Hochzeitsplanung: Bitte gebt mir meinen Verstand zurück.

Die Gute Güte

 

Eigentlich möchte man ja meinen, es sei ganz einfach: Man entscheidet sich zur Offiziellmachung einer Paarbeziehung, absolviert die dazugehörigen Behördengänge (und auf Wunsch religiösen Zeremonien) und schmeißt anschließend eine Party für Freunde und Familie. Ist kein besonders neues Prinzip, haben die meisten Eltern und Großeltern und Urgroßeltern und Ururgroßeltern vor uns auch schon hinter sich und sollte damit ein recht erprobtes Procedere sein. Möchte man meinen. Denn: was ich in den vergangenen Monaten zum Thema Hochzeitsplanung gelernt habe, lässt mich teilweise an meinem Verstand zweifeln. Und darüber muss ich mich jetzt mal kurz ein bisschen aufregen. 

Schon klar: Eine Hochzeit ist eine Angelegenheit, die man im Idealfall nur ein einziges Mal im Leben in den Hauptrollen absolviert. Und mit dem Idealfall meine ich: Statistisch gesehen sind die Chancen 50 : 50, dass das Prinzip “bis der Tod uns scheidet” auch wirklich eintritt. Und weil dieser Tag ja gemeinhin der schönste im Leben sein muss, wird in seinem Umfeld inszeniert, bis alle Beteiligten zumindest einen Nervenzusammenbruch erlitten haben.

Schließlich hat bei einer Hochzeit alles perfekt zu sein: Die Braut hat bei der Anprobe des einen, wahren Brautkleids in Tränen auszubrechen, als Feierlokalität ist gerade mal ein Palast gut genug, der Weg zum Altar ist gepflastert mit Stammbuchsprüchen über Liebe bis in alle Ewigkeit und ohne Shabbyshick-Baumscheiben mit Roségold-Embossing, Handlettering auf Kreidetafeln, High Heel-Garagen, Donutwalls, Bademänteln für die zwölf Brautjungfern und Eukalyptus Modell “baby blue” ist die Veranstaltung, auf der man sich befindet, im Jahr 2019 wohl gar keine Hochzeit mehr.

Muss man sich wirklich so viel Perfektionsdruck unterwerfen?

Das Motto dabei: Alles muss zusammenpassen! Alles muss aufsehenerregend sein! Nur die attraktivsten Damen aus dem erweiterten Freundeskreis schauen als Bridesmaids auf Instagram gut aus! Wusstest du nicht, dass Bordeaux und Mauve heuer Trendfarben sind? Wer keine Taschentücher für die Freudentränen austeilt, hat sich nicht genug Mühe gegeben! Wer keinen Fotografen und Videografen für 2000 Fotos und 5 Stunden Filmmaterial in Full HD akquiriert, wird es ein Leben lang bereuen! Vergiss nicht, als Gastgeschenke 200 teelöffelgroße Marmeladegläser vorzubereiten! Und: alles muss so individuell sein, wie es die Hochzeitsabteilung im Dekoladen nur erlaubt!

Ganz ehrlich: Muss man sich wirklich so unter Druck setzen, dass man den eigentlichen Sinn der Hochzeit zwischen dreihundert Pinterest-Fotos vergisst? Muss man sich als Braut wirklich bis zur Unkenntlichkeit herunterhungern und aufstylen lassen, wo man am Tag der Hochzeit doch ausschließlich von Freunden und Familie umgeben ist, die einen in den meisten Fällen auch schon mit fettigen Haaren und in Jogginghose kennen? Einen Kredit aufnehmen um den teuren Sweet Table finanzieren zu können?

Wenn ich so zurückdenke, wie Hochzeiten noch vor zehn Jahren ausgesehen haben und welche Erinnerungsfotos und Souvenirs von den Hochzeiten unserer Elterngeneration übrig geblieben sind, ist doch eigentlich leicht zu erkennen, was bei einer Hochzeit wirklich zählt.

Wenn ich so zurückdenke, wie Hochzeiten noch vor zehn Jahren ausgesehen haben und welche Erinnerungsfotos und Souvenirs von den Hochzeiten unserer Elterngeneration übrig geblieben sind, ist doch eigentlich leicht zu erkennen, was bei einer Hochzeit wirklich zählt: ein gemeinsamer, schöner Tag mit Freunden und Familie, gutes Essen, ein kleiner Damenspitz, eine feine Zeit – und vielleicht zwei, drei schöne Fotos, die ihren Weg in Alben, in Bilderrahmen und auf Wohnungswände finden. Jene Hochzeitsfotos, die in unserem Freundes- und Bekanntenkreis am liebsten angeschaut werden, sind nämlich nicht die hochglänzenden Profibilder, vom Getting-Ready, von der Candybar und dem thematisch kuratierten Tischschmuck, der fünfzehn vordefinierten Personengruppen in Reih und Glied und der Kutsche mit den weißen Pferden, sondern schlicht die Schnappschüsse, die Freunde und Verwandte mit dem Handy oder der uralten Kompaktkamera aufgenommen haben und die spontane Emotionen zeigen, ganz abseits von inszenierten Absonderlichkeiten. Dazu braucht man wieder ein Alpaka mit Schleier noch einen 3 m hohen Luftballonbogen, Flip Flops für die Tanzfläche oder Knicklichter für den ersten Tanz.

Klar, es sei jedem unbenommen, trotzdem eine Feuershow zu buchen und dreitausend Euro für Blumenschmuck auszugeben, jedem Gast ein vergoldetes Schnapsglas mit den Initialen des Brautpaars zu schenken und zu Mitternacht einen überlebensgroßen Schokobrunnen, garniert mit Cirque de Soleil-Artisten in den Saal zu schieben. Bloß: Wirklich zählen tut bei einer Hochzeit wohl etwas anderes, das sich nicht um Geld kaufen lässt. Und übrigens: Statistisch gesehen hält eine Ehe umso länger, je weniger Brimborium um den “großen Tag” gemacht wurde. They did the science.

Foto von  Sweet Ice Cream Photography via Unsplash. Vielen Dank!

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