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Downsizing: So schafft man den Umzug in eine klein...

Downsizing: So schafft man den Umzug in eine kleinere Wohnung

Wie manche von euch wissen mögen (vor allem jene, die ab und an in meinen Instagram-Stories vorbeischauen), bin ich im Herbst letzten Jahres umgezogen. Von einem Salzburger Stadtviertel in ein anderes, ins gleiche Haus, in dem auch Sonja wohnt – und von knapp 80 auf 60 Quadratmeter.

Zugegeben, wir haben lange darüber nachgedacht, bevor wir den Schritt gewagt haben, uns nicht nur von unserer alten Wohnung, sondern uns auch von fast 20 Quadratmetern Wohnfläche zu trennen, denn: irgendwie ist es ins kollektive Hirn eingehämmert, dass die größere Wohnung automatisch jene ist, in der man sich freier entfalten kann. Nach einigen Monaten im neuen Domizil wissen wir aber nun: Es kommt auch bei Wohnungen nicht auf die Größe an, sondern auf die inneren Werte und was man aus ihnen macht.

In diesen ersten Monaten des Bewohnens und sukzessive Einrichtens haben wir einige recht wertvolle Lektionen gelernt und Erfahrungen gemacht, wie man denn vorgeht, wenn man plötzlich 20 Quadratmeter weniger hat für das Hab und Gut, die Katze, die Möbel und das höchstpersönliche Wohngefühl. Und: Weil das vielleicht gerade für jene Damen und Herren unter euch relevant sein könnte, die sich Gedanken um die Nachhaltigkeit ihrer Wohnsituation machen (denn: weniger bewohnte Fläche ist Daumen mal Pi weniger ressourcenaufwändig als großzügiger bemessener Wohnraum), sich für Minimalismus im Wohnzusammenhang interessieren – oder einfach einen Blick erhaschen wollen, wie meine Wohnung aktuell so aussieht, rufe ich hiermit meine ersten Erfahrungswerte in die Welt hinaus und illustriere sie mit ein paar ersten Eindrücken aus meiner noch vollkommen unfertigen Wohnung. Denn eines gilt beim Wohnungs-Downsizing auf jeden Fall: Gut Ding braucht Weile.

Nicht die Quadratmeterzahl ist ausschlaggebend, sondern der Schnitt der Wohnung

Eigentlich ist es logisch: Es kommt nicht darauf an, wie viele Quadratmeter eine Wohnung hat, sondern vielmehr darauf, wie diese aufgeteilt sind. So richtig begriffen und am eigenen Leib erfahren habe ich das aber erst im Rahmen unseres jüngsten Umzugs in die kleinste Wohnung, die wir bisher gemeinsam bewohnt haben. In unserer alten Wohnung, einer Dachgeschoss-Maisonette, hatten wir zwar mehr Platz als in der neuen, dieser befand sich aber auf einem offenen Grundriss mit vielen Dachschrägen und einer eher unpraktischen Raumaufteilung.

Der Grundriss unserer neuen Wohnung ist dahingegen ein sehr klassischer: ein großes Wohn-Esszimmer mit angeschlossener Küche, ein großes Schlafzimmer, ein quadratischer Vorraum und ein winziges, winziges Bad mit unter zwei Quadratmetern. Klingt viel weniger exotisch, klingt viel weniger mondän, bewährt sich im Alltag aber umso mehr. Wer auch immer der Architekt unserer neuen Altbauwohnung war, hat deren Dimensionen passgenau an die Bedürfnisse eines Pärchens angepasst. Wir haben (nicht nur dank Keller und Abstellraum) mehr Stauraum, eine Küche, die unseren halben Haushalt fasst und die eingangs gewälzte Sorge, dass wir unser ganzes “Zeug” in den neuen vier Wänden nicht unterbringen würden, war mehr oder minder unbegründet.

Wahrscheinlich fühlt sich die Wohnung auch gerade deswegen viel größer an, als sie es eigentlich ist und wenn wir Gästen erzählen, dass unser Domizil gerade mal 60 Quadratmeter misst, hören wir immer wieder “ich dachte, das wären viel mehr!”

Wider den Fernseh-Schrein!

Klar, trotz des optimalsten Grundrisses muss man sich beim Umzug in eine kleinere Wohnung von Dingen, von Möbeln, großen Stücken und nicht essenziellen Teilen trennen – schließlich kann nicht alles in einer kleineren Wohnung untergebracht werden. Wir haben dies erledigt, indem wir uns Schritt für Schritt und Bereich für Bereich gefragt haben, was wir wirklich wie oft nutzen und was für uns in weiterer Folge verzichtbar ist.

Das erste Ding, von dem wir uns dabei relativ schnell getrennt haben, war unser Fernseher. Wir sind beide keine großen TV-Junkies, schauen vor allem nie gemeinsam fern und wenn einmal jemand von uns einen Serienmarathon hinlegen möchte, tun wir dies aktuell auf einem großen, transportablen und im Abstellraum verstaubaren Computerbildschirm, der innerhalb einer Minute vor der Couch steht.

Diese Entscheidung hatte massiven Einfluss auf das Layout unseres Wohnzimmers. Im klassischen Austro-Wohnzimmer wirkt der Fernseher wie ein Schrein, um den sich alle anderen Möbel gruppieren – fehlt er plötzlich, so kann in der Aufstellung von Couch und Co viel freier verfahren werden. Couch und Couchsessel sind nun nicht mehr dem Fernseher zugewandt, sondern einander, was eine viel kommunikativere, offenere Raumwirkung erzeugt und die Wohnzimmer-Zone schön von der unmittelbar darauf anschließenden Esszimmer-Zone trennt.

Maschine gegen Kanne und Schreibtisch gegen Stauraum

Das zweite Ding, von dem wir uns sehr schnell getrennt haben, ist unsere Espresso-Siebträgermaschine. Als wir im Rahmen des Umzugs ein paar Wochen mehr oder weniger gezwungen waren, ohne Kaffeemaschine zu überleben, ist uns aufgefallen, wie wenig wir das teure, große, schwere Ding eigentlich vermissen. Drum fiel die Entscheidung leicht, aus einem Übergangszustand eine Dauerlösung zu machen. Seitdem gibt es in unserem Haushalt nur noch Espresso aus der Espressokanne, Kaffee aus der French Press und Milchschaum aus dem manuellen Schäumer und uns hätte das alte “Raumschiff” noch nie gefehlt.

Was ich nach grundsätzlicher Überlegung ebenso aufgegeben habe, ist mein Schreibtisch. Ich hatte in unseren früheren Wohnungen immer einen, er war aber primär Parkplatz für Krimskrams und wurde seinem Zweck nie gerecht. Gearbeitet habe ich im Grunde immer am Esstisch oder auf dem Sofa und daher war die Entscheidung, anstatt in einen Schreibtisch platzmäßig lieber in mehr Stauraum zu investieren, eine einfache.

Zwei Dinge, bei denen wir allerdings platztechnisch keine Kompromisse eingehen wollten, waren Couch und Esstisch. Eine große, bequeme Couch, auf der zwei Personen angenehm herumliegen können, war für uns unentbehrlich, ebenso ein großer Esstisch, an dem man auch etwas größere Dinner Parties, Frühstücksrunden und Spieleabende unterbringt. Und: Aufgrund unseres Fernseher-Verzichts war beides auch in der kleineren Wohnung möglich.

Planung und Geduld sind das A und O

Ganz ehrlich: Wir haben Stunden über Stunden mit der Einrichtungsplanung der neuen Wohnung verbracht, um den kleiner werdenden Wohnraum optimal auszunutzen. Die auf den Millimeter passenden Möbel waren dabei oft welche aus Eigenproduktion, solche, die wir adaptiert haben oder nach denen wir lange, lange gesucht haben. Gerade in unserer neuen Küche und im Badezimmer, die wir beim Einzug völlig entkernt und anschließend neu aufgebaut haben, war das Einplanen von Schränken, Regalen und Co Millimeterarbeit. Auch hier hat es uns sehr geholfen, bewusst mitzuplanen, wie sich unsere gewohnte Raumnutzung gestaltet, wie viel Zeug wir in den Räumen unterbringen müssen und die Planung entsprechend vorzunehmen. Die neue Küche ist zwar noch nicht fertig (es fehlen noch Fliesen, Blenden, eine Lampe und ein paar Details), aber so perfekt auf meine Kochbedürfnisse angepasst, dass ich nun um ein Vielfaches lieber koche, als in unserer alten, größeren Wohnung.

Das Bad hat unter 2 m2 Fläche, bringt bis hin zur Badewanne aber alles mit, was auf unserer Wunschliste stand. Aus beruflichen Gründen waren 50% unserer Haushaltsbewohner übrigens befähigt, diese Planungsmaßnahmen per CAD vorzunehmen.Wer dies nicht kann, findet aber auch anderweitig im Internet kostenlose Planungssoftware, die zwar weniger genau, aber auch von Laien anwendbar ist. Planung ist eben alles!

Clevere Wohnlösungen und multifunktionelle Möbel

Wozu diese rigide Planung führt? Dazu, dass unsere Möbel nicht nur optimal für den vorhandenen Raum ausgesucht wurden, sondern in vielen Fällen auch flexibel und multifunktional einsetzbar sind. Anstatt eines großen Satz-Couchtischs mit Zeitschriftenablage haben wir nun etwa einen winzigen, leicht durch den Raum schiebbaren Couchtisch, den man über die Sitzfläche der Couch ziehen kann, um Gläser und Tassen bequemer abstellen zu können. Die Zeitschriften sind stattdessen in den Bezug unseres Couchsessels gewandert, dessen Rückenlehne ein Einschubfach besitzt. Unser Bücherregal, das unsere viel zu vielen Bücher fassen muss, ist keine wandumfassende Lösung mehr, die das Wohnzimmer wahrscheinlich optisch erdrückt hätte, sondern ein über die gesamte Wandlänge verlaufendes Sideboard, das den Raum einerseits streckt, andererseits für zusätzliche Abstellfläche sorgt. Unsere Hausbar steht auf Rollen und ein Stapel Hocker wird je nach Situation zu Beistelltischen oder zusätzlichen Sitzgelegenheiten, wenn wir wieder einmal mehr Besuch als Sessel in der Bude haben. Man muss sich nur zu helfen wissen!

Das Zauberwort: Einlagern

Eines war uns von vornherein klar: Wir konnten nicht alle unserer Bücher und Hi-Fi-Geräte in der neuen Wohnung unterbringen. In den letzten Jahren haben wir auf der Bücherfront Hunderte Bände zusammengetragen, die in der großen Bücherwand in der alten Wohnung gerade noch Platz fanden – in der neuen Wohnung mussten wir hier jedoch eine andere Lösung finden. Diese war relativ offensichtlich jene, die Bücher, deren mittelfristigen Verlust wir verkraften konnten, einzulagern. Ebenso einige unserer Hi-Fi-Geräte, saisonal nicht gebrauchte Dinge (auch bekannt als Weihnachtsdeko) oder etwa Küchenequipment (wie meine umfangreiche Sammlung an Lilienprozellan). Wer wie wir Eltern mit unterkellertem Landhaus in erreichbarer Nähe besitzt, hat hier vermutlich wenig Probleme, ein paar Kisten unterzubringen, eine andere Lösung wäre das Anmieten von ein paar Quadratmetern Self-Storage oder eines kleinen Lagers. Hier ist Willhaben oft Freund!

 

 


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  1. Uta

    14 Januar

    das große loriot buch und oscar wilde – damit ist eigentlich alles wichtige untergebracht 🙂

  2. Meine Liebe,
    mit grosser Spannung habe ich den Beitrag verschlungen. Ich beschäftige mich seit Jahren mit nichts lieber als mit Wohnungen und Innenraumgestaltung, bin in meinem Leben mehr als 10 Mal umgezogen und jedes Mal schlauer geworden, nämlich darin, sich auf das wichtigste zu besinnen: sich wohl fühlen und ankommen und das hat ganz sicher nichts mit der Grösse einer Wohnung zu tun. Meine coolste Wohnung, in der ich 3 Jahre gewohnt habe bevor ich zu meinem Freund gezogen bin, hatte gerade 42m2 und war einfach perfekt – ein Raumwunder durch und durch. Bei kleineren Wohnungen geht es um smarte Lösungen, die nicht weniger angenehm zu wohnen sind als in grösseren Wohnungen.
    In den Jahren sammelt sich so einiges an… wir ziehen demnächst um und vergrössern uns – von 60 auf 102 m2 – das liegt daran, weil mein Freund und ich seeehr viel Möbel besitzen, von denen wir uns nicht mehr trennen möchten, weil sie allesamt eine Bedeutung für uns haben. Auf das was ich mich am meisten freue, ist mein kleiner begehbarer Kleiderschrank und auf eine feine Küche, die auch nur rund 9m2 besitzt, aber alles haben wird, was man braucht. Auch das Bad hat nur 3m2, aber darüber bin ich ehrlich gesagt froh, denn das Bad zu putzen gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen…
    Ich finde, du hast tollen Geschmack – die Fotos auf Instagram zeigen ein gemütliches und stilvolles zu Hsuse, besonders auch, weil du besonders und einzigartig bist!
    Alles Liebe
    Elisabeth

    http://www.missespopisses.com

  3. Super Interessanter Beitrag. Ich finde es wirklich toll, wenn man auch mit 20m² weniger super gut auskommt so wie ihr.
    Die Tipps sind super. Auch wenn wir noch keine Wohnung gemeinsam haben, das wird dieses Jahr ziemlich sicher kommen und da kommen die Tipps gerade recht. Vielen Dank dafür. Ich finde die Idee mit einem Teil und mehreren Funktionen sehr schön und hoffe, dass ich das auch in meiner zukünftigen Wohnung umsetzen kann.

    Liebe Grüße

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