So richtest du ein Krimidinner aus

 

Herrschaften, dieser Artikel liegt schon wieder viel zu lange in meinen Entwürfen. Wie lange, das sieht man am „Tatort“ der Fotos, die ihn illustrieren: Scharfe Beobachter werden darauf noch meine alte Wohnung erkennen, aus der wir schon seit geraumer Zeit ausgezogen sind. Aber: Das Thema, wie man in den eigenen vier Wänden ein Krimidinner ausrichtet nämlich, hält sich recht gut – und weil es gerade eben mal wieder auf Instagram nachgefragt wurde, ergreife ich jetzt die Aufforderung am Schopf und bringe meine Tipps und Hinweise endlich zu Papier. Los geht’s!

Worum geht’s?

Krimidinner sind, kurz erklärt, im Freundeskreis organisierte Abendessen, bei denen sich alle Teilnehmer in Kostüm und Rolle einfinden, um gemeinsam einen Mordfall zu lösen. Pikantes Detail: der Mörder oder die Mörderin ist stets eine/r der Anwesenden!

Transparenzhinweis: Der Anbieter “Mörderische Dinnerparty” hat mit diesem Artikel nichts zu tun – wir haben alle unsere Spiele selbst gekauft und stehen in keinerlei Kontakt.

Das braucht man:

Die meisten Heim-Krimidinner, die ich so kenne, verwenden ein käuflich erwerbbares Spieleset. Ein solches enthält meist Rollenbeschreibungen, Handbücher, ab und an Tonaufnahmen, Beweise und einen Leitfaden für den Gastgeber oder die Gastgeberin.

Bei unseren mittlerweile vier durchgespielten Krimidinner-Runden haben wir jeweils ein Set des Herstellers „Mörderische Dinnerparty“ verwendet – dieser ist auch wohl der bekannteste Anbieter derartiger Krimi-Spiele. Meine folgende Beschreibung baut also auf diesen Spielesets auf – wobei jene anderer Anbieter ganz ähnlich funktionieren.

Abgesehen vom Spiel, das ähnlich wie ein Brettspiel in einer Kartonbox daherkommt, braucht man – neben der kulinarischen Verpflegung und den Kostümen, die sich jeder Mitspieler selbst zusammenstellt – nicht mehr viel. An technischen Geräten ist dies ein CD-Spieler und ab und an kann es für die Mitspieler nützlich sein, Zettel und Stift für Notizen an der Hand zu haben.

Das enthalten die Spielesets:

Die „Mörderischen Dinnerparties“ sind ziemliche Rundumversorger. Sie enthalten:

  • Ein Handbuch für den Gastgeber, das den Rahmen der Geschichte vorgibt und die richtigen Zeitpunkte anweist, an denen die einzelnen Gänge serviert werden, oder CD-Tracks abgespielt werden müssen
  • Anweisungshefte für die einzelnen Rollen, die am angewiesenen Platz jedes Mitspielers aufgelegt werden
  • Tischkärtchen mit den Namen der Rollen
  • Einladungskarten, die auf Wunsch postalisch verschickt werden können (was wir aber nie gemacht haben – ich habe für Einladung und Abwicklung eine private Mini-Webseite gebaut, weil ich ein Freak bin)
  • Eine Audio-CD mit Tracks, auf denen der Detektiv oder Ermittler des jeweiligen Spiels zwischen den Gängen spricht und teilweise Geheimnisse offenbart
  • Beweise und Indizien in Form von Dokumenten (z.B. Erpresserbriefe oder verdächtige Fotos)
  • Einen Menüvorschlag mit Rezepten

Zudem stellen die Hersteller Spotify-Playlists mit passender Musik bereit – jede Geschichte spielt in einer anderen Epoche und die passende musikalische Untermalung macht den Abend gleich nochmal so stimmungsvoll.

ACHTUNG: Die „Mörderischen Dinnerparties“ können nur ein Mal von der gleichen Runde gespielt werden. Sobald man den Verlauf der Geschichte kennt, verliert das Spiel seinen Witz. Aber: Die Boxen können weitergegeben werden, etwa im Freundes- und Familienkreis und dann von anderen Runden erneut gespielt werden.

So viele Leute können mitspielen:

Kurz gesagt: Mindestens sechs und höchstens zehn Personen.

Die Dinnerparty-Sets enthalten sechs fix zu besetzende Rollen (drei weiblich drei männlich) und zwei nicht essenzielle Erweiterungsrollen plus zwei Ergänzungsrollen, die auf der Webseite des Anbieters zum kostenlosen Download stehen. Dabei ist das Spiel so gestaltet, dass nur die sechs essenziellen Rollen als Mörder in Frage kommen – ob man das als Gastgeber gleich verrät oder tunlichst verschweigt, ist Geschmackssache.

Die Themen:

Beim Anbieter „Mörderische Dinnerparty“ gibt es aktuell neun spielbare Geschichten im Angebot, die sich thematisch unterscheiden, aber allesamt einen gewissen Retro-Einschlag haben. So spielt ein Mordfall auf der sinkenden Titanic, einer im London-Express, der eine recht eindeutige Anlehnung an Agatha Christies Orientexpress ist, einer im französischen Modeschöpfer-Milieu, einer im englischen Herrenhaus.

Die Fotos in diesem Beitrag sind entstanden, als wir die Ausgabe „Der Pate von Chicago“ spielten, die im Chicago der 30er angelegt ist und uns bisher am besten gefallen hat. Ebenso gut fanden wir den „Totentanz auf der Titanic“, etwas schwächer den „Tod im London-Express“ und die „Stimme aus dem Jenseits“. Den „Fluch der grünen Dame“ haben wir schon zuhause liegen, aber noch nicht durchgespielt.

Der Ablauf:

Zu allererst erhalten die Gäste ihre Einladungen. Diese verraten bereits erste Details zu Mordfall, Opfer und Setting und zu ihren Rollen, etwa Name, Alter, Beruf und Beziehung zum Mordopfer. Zudem bekommen die Gäste kurze Anweisungen, wie sie sich etwa kostümieren sollen – wobei hier natürlich freier Interpretationsspielraum besteht!

Treffen die Gäste ein, so tun sie das schon in ihrer Rolle, die sie den Abend über auch möglichst beibehalten sollen. Das wirkt am Anfang etwas gestelzt, man gewöhnt sich (ein Aperitif mit ausreichend Sprit hilft) aber relativ schnell daran.

Anschließend setzen sich alle Mitspieler an ihren Platz und schlagen die erste Seite ihres Charakter-Handbuchs auf. Hier erfahren sie weitere Details über ihre Rolle und erhalten eine Aufgabe für die erste Runde – diese umfassen meist das gezielte Nachfragen bei einer anderen Rolle oder das Einwerfen eines sachdienlichen Hinweises.

Es folgt die Einstiegsrunde, in der sich alle Rollen vorstellen und der Ermittler von der CD spricht. Im anschließenden freien Gespräch zwischen den Rollen hat jeder seine oben erwähnte Aufgabe zu erfüllen, dann wird der erste Gang serviert.

Nun folgen wechselweise Gesprächsrunden mit Aufgaben und Indizien, die gemäß dem Charakterhandbuch durchgespielt werden, Ermittlungserfolge des Detektivs von der Audio-CD und die Hauptspeise – wobei sich die Mitspieler erfahrungsgemäß von Rolle zu Rolle mehr in Rage reden und die Stimmung immer ausgelassener wird.

Vor dem Dessert gibt jeder Mitspieler seinen Tipp ab, wer in der Runde der Mörder oder die Mörderin sein könnte – und der Mörder, der bis zum Schluss nicht von seiner Identität weiß, erfährt, dass er selbst der Übeltäter ist. Der Detektiv vom Band hält sein Schlussplädoyer und anschließend kommt das große Aha.

Dauer des ganzen Spaßes: Etwa 3,5 Stunden

Das Essen und der Tisch:

Spielt man den Gastgeber des Dinners, ist man für Tischdekoration und Menü verantwortlich. Mein Tipp: Es trägt viel zur Stimmung bei, wenn Tisch und Speisesaal passend zum Thema dekoriert sind und die Musikauswahl entsprechend angepasst wird! Wir haben für den “Paten von Chicago“ jedes Klischee eines italienisches Restaurants bedient, das uns eingefallen ist: Grissini in roter Serviette, rote Rosen, rotkarierte Tischdecke, Kerzen in Lambrusco-Flaschen. Ergänzt haben wir das alles mit Speakeasy-Schildern und 40er Jahre-Jazz.

Wenn es nun ums Kochen geht, ist bei den „Mörderischen Dinnerparties“ jeweils ein Drei Gänge-Menü vorgesehen. Dieses sollte möglichst gut vorzubereiten sein, weil man sonst als Gastgeber nur in der Küche steht, nix vom Spiel mitbekommt und sich jede Runde in die Länge zieht. Ich hab beim „Paten“ folgendes gekocht: Polenta-Caprese-Türmchen, klassische Spaghetti and Meatballs und eine Panna Cotta mit Physalis – wobei ich direkt am Abend nur die Pasta kochen musste und mich um die Getränke gekümmert habe. Das macht mit Abstand am wenigsten Stress.

Noch in paar Tipps zum Schluss:

  1. Die „Mörderischen Dinnerparties“ sehen gleich viel Damen- wie Herrenrollen vor. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es einerseits Spaß machen kann, Gäste ganz bewusst crossdressen zu lassen (Damen eine Herrenrolle zuteilen und umgekehrt) und ganz entgegen ihrer Persönlichkeit zu besetzen. Und: Meistens geht es sich rein von der Gästestruktur her eh gar nicht aus, dass jeder Mann eine Herrenrolle bekommt und jede Frau eine Damenrolle
  2. Überfordere dich nicht mit dem Menü! Auch, wenn du zeigen willst, was du kulinarisch drauf hast, ist ein Krimidinner hier nicht unbedingt die beste Gelegenheit – wärm lieber einen Eintopf auf und habe dafür mehr Spaß am Spiel, ohne gestresst von der Küche an den Esstisch und retour zu hetzen
  3. Nimm als Gastgeber*in nach Möglichkeit keine der sechs essenziellen Rollen an, sondern eine Zusatzrolle, weil du höchstwahrscheinlich weniger konzentriert am Spiel teilnehmen wirst, als andere Mitspieler
  4. Ihr hattet Spaß? Macht nicht den Fehler, einzelne Krimidinner-Abende zu knapp nacheinander zu machen. Es kann passieren, dass sich zu viel Routine einschleicht und das Spielvergnügen auf der Strecke bleibt
  5. Du veranstaltest mehr als eine Runde? Mische dir Gäste immer wieder durch! Wenn man immer in der gleichen Runde spielt, kann es irgendwann ein wenig langweilig werden
Und nun: Viel Spaß bei eurer Krimirunde!

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