READING

Mach dir selbst ein Valentinstagsgeschenk und unte...

Mach dir selbst ein Valentinstagsgeschenk und unterschreib das Frauenvolksbegehren

 

Ich werde auf diesen Fleckchen Internet selten politisch. In jenen seltenen Fällen, in denen ich mich aber doch dafür entscheide, geht es um Themen, die mir unter den Nägeln brennen.

Wir begehen in Österreich heute den Valentinstag – den Tag im Jahr, an dem sich gewisse Teile der weiblichen Bevölkerung Blumen- und Schokoladespenden, Liebesschwüre und Herzensbotschaften erwarten. Das alles ist wunderbar und recht und schön für das Bauchgefühl – ich möchte dir heute aber einen Zusatzvorschlag machen. Und zwar einen, der den Leben nachhaltiger verändern kann, als ein Strauß Tulpen:

Mach dir selbst ein Valentinstagsgeschenk, besuche das Gemeindeamt in deinem Heimatort und verschaffe dir eine Chance auf mehr Selbstbestimmung, mehr Gestaltungsfreiraum und mehr gesellschaftliche Teilhabe! Kurz: Geh und unterschreibe die Unterstützungserklärung für das Österreichische Frauenvolksbegehren 2.0.

Warum das wichtig ist? Das möchte ich dir anhand der folgenden Zeilen ans Herz legen.

51% der österreichischen Bevölkerung sind Frauen. Trotzdem leben wir nach wie vor in einer Gesellschaft, die Frauen in vielen Lebensbereichen systematisch benachteiligt – vor allem, wenn diese Frauen bereits Kinder zur Welt gebracht haben. Der oft kolportierte Ausspruch „Du bist gleichberechtigt, bist du dein erstes Kind hast“, ist für Österreichs Frauen gelebte Realität – das belegen nicht nur die vielen Einzelgeschichten, die jeder und jede von uns kennt, diese Realität wird auch von zahlreichen Statistiken abgebildet.

Diese Ungleichheit zu thematisieren, zu diskutieren und eine politische Willensbildung zu ihrer Linderung zu formen, hat sich das Frauenvolksbegehren 2.0 vorgenommen. 21 Jahre nach dem ersten Frauenvolksbegehren von 1997, das fast 650.000 Österreicherinnen und Österreicher unterschrieben, fasst es Forderungen für eine gerechtere Gesellschaft zusammen, die Frauen und Männern gleichermaßen ein gleichberechtigteres Leben in Österreich ermöglichen sollen.

Eine breite Bewegung tritt an, um echte soziale und ökonomische Gleichstellung der Geschlechter mit verfassungsgesetzlichen Regelungen einzufordern. Die Verbesserung der Lebensrealitäten von Frauen muss auf der politischen Tagesordnung ganz oben stehen. Ob Gewaltschutz, sexuelle Selbstbestimmung, soziale Sicherheit, Kinderbetreuung, wirtschaftliche und politische Teilhabe: Der Stillstand der letzten Jahre muss beendet werden. Wir fordern Wahlfreiheit und Chancengleichheit für Frauen und Männer. – Frauenvolksbegehren 2.0

 

Warum ist das notwendig? Hier ein paar Zahlen, Daten, Fakten zur Lebensrealität von Frauen in Österreich:

 

  • Es gibt in Österreich 300.000 alleinerziehende Eltern. 90% davon sind Frauen. Mehr als die Hälfte unter ihnen ist armutsgefährdet.
  • Österreichische Frauen leisten zwei Drittel der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit – das waren 2013 123 Millionen Arbeitsstunden pro Woche. Dadurch stecken Sie bei ihrer Erwerbsarbeit oft zurück und arbeiten häufig in zeitlich befristeten und niedrig entlohnten Teilzeitverhältnissen. Das bedeutet nicht nur weniger Geld zum Leben, das bedeutet auch geringere Pensionsansprüche im Alter.
  • Österreich hat einen der höchsten Einkommensunterschiede der EU: Der Gender Pay Gap, der geschlechtsspezifische Lohnunterschied, beträgt in Österreich 22,2% . 13,6% davon können nicht mit „Merkmalen wie Branche, Beruf, Ausbildungsniveau, Alter, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit, Vollzeit/Teilzeit, Art des Arbeitsvertrags, Region und Unternehmensgröße erklärt werden“.
  • Der stärkste Grund für die Geschlechter-Ungerechtigkeit in Bezug auf den Lebensverdienst sind Kinderbetreuungspflichten, die primär von Frauen wahrgenommen werden. Eine internationale Studie stellte erst im Jänner fest, dass sich die Geschlechterungerechtigkeit aufgrund von Bildung oder Wohnort in den letzten Jahren zwar sukzessive verringert hat, insgesamt aber gleich hoch blieb – und zwar aufgrund von Kinderbetreuungspflichten. Verursachten Kinderbetreuungspflichten 1980 noch 40% der Ungleichheit, machten sie 2013 ganze 80% aus.
  • Trotzdem werden in Österreich öffentliche Kinderbetreuungsangebote oft eher ab- als ausgebaut: Seit der Ankündigung der oberösterreichischen Landesregierung, Nachmittagsbetreuung für Kinder kostenpflichtig zu machen, wurden etwa allein in der Stadt Steyr 170 von 230 Kinder von der Nachmittagsbetreuung abgemeldet. Kindergruppen können dadurch von Schließung betroffen sein, Betreuungsangebote können verschwinden.

 

Das sind die wichtigsten Forderungen des Frauenvolksbegehrens 2.0

 

  • Geteilte Macht: die Hälfte aller Plätze für Wahllisten, in politischen Interessensvertretungen, in öffentlichen Beiräten, Leitungs- und Kontrollgremien von Kapitalgesellschaften und Genossenschaften für jeweils Frauen und Männer
  • Geteiltes Geld: volle Lohntransparenz, konkrete Maßnahmen zum Abbau von Einkommensunterschieden bei gleichwertiger Arbeit, Maßnahmen zur Eindämmung von eklatanten Lohnunterschieden zwischen verschiedenen Arbeitsmarktsegmenten, Branchen und politischen Hierarchien
  • Geteilte Arbeit: schrittweise Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche bei Lohn- und Personalausgleich, die eine gerechtere Verteilung der unbezahlten Arbeit ermöglicht.
  • Armut bekämpfen: staatlich garantierter Anspruch auf Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende
  • Wahlfreiheit ermöglichen: Rechtsanspruch auf kostenlose, qualitativ hochwertige Betreuung für jedes Kind bis zum 14. Lebensjahr, unabhängig vom Alter und Wohnort um Müttern und Vätern eine freie Berufsausübung zu ermöglichen
  • Gelebte Vielfalt: Verbot von Werbe-, Marketing- und anderen kommerziellen Medieninhalten, die Menschen in abwertender, klischeehafter oder sexistischer Weise darstellen
  • Selbstbestimmung: zeitgemäßer Bildung zu Sexualität, Verhütung und Schwangerschaft in sämtlichen Bildungseinrichtungen, volle Kostenübernahme von Schwangerschaftstests, Verhütungsmitteln, die eine ärztliche Untersuchung und Beratung voraussetzen sowie von Schwangerschaftsabbrüchen durch Krankenkassen
  • Gewaltverhinderung: leicht zugängliche, kostenfreie Einrichtungen und Frauen- und Mädchenberatungsstellen für alle gewaltbetroffenen Frauen* und ihre Kinder
  • Schutzgewährung: Die gesetzliche Verankerung von frauen- und geschlechtsspezifischen Fluchtgründen, sowie eine geschlechtersensible Auslegung und Anwendung von Migrationsrecht

 

Gesammelt sind diese hier nachzulesen.

Berufliche Benachteiligung, die ungleiche Verteilung von Geld und Einfluss, von unbezahlter Arbeit und erhöhter Armutsgefährdung für Frauen ist in Österreich nach wie vor Realität – Zeit diese zu ändern! Alles, was du dafür geben musst, ist deine Unterschrift. Das gilt nicht nur für Frauen. Das gilt auch für ihre Partner und Ehemänner, ihre Söhne und die Väter von Töchtern, die in einer gerechteren Welt aufwachsen sollen. Man zählt auf euch!

Die Unterstützungserklärung zum Frauenvolksbegehren 2.0 kann noch bis zum 13. März unterzeichnet werden – in allen österreichischen Gemeindeämtern sowie online. Die 8.401 Stimmen-Hürde für den Einleitungsantrag wurde bereits erreicht. Das folgende Volksbegehren benötigt 100.000 Unterschriften, um vom Nationalrat behandelt zu werden – die im Zuge der Einleitungsphase gesammelten Unterschriften zählen hier bereits dazu.

 


RELATED POST

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

INSTAGRAM
DIE GUTE GÜTE AUF INSTAGRAM