6 Bücher für Herbstabende auf der Couch

 

Bevor ich in diese auf Instagram gewünschte Liste von Buchempfehlungen für den Herbst starte, muss ich ein, zwei Dinge vorausschicken. Erstens: Ich tu mir immer unfassbar schwer, Bücher für derartige Listen auszusuchen. Einerseits, weil ich in den letzten Wochen aus Ermüdungsgründen fast nur Schund gelesen habe (der aber teilweise sehr unterhaltsam war) und andererseits weil ich mich immer redlich bemühe, einen halbwegs ausgewogenen Bücher-Mix in solche Listen hineinzuzwängen. Konkret meine ich damit: Nicht zu viel Fantasy und Science Fiction, die ich gerade im Herbst am allerliebsten lese.

Deswegen bestand diese Liste nach vollendeter Bücherregaldurchstöberung aus ganzen 13 Titeln, die, bei aller Liebe, viel zu viel für so ein Listical wären. Deswegen gibt es meine Buchempfehlungen für Nebelabende nun in zwei Portionen. Aufgeteilt in sechs verschiedene und von mir subjektiv gewählte Sparten und gefüllt mit Titeln, die vor allem eine Absicht haben: zu unterhalten. Erwartet euch also keine (oder fast keine) weltbewegenden philosophischen Abhandlungen, sondern eher buchgewordene Pendants zur vielgeliebten Netflix-Serie, die düstere Abende versüßt.

Zudem habe ich versucht, auch ältere und klassische Bücher aufzunehmen, frei nach dem Motto: Neu muss nicht immer besser sein

Können wir uns darauf einigen? Dann geht es nämlich los:

Das Klassische

H.P. Lovecraft: The Loved Dead

Schauergeschichten-Urvater H.P. Lovecraft kennt man wohl vor allem im Zusammenhang mit dem Cthulhu-Mythos und seinem tentakelreichen Protagonisten, der Horror-Großmeister hat aber auch außerhalb der feucht-makabren Tiefsee schaurige Kurzgeschichten zu Papier gebracht. “The Loved Dead” bringt 19 dieser Kurzgeschichten in einem Band zusammen, darunter das recht bekannte “Diary of Alonzo Typer”, die ein bisschen gruseln lassen, im Abstand von rund 100 Jahren seit Veröffentlichung  aber auch wohlig nostalgisch wirken. Die Kurzgeschichten sind meist um die 20 Seiten lang und lassen sich auch sehr gut portionsweise lesen.

Darum geht es: Verfluchte Herrenhäuser, gespenstische Gräber, Monster in der Tiefe, Schrecken, der in den Wahnsinn treibt – wobei keine der Geschichten so unheimlich wird, dass sich zarter besaitete Leser*innen zu sehr gruseln sollten.

Darum geht es wirklich: Lovecraft, der Pionier und Selbstbedienungsladen: Grusel-Aficionados werden in den 19 Kurzgeschichten viele Themen wiedererkennen, die im modernen Horror-Genre häufig wiedergekäut wurden.

Passt für: Halloween-Stimmung und Nebelspaziergänge

 

Das Fantastische

Neil Gaiman: Neverwhere

Richard Mayhew hat einen faden Bürojob, eine Verlobte aus besserem Hause, eine Wohnung, eine Sozialversicherungsnummer und ein völlig durchschnittliches Londoner Mittelklasseleben – bis er in den Straßen der Stadt ein verletztes Mädchen findet. Dieses hört auf den Namen Door, flieht vor obskuren Auftragsmördern und nimmt Richard, der plötzlich alles verliert, was ihm zuvor vertraut war, mit in den Londoner Untergrund. Dort trifft er mittelalterliche Mönche und römische Legionäre, einen Earl, der in einem U-Bahnwaggon Hof hält, einen Engel namens Islington, Vampire und Halsabschneider und hilft Door, ihren Häschern zu entfliehen.

Darum geht es: Magie, Monster und Mythen, die sich hinter den Namen von Londons Ubahn-Stationen verbergen.

Darum geht es wirklich: Was ist die Sicherheit eines vorhersehbaren, aber faden Lebens gegen das Abenteuer des Unbekannten?

Passt für: Freund*innen alles Britischen und London-Experten, die sich über versteckte Schmähs freuen können. Unbedingt im englischen Original lesen!

 

Das Futuristische

Amie Kaufman, Jay Kristoff: Illuminae

Zwei Hinweise zum Anfang: Erstens ist “Illuminae” eigentlich ein Jugendbuch und zweitens sollte man es sich unbedingt in Papierform kaufen – aufgrund des sehr dekorativen und oft nicht ganz linearen Layouts sind Teile des Buchs am eReader schwer lesbar.

Nun zum Inhalt: Kady und Ezra leben in der illegalen Minenkolonie irgendwo am Rande des Universums – einer  Kolonie, die eines Tages aus heiterem Himmel von ebenjenem gefegt wird. Nun befinden sich die beiden mit den wenigen Überlebenden des Genozids auf der Flucht zum nächsten sicheren Weltraumhafen – auf unterschiedlichen Schiffen und verfolgt von einem Kampfschiff, das alle Spuren des Massenmords beseitigen will. Als wären dies noch nicht genug Probleme, breitet sich auf Ezras Schiff zudem der mutierte Virus einer biochemischen Waffe aus – und AIDAN, der hyperintelligente Bordcomputer, übernimmt schleichend die Kontrolle, um Entscheidungen zu treffen, denen sich die menschlichen Passagiere des Raumschiffs nicht gewachsen sehen.

Darum geht es: Multinationale Mega-Firmen, die auch im Weltraum für Profit über Leichen gehen und nerdige Teenager, die sich ihren Plänen in den Weg stellen. Spannender Ansatz ist außerdem, die künstliche Intelligenz AIDAN, der oft mehr in Wortbildern, denn in Text kommuniziert, zum dritten Protagonisten zu erklären.

Darum geht es wirklich: Ist es ethisch vertretbar, ein paar wenige Menschenleben für das Wohl der Vielen zu opfern? Und was, wenn eine künstliche Intelligenz darüber entscheidet? Diese Themen machen “Illuminae” zu einer Art Ferdinand von Schirach für Teenager. PS: Illuminae ist Teil eins einer Trilogie.

Passt für: Freund*innen von aufwändigen, dekorativen Layouts – und auch für Science Fiction-Verächter: Illuminae ist ein richtiger Pageturner!

 

Das Schwarzhumorige

Christoph Grissemann, Rocko Schamoni: Ich will nicht schuld an deinem Niedergang sein

Wir alle haben vermutlich “Gut gegen Nordwind” gelesen. Darin geht es um eine Liebe, die sich innerhalb eines Emailverkehrs zwischen Unbekannten entspinnt. “Ich will nicht schuld an deinem Niedergang sein” hat damit ein Bisserl was und gleichzeitig gar nix zu tun: Der SMS-Wechsel zwischen den Kollegen Grissemann und Schamoni handelt von schwindligen Abstrusitäten und der persönlichen Grandeur, ist unterhaltsam, für Leute, die Grissemann-Schamoniesken Humor schätzen, schnell gelesen und gut für Zwischendurch.

Darum geht es: Zwei Popkulturgrößen im Zwiegespräch 2.0

Darum geht es wirklich: Sinnfreie Unterhaltung, teils politisch unkorrekter Natur

Passt für: Damen und Herren, die schrägen Humor goutieren.

 

Das Feministische

Margaret Atwood: Alias Grace

Kanada, 1843: Grace Marks, Hausmädchen, wird wegen des Mordes an ihrem Herren und dessen Haushälterin verurteilt und verbüßt ihre lebenslange Haftstrafe in einem Frauengefängnis. Nach Jahren der Strafgefangenschaft weckt Grace das Interesse des jungen Nervenarztes Dr. Simon Cowell, der sich ein Bild von der Psyche und den Motiven der berüchtigten Mörderin machen will. Ist sie kaltblütige Täterin, ein Opfer ihrer Umstände oder gar unschuldig?

Darum geht es: Erzählt nach einer wahren Geschichte ist “Alias Grace” ein Sittenbild und Krimi, Drama und Biografie zugleich.

Darum geht es wirklich: Wenn gesellschaftliche Umstände zum Verbrechen treiben: Ist dann auch der/die Täter*in ein Opfer?

Passt für: Alle, die Nachfolgelektüre zu Margret Atwood bekannterem “Handmaid’s Tale” suchen.

 

Das Ironische

Daniel Kehlmann: Ich und Kaminski

Sebastian Zöllner braucht endlich einen großen Wurf. Seit seinem Kunstgeschichtestudium gelang ihm nie die wirklich große, karrierebegründende Publikation und um das zu ändern, ist ihm kein Weg zu weit. Nicht einmal jener in entlegene Alpendörfer und zum vergessenen Genie Manuel Kaminski. Der alternde Maler war als Malisse-Schüler einst ein ganz Großer, bevor er sich aus dem Kunstbetrieb zurückzog. Nun will Zöllner dem Maler vor dessen Ableben mit einer Biografie ein Denkmal setzen – und das aus nicht ganz uneigennützigen Gründen. Doch mit dem eingeschworenen Umfeld Kaminskis hat Zöllner nicht ganz gerechnet.

Darum geht es: Ein eitler Publizist, ein sterbendes Genie und eine Tour de Force durch die Tücken der Gesellschaft und des Kunstbetriebs.

Darum geht es wirklich: Manipulation, Geltungsdrang, Moral und der Biograf als Parasit des Künstlers. Darf der Ruhm eines Dritten das Sprungbrett für die eigene Karriere sein?

 

 

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