Hello again…

 

Hallo, da bin ich wieder. Nach ein paar Wochen der Ruhe und des Eisessens, der stückweisen Digital-Abstinenz und des Nachdenkens, was ich nach meiner kleinen Zäsur mit all dem hier anfangen soll. Ich habe viel Wein getrunken und mit Kolleg*innen diskutiert, mir den Kopf über meine Branche und ihre Entwicklung zerbrochen, habe überlegt, wie ich mit gewissen Dingen umgehen möchte und darf euch, die es interessiert, kurz darlegen, was ich mir so gedacht hab, bei meinem Schwadronieren über die Güte und die Blog-Welt, in die sie irgendwie nimmer so richtig passt.

Denn: Wenn man sich Gedanken macht, über die Lage der persönlichen Nation, sind es im Grunde zwei Fragen, die Relevanz haben.

Warum habe ich vor fünf Jahren mit all dem hier eigentlich angefangen? Und was ist es, das mir aktuell die Freude daran nimmt?

Die Antworten darauf sind eigentlich erschreckend einfach.

Ich liebe es, charmante und ein wenig aufmüpfige Textchen zu schreiben und das auf eine mitunter ungewöhnliche Art und Weise zu tun. Ich mag es, ein bisschen gegen den Strom zu schwimmen. Es macht mir Freude, selbstbestimmt und mit Muße an einem Beitrag zu arbeiten und dann ein fertiges Werkstück zu sehen, mit dem ich mich identifizieren kann. Und ich finde es schön, Dingen ein klein wenig Aufmerksamkeit zu verschaffen, die ich gut und unterstützenswert finde.

Was ich hingegen nicht mag? Ich hasse es Rechnungen zu schreiben. Steuererklärungen bereiten mir Kopfschmerzen. Administratives Micro-Management ist mein steter Albtraum. Ein übervolles Email-Postfach ist der Schrecken meiner schlaflosen Nächte. Ich fühle mich unwohl dabei, meiner Arbeit einen Preiszettel umzuhängen. Und das Umstricken eines zu platzierenden Produktes mit einer mehr oder minder konstruierten Geschichte bereitet mir oft Bauschmerzen.

Kurz: Seit ich diesen Blog kommerziell betreibe (auch, wenn die kommerzielle Seite immer schwach ausgeprägt war), ist die Freude in Zwang gekippt, der Spaß wurde mit Bürokratie zugekleistert und was mir früher wichtig war, wird von administrativen Notwendigkeiten überlagert. Ich bin einfach keine geborene Geschäftsfrau, die gern verhandelt, gerne Buch führt, gerne Deals abschließt. Ich komme aus einer Familie von Sozialberuflern ohne Unternehmer-Gen und mich in diese Welt einzugliedern zu versuchen, hat sich für mich immer fremd angefühlt.

Und: Ich lebe in dem Luxus, all dies eigentlich gar nicht tun zu müssen, weil ich einen erfüllenden Vollzeitjob habe und nicht von Blog-Einnahmen abhängig bin.

Ihr werdet vermutlich schon erraten haben, worauf dieser Sermon hinausläuft:

Ich habe mich dazu entschlossen, meine bestehenden Kooperationen gut abzuschließen, aber keine neuen mehr anzunehmen und die Gute Güte ab 2019 wieder als Hobby-Blog zu betreiben.

Das bedeutet einerseits, dass es ab 2019 keine Sponsored Posts mehr geben wird, andererseits aber auch, dass ich weniger regelmäßig bloggen werde. Nur, wenn mich die Muse küsst, ich Freude daran habe und mich nicht dazu zwingen muss, eine Deadline, einen Redaktionsplan einzuhalten. Ich werde weiterhin auf Medien-Events gehen, sofern ich eingeladen werde, möchte weiter über Lokale, Kulturinitiativen und kleine Unternehmen schreiben, die ich unterstützenswert finde und euch auch von kaufbaren Dingen erzählen, die ich empfehlen kann. Aber: Ich werde kein Geld mehr dafür annehmen, dies zu tun. Und ich werde mich nicht weiter dem Zwang aussetzen, einer selbstauferlegten Regelmäßigkeit hinterherzuhetzen. Sowohl am Blog als auch auf meinen Social Media-Kanälen. Denn das noch weiter befreiende daran ist: Wenn ich mit all dem aufhöre, können mir Reichweiten und Zugriffszahlen egal sein, ich muss schließlich keine Rechenschaft mehr darüber ablegen.

Klar. Mit dieser Entscheidung geht mir Geld flöten, verzichte ich auf Möglichkeiten und vielleicht auch auf Prestige. Aber mit all dem erkaufe ich mir meine Freiheit, in vielfacher Hinsicht. Und ganz ehrlich: Es gibt so viele, viele großartige Kolleginnen und Kollegen, die das viel besser machen, mit dem kommerziellen Bloggen, die davon leben können und wollen, die dieser Welt gewachsen sind. Ich bin es nicht – und das ist ok.

 

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