Mix & Match: So kombiniert man unterschiedliche Esszimmer-Stühle

 

Wer diese Tage auf Pinterest unterwegs ist und sich dort in Interior-Inspiration suhlt, wird an einem aktuell grassierendem Trend vermutlich nicht vorbeigekommen sein: Stühle, die eigentlich nicht zusammenpassen, aber irgendwie dann doch wieder. Besser informierte und zudem anglophile Menschen wissen jetzt vermutlich, dass die Trend-Fachfrau selbiges Konzept als “Mismatched Chairs” bezeichnet. Und: Bei näherer Betrachtung ist dieses Konzept ein durchaus praktisches, denn wer einmal angefangen hat, sich auf Pinterest (und auch außerhalb davon) im paradiesischen Dschungel der (Designer-)Stuhlmodelle zu verirren, hat vermutlich eines der folgenden Probleme: Entweder es gefallen zu viele Modelle oder die begehrten Designer-Teile kosten einfach zu viel um gleich mal sechs Stück davon in den Einkaufswagen zu legen. Und: Wer es sich wie wir in den Kopf gesetzt hat, gewisse Modelle aus Vorbesitz (aka “Vintage”) zu beziehen, hat oft gröbere Probleme, gleich vier bis sechs gleiche Modelle aufzutreiben.

An meinem Esstisch stehen nämlich zwei besonders hübsche, antike Armlehnstühle von Ton (eine Tochterfirma von Thonet, drum die große stilistische Ähnlichkeit), nach denen ich auf Instagram immer, immer wieder gefragt werde und deren Geschichte und Kombinationsherausforderungen ich hier kurz erzählen möchte. Genauer gesagt handelt es sich bei unseren zwei Sesseln um das Modell 33, das zwar immer noch hergestellt wird, mit einer gewissen Patina aber einfach charmanter ist. Da der Antik-Dealer unseres Vertrauens allerdings nur noch zwei der guten Stücke auf Lager hatte, mussten wir bei der Restbestuhlung unseres Esstisches, in gewisser Weise, kreativ werden.

Wie wir dabei vorgegangen sind und welche Grundregeln es bei der Kombination von unterschiedlichen Stühlen zu einem sinnvollen Ganzen gibt, an die man Daumen mal Pi halten könnte, davon handeln die folgenden Zeilen. Dabei gilt wie immer: Nichts ist in Stein gemeisselt und Gestaltungs-Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden.

Die gleiche Farbe

Die einfachste Möglichkeit sicher zu gehen, dass das Endresultat des Stuhlkombinierens auch “aussieht” ist es, die einzelnen Exemplare einfach in der gleichen Farbe zu erwerben. Besonders einfach ist es dabei, sich auf weiß oder schwarz oder ein bestimmtes Holz zu beschränken, dann sind Fragen der Form, des Materials, der Machart und des Stils meist nebensächlich. Schwieriger wird es bei bunten Farben wie grün, blau oder rot – hier ist die Schwankungsbreite zwischen den Tönen viel größer und es erfordert etwas mehr Übung, ein harmonisches Bild zu schaffen.


Die gleiche Form

Eine Option ist es auch, sich auf eine spezifische Form zu konzentrieren. So kann es etwa zielführend sein, verschiedene Sprossen-Stühle zu kombinieren, sich auf Bugholz zu beschränken, nur Freischwinger an den Tisch zu stellen oder unterschiedliche Schalensitze zusammenzubringen. Grundsatz: Versuch macht kluch.

Das gleiche Material

Ein logischer Ansatz ist auch die Auswahl von Stühlen aus einer einheitlichen Materialgruppe: Naturholz, Plastik, Metall, oder Korbgeflecht bieten sich hier an, um einen “roten Faden” zwischen die einzelnen Stuhl-Modelle zu fädeln.

Gleicher Hersteller, unterschiedliche Epochen

Besonders interessant kann es übrigens sein, sich auf einen Hersteller oder Designer zu fokussieren und Stühle aus verschiedenen Stilepochen aus der gleichen Produktion anzuschaffen – vorausgesetzt, der Hersteller der Wahl ist schon lange genug am Markt. Als besonders dankbar stellt sich hier Thonet heraus. Das Unternehmen hat in seiner fast 200-jährigen Geschichte ein unglaublich breites Möbelsortiment hervorgebracht, das sich stilistisch zudem als sehr flexibel erweist. Die auch heute noch produzierten Stühle sind überraschend leistbar und historische Modelle findet man auf fast jedem Flohmarkt sowie in großer Menge auf Willhaben. Teurer wird die Sache mit Kollegen wie Charles und Ray Eames, oder Skandinaviern wie Arne Jacobsen, wobei auch hier Geduld und intensive Willhaben-Suchen zu günstigen Gelegenheiten führen können.

Und wie hab ich es nun gemacht?

Unser Einstiegspunkt waren, wie bereits angedeutet, die beiden Ton-Sessel. Diese sind aus schwarzlackiertem Bugholz mit Wiener Geflecht auf Sitzfläche und Lehne und bieten deswegen mehrere Ansatzpunkte, wie man in der Kombination weiterer Modelle verfahren kann. Einfach und logisch ist es, weitere schwarzlackierte Stühle hinzuzufügen – so passiert mit unserem Midcentury-Sprossen-Lehnstuhl und dem schlichten, Essplatzstuhl von Wiesner-Hager, den wir als klar lackierten Holzstuhl gekauft, abgeschliffen und mit neuem Farblack versehen haben. Als Essplatzstuhl Nummer fünf haben wir uns für einen weiteren Klassiker entschieden, einen Freischwinger im Stile Marcel Breuers für Thonet aus 1928/32 (Modell S32), der mit unseren Ton-Sesseln das Wiener Geflecht und im weitesten Sinne den gemeinsamen Ursprungs-Hersteller als verbundenes Element aufweist. Gefunden haben wir alle unsere Sitzmöbel übrigens via Willhaben und für vergleichbar kleines Geld – hier Ausschau zu halten ist also wirklich, wirklich empfehlenswert.

You May Also Like