, beruht daher auf meinen subjektiven Erfahrungen als Amateurin und ist wohl nicht in allen Dingen der Weisheit letzter Schluss. Mein Brautstrauß, der Bräutigamanstecker und der Blumenschmuck fürs Auto kamen übrigens von einer Profi-Floristin und bei solchen, etwas kritischeren Projekten würde ich auch von Herzen empfehlen, zum Profi zu gehen.
Und: Ich habe meine Blumen vor allem deswegen selbst arrangiert, weil es mir schlichtweg sehr, sehr viel Spaß macht. Generell war das Zusammenstellen der Blumendeko einer der schönsten Aspekte meiner Hochzeit. Deswegen war es mir auch das nicht unwesentliche Zeitbudget wert, das ich dazu investieren musste – die finanzielle Ersparnis, die DIY-Blumen bedeuten, war eher ein angenehmer Nebeneffekt.

Wenn du dich dazu entscheidest, den Blumenschmuck für deine Hochzeit selbst zu machen, sollten dir folgende Dinge bewusst sein:

  1. Schraube deine Erwartungen herunter
    Es wird dir als Amateur*in nicht gelingen, die perfekten, kostspieligen Gestecke nachzubilden, die du vielleicht auf Pinterest und Instagram gesehen hast. Diese wurden von Profis gemacht, versorgt und platziert und sind technisch oft sehr aufwändig. Beschränke dich daher lieber auf einfache Lösungen wie kleine Vasen mit Blümchen oder Minigestecke, die einfacher zu arrangieren sind als große Orchideenkaskaden und Blütenbögen.
  2. Wähle möglichst robuste Blumen
    Manche Schnittblumen können – pun intended – richtige Mimosen sein, streiken bei zu hohen oder niedrigen Temperaturen, machen schell schlapp oder knicken leicht. Frage bei der Blumenbestellung daher nach langlebigen, robusten Sorten, die vieles mitmachen und auch die Behandlung von wohlmeinenden Amateuren aushalten. Nelken (Bartnelken, Spraynelken, Edelnelken), Chrysanthemen und Schleierkraut sind etwa sehr verzeihende Sorten, die es in den ersteren beiden Fällen auch in vielen Farben zur Auswahl gibt. Positives Detail am Rande: Günstig sind sie obendrein.
  3. Plane ausreichend Zeit ein und hole dir ausreichend Hilfe! Gerade wenn du dir üppigen Blumenschmuck wünschst, braucht es entsprechend Zeit und viele Handgriffe, bis dieser vor Ort steht. Freundliche Helfer*innen sind hier quasi unabdingbar – und bei diesen musst du dir im Klaren sein, dass sie deine “Vision” des fertigen Blumenschmucks vielleicht nicht ganz so verinnerlicht haben wie du selbst. Denke also an Punkt eins und passe auch hier deine Erwartungen an!

So habe ich meine Pläne in die Tat umgesetzt

Die Planung

Ich habe versucht, in der Planung so realistisch wie möglich vorzugehen. Das bedeutet:

Ich habe mich nicht auf eine spezielle Blumensorte eingeschossen, die es um jeden Preis sein musste.
Stattdessen habe ich mir ein grobes Farbkonzept überlegt, in das viele Sommerblumen passen. In meinem Fall waren dies Rosa-, Pink-, Rot- und Weißtöne ohne dabei zu spezifisch zu werden, welcher genauer Farbton es sein musste. Analog dazu habe ich auch den Rest der Deko in jedem Rot- und Rosaton des Farbspektrums gestaltet, um Weiß und Gold ergänzt und hatte damit ein stimmiges Farbkonzept, das sehr weit gesteckte Grenzen hatte und daher sehr leicht umzusetzen war.

Ich habe mir möglichst einfache Arrangements ausgesucht:
Es ist eine bewältigbare Aufgabe, kleine Blumenvasen zu befüllen und es ist mit etwas Übung schaffbar, kleine Gestecke zu fabrizieren – vor allem, wenn man diese in großen Gruppen zusammenstellt und deswegen weniger schöne Exemplare in der großen Masse untergehen.

Ich habe darauf geachtet, möglichst saisonale, regionale Blumen zu bestellen.
Diese sind nicht nur günstiger im Einkauf, sondern auch einen Tick umweltfreundlicher als Flugware (wenn man das bei Schnittblumen – mea culpa – überhaupt behaupten kann).

Das Einkaufen der Schnittblumen

Der erste Schritt zur fertigen Blumendeko war für mich das Finden eines geeigneten Blumenhändlers, der mit folgenden Vorgaben etwas anfangen konnte: Saisonale Blumen in Rosa-, Pink-, Rot- und Weißtönen in unterschiedlichen Sorten, kleinen und großen Blütenköpfen um ein gewisses Budget zu besorgen.

Ich habe dazu mit diversen Gärtnereien und Floristen gesprochen und bin ein paar Tage lang vom Pontius zum Pilatus gehirscht, bis ich die für mich ideale und eigentlich sehr naheliegende Lösung gefunden habe:

Ich habe meine Blumen bei einem Marktstand auf der Salzburger Schranne geordert, wo man fast das ganze Jahr bunte Bauernsträuße mit saisonalen Blumen bekommt. Genau diese Bauernsträuße habe ich – als Grundlage – in großer Menge bestellt und um 2 Kübel Dahlien, Bartnelken (halten extrem gut) und ein paar Bund Rosen ergänzt. Und genau das war eine der besten Entscheidungen im Rahmen der gesamten Hochzeit.

Bei Blumen Sappi, wo wir unsere Schnittware bestellt haben, hat man unsere floralen Wünsche sofort verstanden, die Kommunikation war einfach und angenehm – und als wir die Ware dann abholt haben, ist uns fast die Kinnlade auf den Boden geknallt. Nicht nur waren Blumen perfekt ausgewählt und taufrisch, es waren auch viel mehr, als wir es uns erwartet hatten – so viel, dass wir im Endeffekt sogar die Stiegenaufgänge, die Terrasse und jeden letzten Winkel des Saals dekorieren konnten.

Das Besorgen der Steckgefäße

Meine Steckgefäße und Vasen waren primär alte Teetassen, Teekannen, Milchkännchen, Saucieren, Kaffeebecher und kleine Glasvasen, die wir in den Monaten vor der Hochzeit auf diversen Flohmärkten und in der Wabe um kleines Geld erstanden haben – manche davon klein und flach, andere groß und hoch – die Mischung aus vielen verschiedenen Teilen hat im Endeffekt perfekt gepasst. Da die Masse an Blumen, die wir beim Händler abgeholt haben, schlussendlich viel größer war als antizipiert, haben wir unsere Menagerie an Gefäßen kurzfristig um einige Rexgläser erweitert, die wir bereits zuhause hatten und die ebenfalls gut zur Deko passten.

Das Arrangieren der Gestecke

Schritt eins beim Arrangieren von Blumen ist der nervigste aber notwendigste: Alle Blumenstiele müssen von Blättern befreit und unten schräg angeschnitten werden. Das dient dazu, den Blumen ausreichend Wasserversorgung zu ermöglichen und zu verhindern, dass im Wasser stehende Blätter faulen und die Blumen deswegen schneller verwelken.

Wir haben uns dieser Aufgabe zu viert gestellt und haben bei 8 Kübeln Blumen etwa 3 Stunden gebraucht.

Aus diesen Blumen entstanden drei Arten an Blumenarrangements:

Ein großes Gesteck fürs Standesamt, das ich in einer alten Weinkiste arrangiert habe

Diese wurde dazu einfach mit Plastikfolie ausgekleidet, die ich mit Reißzwecken am inneren Rand fixiert habe. Anschließend habe ich Nass-Steckschwamm (aus dem Bastelladen oder Baumarkt) in der passenden Größe zugeschnitten und ordentlich mit Wasser vollsaugen lassen. Dieser kam in die mit Plastik ausgekleidete Kiste und anschließend habe ich nach folgendem Schema drauflos gesteckt:

Erst große Blüten (Rosen, Dahlien) in regelmäßigen Abständen in den Steckschwamm stecken und die Zwischenräume mit kleineren Blüten und “Füllmaterial” (klassisch ist Schleierkraut, wir haben vor allem Schafgarbe verwendet) auffüllen. um den Übergang zur Holzkiste ein wenig zu kaschieren, habe ich den Rand mit einer Efeuranke aus Mutters Garten umwickelt (braucht kein Wasser, hält ewig) und war im Grunde sehr zufrieden mit dem Ergebnis, von dem ich aktuell leider nur  Handyfotos habe. Bittesehr.

 

Ingesamt habe ich dafür rund 30 Minuten gebraucht – alleine.

Kleine Gestecke in Teetassen

Auch die flacheren Tassen und Gefäße aus unserem Porzellan-Konvolut brauchten Steckschwamm um den Blumen etwas besseren Stand zu geben. Die Vorgehensweise gestaltete sich ähnlich wie beim großen Gesteck:

Schwamm zurechtschneiden, in Wasser einlegen, bis er sich vollgesogen hat, in die Teetasse befördern und mit Blumen bestücken – erst die großen Köpfe, dann die kleinen und das Füllmaterial. So eine Tasse ist dabei in unter 5 Minuten fertig.

Sträuße in kleinen und großen Vasen

Die Blumensträuße selbst haben wir – aus Transportgründen – erst direkt beim Wirt arrangiert. Wir sind also mit den bereits entblätterten und vorgeschnittenen Blumen, den leeren Vasen und fertigen Gestecken zur Location aufgebrochen und haben den Rest des Unterfangens direkt vor Ort erledigt.

Aufbau und Abbau

Der Aufbau hat dann im Grunde relativ lang gedauert, war aber nicht unbedingt kompliziert.
Die fertig entblätterten Schnittblumen wurden vor Ort in Kannen, Bechern, Vasen und Glasflaschen zu Sträußen arrangiert. Weil ich etwas Bammel bezüglich Haltbarkeit hatte, haben wir den Sträußen ein bisschen Schnittblumennahrung (aus dem Lagerhaus) im Vasenwasser gegönnt – rückblickend wäre es wohl aber auch ohne gegangen.

Ergänzt wurde die Blumendeko auf den Tischen um kleine, papierene Retro-Brautpaare und antike Messingkerzenhalter (ebenfalls vom Flohmarkt) mit weißen Kerzen, die Servietten wurden mit den Menükarten, Namenskärtchen und Samtbändern in Rot- und Rosatönen zu kleinen Paketen geschnürt, drunter weiße Tischdecken – und fertig.

Da wir so unfassbar viele Schnittblumen hatten, wurden schlussendlich noch diverse andere Gefäße – vor allem Rexgläser – mit Blumen gefüllt, die auf Fensterbänke, auf Stehtische, auf die Kuchenbar oder den Treppenaufgang gewandert sind. Im Endeffekt hatten wir ein veritables Blumenmeer, das am Tag nach der Hochzeit straußweise an die liebe Verwandtschaft und Co verteilt wurde.

Was wurde also insgesamt gemacht?

  • rund 25 kleine Gestecke in alten Teetassen und Saucieren
  • rund 150 kleine Sträußchen in Vasen, Kännchen und Porzellanbechern
  • rund 20 große Sträuße in 1 Liter-Rexgläsern
  • 1 großes Standesamtgesteck in einer Weinkiste
  • 1 Wurfstrauß aus Restblumen

Und wie lange hat es gedauert?

  • Entblättern aller Schnittblumen (etwa 8 Kübel voll): 3 Stunden à 4 Personen
  • Stecken des Standesamtgestecks: 30 Minuten à 1 Person
  • Stecken der Teetassengestecke: 1 Stunde à 4 Personen
  • Arrangieren der Sträuße und Einstellen des Blumenschmucks in der Location: 3 Stunden à 5 Personen

Das war der Zeitplan:

  • Donnerstag: Abholen der ersten Partie Schnittblumen für die Standesamtdeko, Stecken des Standesamtgestecks in der Weinkiste
  • Freitag: Stecken der Teetassen, Befüllen der Vasen, Dekorieren der Location
  • Samstag: Hochzeit
  • Sonntag: Aufräumen
  • Gehalten haben die Blumen noch bis Mittwoch in der darauffolgenden Woche – also waren sie rund 7 Tage lang präsentabel

Mein Fazit

Würde ich es wieder so machen? Ja, auf jeden Fall? Ist es für jedermann geeignet? Ich würde sagen: Jein. Einerseits ist Blumendeko in dieser Form massiv viel Arbeit und braucht seine Zeit und gerade Bräute, die sich leicht stressen und beunruhigen lassen oder einen gewissen Perfektionsanspruch haben, könnten unterwegs die Nerven wegschmeißen. Wer aber mit einer gewissen Grundentspannung an die Sache herangeht und sich dessen bewusst ist, dass nicht alles zu 100% perfekt werden wird, kann ein einem solchen “Monsterprojekt” auch seinen Spaß haben.

Noch ein Tipp am Rande:
Blumenlagerung: Wir haben die fertigen Gestecke und die präparierten Schnittblumen bis zu ihrem Einsatz in den elterlichen Keller gestellt (weil: kühl) und regelmäßig mit Wasser besprüht – gehalten haben sie so einwandfrei.

Außerdem: Adressen und Dienstleister und ein Danke

  • Unsere Schnittblumen stammten von Blumen Sappi, den man Donnerstags auf der Schranne antrifft und den Rest der Woche am Salzburger Grünmarkt besuchen kann.
  • Unser grenzgenialer Wirt war das Wirtshaus Lohninger in Fornach mit bester Küche und freundlichstem Service. Auch hier noch einmal Danke!
  • Diese Fotos hier hab ich gemacht, die offiziellen Hochzeitsfotos stammen aber von Fabienne Roth, die ich auch hier noch einmal herzlich empfehlen möchte.
  • Unser Standesamt war jenes in Frankenmarkt, Außenstelle Schloss Stauff. Auch hier ein herzliches Danke für die tolle und vor allem so unkomplizierte Betreuung!

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