Mozart on the road: Wunderkinder, das vergessene Nannerl und die Europäischen Mozartwege*

 

*Werbung: In freundlicher Zusammenarbeit mit dem Mozartwegen Europas/European Mozartways

Spricht man gelernte oder eingeborene Salzburger und -rinnen auf das Thema Mozart an, erntet man meist eine Reaktion, die irgendwo zwischen Schulterzucken und Augenrollen angesiedelt ist. Kennt man eh, hört man aber nicht und das Interesse an der Materie ist oft endenwollend.

Sieht man sich im Salzburger Stadtbild um, begegnet der berühmteste Sohn der Stadt nämlich primär in touristisch verwertbarer Form: schokoladig, kitschig, leicht verdaulich, in Rüschenblusen aus Polyester gehüllt und als Pappaufsteller vor einem der diversen Souvenirläden der Altstadt. Ob es ihn trotz allen Trubels um seine Person noch gibt, den ursprünglichen Mozart, dem Brachialhumor wohl eher lag als höfischer Feinsinn, der die nach ihm benannte Kugel nie kennenlernte und dessen Kompositionen praktisch die Popmusik des 18. Jahrhunderts sind?


Genau mit dieser Frage im Hinterkopf habe ich mich vor ein paar Wochen auf die Reise gemacht. Geführt hat mich dabei ein ganz besonderer roter Faden: Die Europäischen Mozartwege sind ein internationales Netzwerk aus Städten und Institutionen, die ihr Bezug zu Mozart eint. Umfangreiche Reisen führten den Komponisten einst nach Neapel, Rom, Cremona, Paris, Prag, London oder Berlin – und auch in kleine Dörfer im Gebirge, in denen immer noch Erinnerungen an das durchziehende “Wunderkind” schlummern.

Meine Mission dabei? Verstehen, wie es gewesen sein mag, sich vor rund 250 Jahren auf die Reise zu machen – per Kutsche, bei jedem Wetter und im Kindesalter – und nachzuspüren, was geblieben ist von Wolfgang Amadé Mozart und dem Rest seiner Familie, die oft im Schatten des großen Genies verschwindet.

Doch: Dieses Verstehen habe ich mir nicht selbst erarbeitet. Begegnungen mit verschiedenen Orten und Persönlichkeiten entlang der Mozartwege haben mir ein Gefühl dafür gegeben, wie es denn sein muss, als musikalisches Wunderkind fernab der Heimat zu spielen, was ein Leopold Mozart wohl in seiner Reiseapotheke gehabt haben mag und wie Mozart auch heute noch in der ländlichen Musiktradition weiterlebt.

Da gab es etwa die Begegnung mit dem elfjährigen Nathan Rinaldy aus Australien, der als Hochbegabter an der Universität Mozarteum Flöte studiert und als eines der Wunderkinder des 21. Jahrhundert gilt. Ich konnte Mozarts Reiseklavier kennen lernen, ein kleines, transportables Instrument mit eigenwilligem Klang, auf dem der Komponist Teile der Zauberflöte schuf. In Unken hingegen durfte ich meine Finger in Cremetiegel tunken, deren Inhalt wohl auch schon die reisende Familie Mozart im Gepäck gehabt haben mag.

Wie wichtig die lokale Musiktradition für das Salzburger Landleben ist, erfuhr ich in Lofer und Weißbach – einem Ort mit 400 Einwohnern und einer Musikkapelle, die 50 MusikerInnen zählt. In St. Gilgen erzählte man mir von Maria Anna Mozart, genannt “Nannerl”, die wohl eine der begabtesten Musikerinnen ihrer Zeit gewesen sein mag – ein Talent, das aufgrund ihrer Umstände nie zur vollen Entfaltung gelangte. Und im Musik.Instrumenten.Museum der Völker schließlich durfte ich durch eine Schatzkiste mit 5.000 Musikinstrumenten aus aller Welt spazieren, die weite Reisen über alle Kontinente in einen Raum getragen haben.

Aber: Viel besser als erzählen lässt sich das alles natürlich ansehen und anhören. Den fantastischen Film zur “Tour de Mozart” gibt es hier.

Was ich also in einem Satz erfahren durfte? Mozart ist weder tot, noch lässt er sich so einfach in Stanniolpapier packen. Wer ordentlich hinsieht, der entdeckt immer noch spannende Geschichten zu Wolfgang Amadé und seiner Familie, die es wert sind zu erzählen, zu erleben und zu bewahren.

Ich bedanke mich herzlich bei den Mozartwegen Euopas/European Mozartways.

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