READING

Warum ich euch so wenig aus meinem Privatleben erz...

Warum ich euch so wenig aus meinem Privatleben erzähle

 

Ich weiß, dass manche von euch da draußen alles, was ich in sozialen Medien, auf Instagram, Facebook und vor allem in meinen Instagram Stories poste, mit Adleraugen verfolgen. Und ich muss an dieser Stelle sagen: Es ehrt mich sehr, dass euch mein eigentlich recht fader Alltag so interessiert – es ist ein Privileg, um genau zu sein! Euch fällt auf, wenn ich eine neue Haarfarbe habe, ich in meinem Wohnzimmer umstelle, ein untypisches Kleidungsstück trage, verschnupft bin oder einen knalligeren Lippenstift trage als sonst. Ihr gebt mir in Windeseile Tipps, wenn ich sie brauche, fragt mich nach Einkaufsadressen, Lokalen und Rezepten und macht so jene Tage, die ich auf Instagram dokumentiere, oft viel reicher.

Es ist schon eine seltsame Beziehung, die wir dadurch haben, ihr vor euren Handys und ich vor dem meinen. Eine eigentlich anonyme Scheinintimität, die auch ab und an persönlich wird – wenn ich euch im „echten Leben“ treffe etwa, ihr mich in Kaffeehäusern, auf der Straße oder an Bushaltestellen ansprecht und wir uns endlich auch einmal von Angesicht zu Angesicht unterhalten können. Es gab schon viele herrliche Begegnungen dieser Art, schöne Erlebnisse und – oft von eurer Seite – auch Aha-Erlebnisse (scheinbar schaue ich auf Fotos größer aus als ich es tatsächlich bin).

Ich habe für mich eine rote Linie gezogen.

Trotzdem gibt es innerhalb dieser Scheinintimität gewisse Fehlstellen. Tage, an denen ich nichts poste, Dinge, über die ich euch nichts erzähle und Menschen in meinem Leben, denen ich das Licht dieser Mini-Öffentlichkeit erspare. Und nun komme ich zu dem Punkt, wegen dem ich diesen Beitrag schreibe: Ich setze diese Fehlstellen ganz bewusst.

Als ich zum ersten Mal damit konfrontiert wurde, dass die Dinge, die ich online publiziere, auch tatsächlich auf Interesse von Menschen stoßen, die ich nicht persönlich kenne, habe ich mich bewusst hingesetzt und für mich selbst eine rote Linie gezogen. Eine rote Linie, die jene Dinge, über die ich gerne etwas erzähle, die ich gerne zeige, beschreibe und präsentiere, von denen trennt, die ich bewusst privat halten möchte. Hinter dieser Linie stehen etwa meine Familie, meine Beziehung, viele meiner Freunde, meine Gesundheit – und lange war dies auch meine politische Einstellung, wobei ich mit diesem Grundsatz in jüngster Zeit immer wieder breche. Ich habe für mich festgestellt, dass ich gewisse Momente, Informationen und Erlebnisse nur mit jenen Menschen teilen möchte, die mir wirklich nahestehen und euch, trotz aller Vertrautheit in Instagram-Nachrichten, immer noch als Öffentlichkeit empfinde.

Ob dieser Beitrag einen Anlassfall hat? Ja, hat er.

Ob dieser Beitrag einen Anlassfall hat? Ja, hat er. Ich trage nämlich seit ein paar Monaten einen Ring an einem gewissen Finger und die Hand, zu der dieser Finger gehört, ist auf Fotos und Filmen, die mich zeigen, immer wieder zu sehen. Dank eurer eingangs geschilderten Adleraugen habt ihr diesen Ring natürlich entdeckt, großteils auch richtig interpretiert und mich gefragt, warum ich nichts dazu erzähle, euch an Dingen teilhaben lasse, die damit zu tun haben. Und eure Frage ist ja auch berechtigt. Die allermeisten Bloggerinnen und Blogger da draußen, die in weitestem Sinne das Thema „Lifestyle“ beackern, dokumentieren solche Dinge aus ihrem Privatleben auch ganz ausführlich. Ich kann das gut verstehen, immerhin ist es schön, freudige Ereignisse zu teilen, an Klickzahlen sehe ich, dass ihr diese Dinge sehen wollt – und sie lassen sich deswegen auch ganz großartig als Werbeflächen vertreiben. Und genau hier sind wir bei den beiden Punkten angelangt, die für mich klar hinter meiner roten Linie stehen. Einerseits möchte ich private Momente privat halten und andererseits möchte sie – und das ist meine härteste Grenze – nicht werblich ausschlachten. Mein Beziehungsleben ist nicht „sponsored by Champagner XY“ und ich möchte meine privaten Momente nicht „in freundlicher Zusammenarbeit mit Dufthersteller 08/15“ erleben. Hinter dieser Grenze beginnt für mich das Niemandsland.

Es tut mir leid, dass ich manche unter euch dadurch enttäusche, ich euch diese Digital-Intimität nicht bieten kann, und: Ich hoffe, dass ich dennoch interessant genug für euch bleibe, mit meinem faden Alltag, den Doppel-Conferencen mit Sonja und dem viel zu schnellen Geplappere in meine Handykamera. Ich seh euch nämlich wirklich gern in meiner Nachrichten-Box. Und hoffe, dass wir auch weiterhin Stoff zum Plaudern haben. Mit oder ohne Ring.

 


RELATED POST

INSTAGRAM
DIE GUTE GÜTE AUF INSTAGRAM