Ich habe es endlich einsehen müssen: Offene Barwägen sind Ü30 nicht mehr praktisch.

 

Alle Dinge haben ihre Zeit. Das sagt nicht nur der Philosoph, das hab ich mittlerweile auch einsehen müssen. Das jüngste Opfer dieser Erkenntnis? Mein offener Barwagen, der seit einigen Jahren das pièce de résistance meines Wohnzimmers war. Dort drinnen stapelte sich nicht nur meine heilige Geschirrsammlung, dieser war vor allem Heimat meiner wohlkuratierten Schnapsauswahl die, so die Vorstellung, bei Dinner Partys als Aperitif-Station, bei Feierlichkeiten als Wasserloch und im Alltag, so ein bisserl in Mad Men-Manier, als heimatliche After Work Location funktionieren sollte. Gin, Whisky, Rum, Wodka, alles natürlich aus dem Boutique-Sortiment, ein Bleikristall-Shaker, passende Gläser, Barbesteck, wunderbar.

Dass die Einrichtung einer solchen Party-Infrastruktur eine blendende Idee sein müsste, zeigten auch mannigfache, lässige Fotos auf Pinterest und Instagram: wohlkuratierte, nach Farbkonzept schematisierte Vintage-Barwägen, die mir nur so zurufen: Fröne dem Alkoholismus, gönn dir deinen Drink! Leute, die ein solches Gefährt in ihrer Wohnung stehen haben, müssen schließlich das Prinzip des Savoir Vivre verinnerlicht haben und nicht nur die hohe Kunst des Smalltalks beherrschen, sondern nebenbei auch noch ganz nonchalant den perfekten London Mule kredenzen. Dieser Mensch hat Geschmack! Dieser Mensch hat Stil! Stell dir so einen Barwagen in deine Bude und zeig, dass du genießen kannst!

Spoiler Alert: Nicht alles was man sich so vorstellt, funktioniert dann auch.

Nach einigen Jahren des Einsatzes und des wohnzimmerlichen Herumstehens war mein im Wagen wohnendes Geschirr dank permanenter Durchlaufquote und trotz offener Lagerung nämlich immer noch taufrisch – der Gin-, Whisky- und Wodka-Sammlung haftete aber eine gewisse Patina an: Staub, Vernachlässigung, Ennui. Wenn ich mir ehrlich bin, trinke ich nach der Arbeit anstatt Rum nämlich lieber eine Kanne Kräutertee, wenn abends Freunde zu Besuch sind, hat man ohnehin nie frische Gurken, Zitronen und Eis für den Gin Tonic im Haus und Dinnerpartys finden zwar nach wie vor statt, aber nicht in einer Regelmäßigkeit, die Schnapsflaschen vor dem Verstauben bewahren würde.

Drum hab ich vor meinen Schnapsflaschen jetzt wieder ein Türl und sperre es immer dann auf, wenn wirklich einer getrunken wird. Und, dass das mittlerweile viel seltener vorkommt, ist wohl einerseits eine Alterserscheinung – und andererseits eh viel gesünder.

 

Titelfoto von Connor Home auf Unsplash – vielen Dank!

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