Rezension: “Das Kleiderschrank-Projekt” von Anuschka Rees

 

Transparenzhinweis: Ich habe ein Rezensionsexemplar von “Das Kleiderschankprojekt” kostenlos vom Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank!

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wie manche von euch wissen mögen, befinde ich mich seit einigen Monaten auf dem Weg in Richtung Capsule Wardrobe – inklusive, Outfitprojekten, Reißbrett-Sessions und zwischenzeitlichem Hadern mit meinem Gwandkasten-Schicksal, weil Kleidungs-Minimalismus im stressigen Alltag oft schwerer umzusetzen ist, als man es sich wünscht.

Eine, die ihren Kleiderschrank schon bis zur Perfektion durchorganisiert hat, ist Anuschka Rees, die als Bloggerin und Minimalismus-Expertin in Berlin wohnt und vor einiger Zeit ihr Opus Magnum “Das Kleiderschrankprojekt” publizierte. Dieses soll ein Handbuch sein für alljene, die ihren Gwandkasten optimieren und minimalisieren möchten – und sich dabei einen papierenen Begleiter wünschen.

“Weniger kaufen, besser auswählen, länger Freude daran haben.” – Vivienne Westwood

Darum geht’s

Der Kleiderschrank ist voll und man hat trotzdem nichts anzuziehen? Diesem Phänomen sagt Anuschka Rees, so der Klappentext in Paraphrase, den Kampf an. Ihr “Kleiderschrankprojekt” ist ein Selbsthilferatgeber inkl. Übungsbuch für Damen und Herren, die ihren eigenen Stil finden und dabei die Welt verbessern wollen. Stichwort: für Minimalismus und Zeitlosigkeit, gegen Fast Fashion.

Vorgegangen wird dabei mit System. In vier Teilen bringt Rees erst die Grundlagen (Einführung und Zielsetzung) näher, nimmt sich dann das Entdecken des eigenen Stils zur Brust, anschließend wird die ideale Garderobe zusammengestellt und in Teil vier folgt eine Abhandlung zur “Kunst des Shoppens”. Begleitend zur Lektüre nimmt man als aufmerksamer Rees-Schüler (m/w) das zum Buch gehörige Arbeitsbuch zur Hand. Dort gilt es Selbstanalyse zu betreiben, Bestand aufzunehmen, Vorbilder zu katalogisieren und schließlich den Inhalt des eigenen Gwandkastens generalstabsmäßig durchzuplanen.

Die Textilkatharsis nach Rees dauert dabei acht Wochen – und diese sind in ihrem Ablauf wohldurchdacht. So startet man in Woche 1 mit einer täglichen Dokumentation seiner getragenen Outfits um diese anschließend nach Wohlfühlfaktor und Güte zu bewerten, die Wochen 2, 3 und 4 widmen sich mit entsprechenden Übungen der Stilverfeinerung. Erst in Woche 5 erhält der Kleiderschrank seine Detox-Kur, nach der das Aussortierte gespendet oder verkauft, das Kaputte repariert und das Behaltene analysiert wird und ab Woche sechs wird mit Vorhandenem kombiniert und gestylt und strategisch ergänzt.

So gut funktioniert’s

Eines vorweg: Das Rees’sche Detox-Programm ist nicht nur zeitaufwändig, es tut abschnittsweise auch richtig weh! Gerade ersterer Aspekt ist daher der Grund, warum ich beim ersten Versuch nicht das Vollprogramm des Kleiderschrank-Projekts absolviert, sondern nur die eine oder andere Übung in meinen Alltag integriert habe. Eines muss ich aber sagen: Der textile Thearpieablauf ist wirklich gut konzipiert. Als besonders positiv habe ich dabei erlebt, dass das “Kleiderschrank-Projekt” nicht mit dem Aussortieren und Wegwerfen von Altlasten beginnt, sondern erst in die Selbstfindung startet – so werden Ausmistfehler vermieden und der bewusste Umgang mit Mode an Vorhandenem geübt. Sehr schön fand ich überdies die immer wieder auftretende Bekräftigung, nicht mehr benötigte Kleidung nicht wegzuwerfen, sondern sinnvoll zu verwerten und beim Shopping auf Zeitlosigkeit und Qualität zu achten und den eigenen Stil sowie die Einsatzfähigkeit von Einzelstücken im Hinterkopf zu behalten.

Fazit

“Das Kleiderschrankprojekt” von Anuschka Rees ist eine gut konzipierte Selbsttherapie für Gwandkasten und Konsumverhalten, die viel Zeit und Arbeit kostet, sich aber durchwegs lohnt. Ich möchte deswegen in Zukunft das gesamte Acht Wochen-Programm durchlaufen und hoffe, dass ich diesmal das notwendige Durchhaltevermögen aufbringe.

Anuschka Rees
Das Kleiderschrankprojekt
DuMont 2016

 

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