Die Galerie 5020 wurde in eine queere Dystopie mit Erdmännchen und Dolly Parton verwandelt

 

Alle Fotos: © Stefan Beer

Wir schreiben das Jahr 2098. Auf der Erde herrscht sengende Hitze, nur ein paar Erdmännchen vermögen, dieser Widerstand zu leisten. Nach was sie sich sehnen? Nach dem letzten Schnee. Wer ihre Suche lenkt? Dolly Parton, die seit Jahrzehnten in Katakomben unter der Erdoberfläche ausharrt und immer noch singt.


Was sich hier liest, wie der Plot eines Romans von Douglas Adams, ist eine performative Installation des österreichischen Künstlers Georg Klüver-Pfandtnder, die aktuell in der Galerie 5020 gezeigt wird. Sie stellt die Frage, wie sich bestehende Räume aus ihren inhärenten Konnotationen lösen und “queeren” lassen, um diese Erfahrungsräume intersubjektiv zu teilen. Oder vereinfacht gesagt: Sie eröffnet dem Zuseher und “Beschreiter” eine fantastische Wildnis in Pink und Glitzer, in der Sehgewohnheiten hinterfragt und klassische Kunsterlebnisse humorvoll gebrochen werden – und zwar aus der Sicht eines Erdmännchens.


Das Vehikel dazu: Das Setting einer klassischen Naturdokumentation, die Tiere in ihrem Lebensraum zeigt und deren Verhalten durch eine Off-Stimme, das Voice-Over, dem Zuseher näher gebracht wird. Dieses Szenario bot die Rahmenhandlung für die im Zuge der Sommerszene gezeigten Performances, die eine Gruppe von Erdmännchen auf ihrer Suche nach dem letzten Schnee durch die irdische Endzeit begleitete. Kommentiert und moderiert durch eine personifizierte Stimme aus dem Off, durchzogen mit Song-Einlagen und unter vielfacher Publikumseinbindung geriet der Galeriebesuch dabei zu einem immersiven Erlebnis.


Die Kulisse dieser Performance, eine raumgreifende, begehbare Installation in mehreren Szenen kann nach wie vor in den Galerie 5020 durchwandert, Mitschnitte der Performance auf Bildschirmen verfolgt werden. Besucher wandern dabei durch pinke, glitzernde Räume aus Stoff, Lametta und künstlichen Körperteilen, die mit atmosphärischen Lichteffekten innerhalb weniger Meter völlig unterschiedliche Raumempfindungen erzeugen. Das Besuchererlebnis selbst lotet dabei Genregrenzen aus, zwischen Performance und Theater, zwischen Installation und Bühnenbild. Der Grund dafür mag in der Vita des Künstlers begraben liegen: Georg Klüver-Pfandtner bewegt sich sowohl in seinen Studien als auch in seiner künstlerischen Praxis zwischen Theorie und Anwendung, zwischen Performance Research, Bildender Kunst und Choreographie.


Das Ergebnis muss man wohl selbst erlebt haben.

Georg Klüver-Pfandtner
(EMPTY) SPACE – VOM LEBEN, DER VERZWEIFLUNG
Noch bis zum 21. 07. 2018

Galerie FÜNFZIGZWANZIG
Residenzplatz 10, 2.OG
5020 Salzburg

Öffnungszeiten: Di – Sa 13–17h / Do bis 20h

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