Hochzeitsplanung: 5 Dinge, die ich bisher gelernt habe

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich hab euch ja aus Gründen der Motivationsarmut mal wieder auf Instagram gefragt, was ihr denn gerne lesen würdet, auf diesen paar Quadratmetern Internet und ihr hattet mit großer Mehrheit ein definitives Wunschthema: Hochzeitsplanung.

Und was ihr euch wünscht, das wird in den meisten Fällen auch geliefert, wobei ich zu dem, was weiter unten kommt, wohl ein kleines Vorwort verfassen muss.

Erstens: Ich bin im Bereich Hochzeitsplanung absolut keine Expertin. Mit Event-Organisation hatte ich in der Vergangenheit immer mal wieder was am Hut, meine Hochzeit ist aber, naturgemäß, die erste, die ich organisiere und deswegen ist alles, was hier nun kommt, auf meine persönliche, bisherige und sehr voreingenommene Erfahrung begründet.
Und zweitens: Wie bereits mehrfach erwähnt, möchte ich bei allem, was ich zum Thema Hochzeit sage, nicht zu persönlich werden und zu sehr ins Detail gehen, weil ich private Dinge gern privat halte und das Internet, nun ja, nicht unbedingt alles wissen muss. Bitte entschuldigt daher, dass ich im großen Rahmen weder Adressen nenne noch Daten und bei meinen Tipps eher allgemeingültig bleibe.

Passt das für euch? Wenn ja, dann lege ich hiermit los:

1. Locationsuche: Such die Hidden Champions!

Eine Sache, die ich früh im Planungsprozess gelernt habe, ist die folgende: Alles, auf dem Hochzeit steht, ist automatisch teurer als gedacht. Teilweise mag diese “Wedding-Tax”, wie man sie auf der anderen Seite des großen Teichs nennt, gerechtfertigt sein (Hochzeiten sind für alle Beteiligten aufwändig!), teilweise lässt sich mit dem großen Hochzeits-Hype wohl auch recht gut Geschäfte machen. Verallgemeinern kann man nix, aber der Vergleich macht allemal klug!

Nun aber zum zum Punkt: Die wohl alle Brautpaare betreffende, erste große Hürde bei der Hochzeitsplanung ist es, eine terminlich passende Kombination aus einer Location für die Feier und einem Trauungsort zu finden, der halbwegs was gleich schaut und die anrückende Gästemeute fasst.

Der erste logische Schritt hierzu: googlen, was das Zeug hält. Meine Erfahrung damit: Sehr vieles, was man allzu offensichtlich als Hochzeitslocation findet, wird mit Anfragen bombardiert, ist bereits Jahre im Vorhinein ausgebucht, und kann teilweise ordentlich ins Geld gehen. Ich persönlich hab mich daher entschieden, unsere Hochzeitslocation abseits der “üblichen Verdächtigen” und fern von spezialisierten Hochzeitsplattformen zu buchen.

Die versteckten Schätze findet man als Location-Trüffelschwein meiner Erfahrung nach eher, wenn man nicht nur Lokalitäten und Säle berücksichtigt, die vorwiegend für Hochzeiten genutzt werden, sondern weiter denkt.

Nachdem ich mich online schon fast in den Irrsinn recherchiert hatte, hab ich mich daher auf den klassischen Weg besonnen: Mit offenen Augen durch die Offline-Welt gehen. Die versteckten Schätze findet man als Location-Trüffelschwein meiner Erfahrung nach eher, wenn man nicht nur Lokalitäten und Säle berücksichtigt, die vorwiegend für Hochzeiten genutzt werden, sondern weiter denkt – etwa an Wirtshäuser, die man schon lange gerne mag, die aber keinen Eintrag in landläufigen Hochzeitsplattformen haben oder Gemeindesäle, die oft richtig coolen Vintage-Charme besitzen. Dort ist es oft nicht nur einfacher, einen Termin zu kriegen, man steigt erfahrungsgemäß auch oft günstiger aus.

Wir haben uns im Endeffekt für eine Option entschieden, die eigentlich so naheliegend war, dass uns fast der Schlag getroffen hat – und die überraschenderweise auch in unmittelbarer Nähe eines sehr hübschen Standesamts im Schloss liegt, das überraschend wenig Online-Präsenz hat und deswegen auch noch terminlich zu haben war. Jackpot!

2. Deko und Konzept: Erst buchen, dann pinnen

Ein Wort zum Start: Pinterest kann sehr hilfreich sein – aber auch ein Hund. Was man dort unter dem Stichwort “Wedding” findet, ist meist Bildmaterial, das von amerikanischen Hochzeiten mit schier endlosem Budget stammt – und für eine landläufige Austro-Braut daher meist aus mehreren Gründen schier unerreichbar ist. Einerseits findet man hierzulande eher selten Backsteinhallen mit offenem Kamin, Wineries im Industrial-Chic oder ehemalige Plantagen, die man mit 300 Meter langen Lichterketten schmücken kann, andererseits sind viele Versatzstücke einer Ami-Hochzeit hierzulande nicht unbedingt im Einzelhandel erhältlich. Deswegen lautet mein Tipp: Realistisch bleiben – und erst die Location suchen und buchen, bevor man sich auf einen gewissen Look festfährt.

Was man auf Pinterest unter dem Stichwort “Wedding” findet, ist meist Bildmaterial, das von amerikanischen Hochzeiten mit schier endlosem Budget stammt – und für eine landläufige Austro-Braut daher meist aus mehreren Gründen schier unerreichbar ist.

Auch beim Thema Deko habe ich nämlich da angefangen, wo wohl jeder startet: Pinterest-Boards von epischer Länge. Mittlerweile weiß ich aber zu empfehlen: Fangt erst an zu pinnen, wenn ihr eure Location kennt! Hätte ich auf einem weißen Blatt Papier begonnen, säße ich jetzt wohl vor einem Board voller skandinavischem Minimalismus-Schick in einer Industrial-Umgebung. Nur: Eine solche in einer realistisch per Auto erreichbaren Entfernung, in der passenden Größe, mit intakter Infrastruktur und zu einem bezahlbaren Preis zu finden, ist eine herkulische Aufgabe. Gebucht wurde also anstatt eines Jahrhundertwende-Lagerhauses ein klassischer Wirtshaussaal – und dieser wurde schlussendlich zur Grundlage des Dekokonzepts. Dieser gibt nämlich nicht nur einen gewissen Stil vor, sondern auch gewisse Farben. Man denke an: Vorhangstoffe, Stühle, Architektur.

Ich bin also so vorgegangen, dass ich den grundsätzlichen Stil (uriges Wirtshaus mit Sepia-Fotos und Holztäfelung an den Wänden) und die Farben (weiß, kirschrot und waldmeistergrün) als Grundlage genommen habe und auf Basis dessen gezielt gepinnt habe. Was dabei herauskam, ist ein Mix aus Blumen in Weiß, Rot-, Rosa- und Pinktönen, Messingkerzenleuchtern, alten Teetassen und Rex-Gläsern, Samtbändern und Akzenten in Altgold – und damit ein Stil, für den ich mich ohne Einschränkung durch Vorhandenes nie entschieden hätte, der mir mittlerweile aber sehr gut gefällt – und der Flohmarkt sei Dank auch sehr leicht umzusetzen ist.

3. Deko: Kauf gebraucht!

Apropos Deko und Flohmarkt: Jede Braut geht wohl davon aus, dass ihre Hochzeit in puncto Stil einzigartig und individuell ist. Spoiler Alert: Egal, wofür du dich in Dekodingen entscheidest, es ist bestimmt schon einmal in irgendeiner Form dagewesen – und die Chance, dass das Zubehör der in jener Form dagewesenen Hochzeit für kleines Geld in Gebrauchtbörsen landet, ist sehr, sehr hoch. Mach dir einfach mal den Spaß und gib auf Willhaben und Co den Suchbegriff “Hochzeitsdeko” ein und staune über die Flut an Anzeigen, die über dich hereinbricht. Gerade, wenn dir der aktuell so angesagte Dekostil mit Baumscheiben und Mini-Vasen mit Spitzenborte gefällt, wird dir das passende Zubehör geradezu nachgeschmissen. Schließlich haben die Bräute vor dir mindestens genauso viel Zeit auf Pinterest verbracht und die Kreidetafeln mit flotten Sprüchen, die dir vielleicht gefallen, auch schon gebastelt. Das Schöne daran: Wer in dieser Form suchet und findet, steigt zumeist günstiger aus, als beim Neukauf – und tut dabei Mutter Erde auch noch was Gutes. Win Win! Und übrigens: Wer nicht auf Willhaben suchen will, findet auf Facebook schier unendlich viele Verkaufsgruppen für Hochzeits-Deko, in denen man auch ganz gezielt nach Dingen fragen kann.

Egal, wofür du dich in Dekodingen entscheidest, es ist bestimmt schon einmal in irgendeiner Form dagewesen – und die Chance, dass passendes Zubehör für kleines Geld in Gebrauchtbörsen landet, ist sehr, sehr hoch.

Der große Vorteil an meinem Deko-Stil aus altem Teegeschirr und Messing-Kerzenleuchtern ist übrigens, dass man das notwendige Zubehör ganz großartig auf Flohmärkten beziehen kann. Und nachdem man eine Hochzeit in den meisten Fällen mindestens ein Jahr im Vorhinein plant, hat man dazu auch genügend Zeit. Ich streife deswegen seit einigen Wochen regelmäßig über die lokalen Flohmärkte und bin Stammkundin in der Wabe – und bin immer wieder überrascht für wie wenig Geld man großartige Dinge erstehen kann, die Stück für Stück zu einem großen Ganzen werden.

4. DIY: Realistisch bleiben

Hochzeiten sind wohl das Paradies für Basteltanten und -onkels. Die schieren Möglichkeiten, an denen man sich DIY-technisch abarbeiten kann, sind ziemlich überwältigend – und das meine ich wortwörtlich. Auch, wenn es vielleicht eine gute Idee scheint, nicht nur die Einladungen selbst zu basteln, sondern auch die Tischdeko, den Hintergrund der Fotobooth, Ringkissen, Brauttisch, Candybar, Notfallkörbchen, Sitzplan, Autoschleifen und alle möglichen anderen Details, die sich basteltechnisch anbieten, kann ich aus nicht hochzeitsspezifischer Event-Erfahrung sagen: Leute, unterschätzt nicht den Aufwand, den es bedeutet, all eure Bastelprojekte am Tag der Hochzeit zu platzieren – und Tags darauf wieder abzumontieren (!).

Glaubt mir: Es summiert sich. Und auch, wenn es einen großen Pool an freiwilligen Helferleins gibt, die beim Anbringen von Luftballonbögen und Kirchenbankschmuck unterstützen, müssen die koordiniert und kontrolliert werden: eine Aufgabe, die für alle Beteiligten nicht besonders nervenschonend sein kann. Mein Tipp: In der Anzahl der Projekte realistisch bleiben und im Zweifel lieber weniger machen als zu viel – und: die Grenzen der eigenen Fähigkeiten kennen – in beide Richtungen.

Unterschätzt nicht den Aufwand, den es bedeutet, all eure Bastelprojekte zu platzieren – und am Tag nach der Hochzeit wieder abzumontieren!

Die Faustregel dabei: Wenn es für gewisse Dinge Dienstleister und Handwerker gibt, die eine langjährige Ausbildung absolviert haben um das zu tun, was sie heute anbieten, wirst du es wahrscheinlich nicht auf Anhieb können. Stichwort: Brautstrauß und Hochzeitstorte.

Diese beiden Dinge sind es auch, die ich definitiv NICHT selbst basteln werde. Ein Brautstrauß muss schließlich einen ganzen Tag halten und ist deswegen viel mehr als ein klassischer Blumenstrauß und eine Hochzeitstorte mit mehreren Etagen bricht zusammen, wenn man nicht weiß, wie die Gesetze der Statik im Zuckerbäckerhandwerk funktionieren.

Was ich hingegen selbst machen werde? Meine Einladungen, die Tischdeko mit kleinen Blumensträußchen (über Gestecke würde ich mich etwa nicht drübertrauen) und ein paar kleine Details, sofern ich die Zeit finde.

5. Brautkleid: Probieren geht über studieren

An den Brautkleidkauf bin ich mit folgender Idée fixe herangetreten: Ich will keine 2.000 Euro für ein Kleid ausgeben, das ich nur einen Tag lang trage, und: Ich hätte gern ein Vintage-Teil, am liebsten aus den 60ern. Was ich mittlerweile dazu sagen kann: In der Theorie funktioniert das wunderbar. Es gibt diverse Online-Händler, die wunderschöne Vintage-Kleider zu wohlfeilen Preisen vertreiben und auf Etsy findet man eine Vielzahl an hübschen, einfachen, leichten und bezahlbaren Kleidern.

Und jetzt kommt das große Aber: Auch, wenn Qualität und Preis dieser Kleider oft stimmen und sie am Modell großartig wirken, bedeutet das nicht automatisch, dass sie auch an einem selbst gut aussehen. Ich habe etwa ein wunderschönes Vintage-Kleid gefunden, bestellt, erhalten, mich über die tolle Qualität gefreut, es angezogen – und musste feststellen, dass es mir überhaupt nicht steht. So habe ich schmerzvoll gelernt, dass man gerade bei Kleidungsstücken, die man nicht regelmäßig kauft, schwer einschätzen kann, was einem passt, steht und schmeichelt.

Was im Endeffekt passiert ist? Meine Schwester hat mich schlussendlich doch überzeugt, ein klassisches Brautmodengeschäft aufzusuchen, wo ich dann die gesamte Palette an Kleiderstilen durchprobiert habe: Princess und A-Linie, Mermaid und Ballgown, mit Ärmeln und ohne, Illusion-Neckline, Häkelspitze, Sweetheart und Off-Shoulder – wie ihr seht, ich spreche mittlerweile fließend Brautkleid. Die Erkenntnis: Das, was mir in der Theorie gefallen hätte, sah an mir schrecklich aus – und vice versa. Ob ich schlussendlich ein Kleid gekauft habe? Ja. Ob ich mir dieses Modell auch ohne Anprobe ausgesucht hätte? Bestimmt nicht.

So habe ich schmerzvoll gelernt, dass man gerade bei Kleidungsstücken, die man nicht regelmäßig kauft, schwer einschätzen kann, was einem passt, steht und schmeichelt.

Die Moral von der Geschichte? Online gekaufte Kleider können wunderschön sein, ob sie einem dann im Endeffekt stehen, weiß man erst nach dem Kauf. Und das ist in diesem Kontext wohl (mittlerweile) das größte Risiko. In andern Worten: Braucht jemand ein Vintage-Brautkleid in Größe 36?

Und übrigens: In der Umgebung von Salzburg gibt es einige 2nd Hand-Brautmodenläden, deren Besuch lohnt. Echtes Vintage findet man dort selten – aber günstige Kleider aus zweiter Hand dafür en masse.

Titelfoto von  Thomas William via Unsplash – danke!

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