6 Fragen zur jungen Literatur in Salzburg – und zum mosaik-FEST 2018

Ich weiß nicht, ob Sie’s wussten, aber: Salzburg ist innerhalb Österreichs, so quasi, der Nabel der Jungliteratenwelt. In keiner anderen Österreichischen Stadt gibt es eine ähnlich florierende Szene, umtriebige Akteur*innen, Veranstaltungsformate, Kollektive und Publikationen. Eine der wichtigsten Größen in diesem Ökosystem im die seit bereits sechs Jahren bestehende Zeitschrift mosaik, die im Vierteljahresrhythmus Jungliterat*innen aus dem deutschen Sprachraum eine papierene Bühne bietet und mit der mosaik edition auch Bücher verlegt. Diese bereits sechs Jahre des Bestehens sind auch Stichwort und Anlass für diesen Beitrag, denn: Das sechsjährige “Zuckerjubiläum” wird zum Anlass genommen, das erste mosaik-FEST zu veranstalten: im Jazzit, mit Wortkunst und Musik, mit Tieren, Artisten und Attraktionen. mosaik-Herausgeber und Initiator Josef Kirchner ist mir dazu Rede und Antwort gestanden.

Hallo Josef, wie geht es dem mosaik anno 2018?

Sehr gut, vielen Dank! Wir fühlen uns jung und motiviert – unser wahres Alter gestehen wir uns nicht ein. 😉 Aber im Ernst: Wir sind gespannt auf ein intensives Jahr. Die letzten Jahre haben wir viel ausprobiert, bei einigem nachgeschärft und die Weichen für die Zukunft gelegt. Jetzt müssen wir “nur” noch umsetzen. Der Verlag wird ein höheres Gewicht bekommen, zwei Bücher junger Autorinnen und die 25. Ausgabe der Zeitschrift werden gerade fertiggestellt – damit fahren wir heuer das erste Mal zur Leipziger Buchmesse und sind schon ein bisschen nervös.

Bei den Veranstaltungen wollen wir verstärkt mit anderen Förderern der jungen Literatur zusammenarbeiten, wie dem MARK.Freizeit.Kultur oder der erostepost – hier haben wir einen Vernetzungsprozess angestartet, der – wie wir hoffen – bald Früchte tragen wird. Und auf der anderen Seite setzen wir vermehrt auf Qualität statt Quantität: Übersetzungen junger AutorInnen von überall auf der Welt werden wichtiger werden, die Grenzbereiche zu anderen Kunstformen gehören bearbeitet. Und Spaß soll es ja schließlich auch machen. Erster Beweis wird das mosaik-Fest sein!

Was in den letzten Jahren in der jungen Literatur in Salzburg passiert ist, ist auf jeden Fall einzigartig.

Junge Literatur ist in Salzburg – nicht zuletzt dank eurer Arbeit – ein sehr präsentes Phänomen. Hat Salzburg hier im Österreichvergleich eine Vorreiterrolle?

Im Rückblick spricht es sich immer leichter: Aber vor sieben Jahren, als wir nachzudenken begonnen haben, wussten wir noch nicht, dass wir in Österreich tatsächlich die Ausnahme sind. Es gibt zwar in Wien rund um das Sprachkunst-Studium ein paar kleinere Aktionen, in Graz, Innsbruck und Linz passiert(e) immer wieder mal was, aber das was in den letzten Jahren in der jungen Literatur in Salzburg passiert ist, ist auf jeden Fall einzigartig. Hier haben sich ja quasi gleichzeitig, unabhängig voneinander Veranstaltungen, Wettbewerbe und die Zeitschrift entwickelt. Diese Vielfalt merkt man – meiner Meinung nach – noch immer. Und auch wenn mittlerweile manche weggezogen, andere dazugekommen sind – der Antrieb bleibt erhalten. Es gibt ein Bedürfnis nach neuen, jungen Texten – und Autor*innen und Künstler*innen, die etwas zu sagen haben, denen man den Boden bereiten sollte!

Plaudere mal aus dem Nähkästchen: Wie wählt ihr eure Autor*innen aus – und wie gehen solche, die keinen Platz bei euch finden, mit der Ablehnung um?

Ach, da tu ich mir leicht zu reden. Ich hab mich ja schon vor einiger Zeit aus der Redaktion verabschiedet, bin nur noch Herausgeber und vertraue dem Redaktionsteam vollkommen. Ich setz mich aber immer wieder gern zu Sitzungen dazu und schau ihnen beim Diskutieren zu – eine sehr angenehme Position.

Es geht immer um einen Drang, ein Bedürfnis. Man merkt das Texten meist an, wenn sie geschrieben worden sind um da zu sein – ohne einem inneren Antrieb dahinter. In einem kurzen Text in der aktuellen Apropos habe ich auch geschrieben, dass das Adjektiv “künstlich” oft ein Todesurteil ist. In der neuen Ausgabe wird Tobias Roth ein Plädoyer auf das “Sprachgewichse” halten – für junge Autor*innen sollte das aber kein Ziel sein, das geht gerne mal nach hinten los.

Und dann muss man natürlich noch zwischen Zeitschrift und Buch unterscheiden: Die Zeitschrift ist auch dafür da, mal was ausprobieren zu können. Hier muss nicht alles perfekt sein – eine Regel, welche Texte ausgewählt werden, gibt es aber nicht. Schließlich sollen sie ja auch miteinander arbeiten, sich Synergien ergeben.

Und natürlich gehören auch die negativen Mails, die ich dann versenden darf, dazu. Ich finde es aber spannend und sehr erfreulich, dass Autor*innen, auch wenn sie es schon mehrmals vergeblich versucht haben, erneut einsenden. Und plötzlich passt ein Text dann wie die Faust aufs Auge und muss raus.

Es geht immer um einen Drang, ein Bedürfnis.

Kann man als Jungliterat in Österreich überleben?

Warten wir doch mal ab, wie sich die Regierungspläne entwickeln. Aber wenn die Frage ist, ob man vom Schreiben leben kann, dann ist die Antwort ein klares “Ja, aber”. Es gibt junge Autor*innen, die vom Schreiben leben können. Allerdings bedeutet das auch, sich voll und ganz dem Schreiben zu widmen, sich äußerst kritisch mit den eigenen Texten auseinanderzusetzen, viele Anträge auf Stipendien u. ä. zu stellen, viele Ablehnungen von Zeitschriften, Verlagen etc. zu erhalten. Es ist wahrscheinlich wie bei der Selbstständigkeit oder einem kleinen Start-up: Am Anfang muss man viel Zeit (und auch Geld) investieren – auf kleinem Fuß zu leben hilft -, die Sicherheit eines Vollzeitjobs oder einer Karriere aufgeben und einfach mal auf Risiko spielen. Wenn man von sich überzeugt ist, gleichzeitig auch an sich selber arbeiten kann – dann kann das schon funktionieren. Aber wenn man es wirklich will, dann schafft man es auch – irgendwie.

Was erwartet uns beim mosaik-FEST 2018?

Artisten, Tiere, Attraktionen! Eine Zaubershow mit Special Guest Pamela Anderson. Und Nik P. feat. Rammstein.

All das nicht. Aber sonst alles.

Das Fest ist ein wenig wie eine erweiterte Familienfeier: Alte und neue Freund*innen kommen zusammen. Lisa Viktoria Niederberger wird exklusiv einen Text aus ihrem Buch, das noch gar nicht gedruckt ist, lesen, Niklas L. Niskate performt Lyrik auf seine ganz spezielle Weise und Robert Prosser, der letztes Jahr mit seinem Buch auf der Longlist des deutschen Buchpreises war, ist auf der Bühne ohnehin eine Gänsehaut-Garantie! Verena Dürr ist erstmals, nachdem sie letztes Jahr beim Bachmannpreis überzeugt hat, in Salzburg zu sehen. Chili and the Cinema Electric werden uns den passenden Soundteppich legen – und die erste All-female-Band Serbiens, Vin Triste, hat überhaupt ihren ersten Auftritt in Österreich am 25.1. beim mosaik-Fest.

Wenn man von sich überzeugt ist, gleichzeitig auch an sich selber arbeiten kann – dann kann das schon funktionieren.

Und noch eine Frage in eigener Sache: Haben wir die Katze am Plakat mosaik-Urgestein Sarah Oswald zu verdanken?

Na, wem denn sonst. 😉 Die Frau mit Katzentattoo zeichnet sich von Anfang an für die Grafik des mosaik verantwortlich. Für das Fest hat sie zunächst ein paar Entwürfe im üblichen mosaik-Stil mit Foto-Glitches erstellt – und ein Katzen-Sujet zum Spaß. Tja, und dann wars um uns geschehen. Vielleicht wird das sogar eine animalische Plakatreihe von uns, nachdem wir vor einem Jahr schon mit einer Kuh geworben haben…

1. mosaik-FEST 2018

Lesungen, Performances und Konzerte mit:

  • Chili and the Cinema Electric (ProgRock/Fusion/Artrock)
  • Vin Triste (Erste all-female Band Serbiens)
  • Verena Dürr (Klangliteratur/Literaturklang)
  • Robert Prosser (Spoken-Word-Gewitter)
  • Lisa Viktoria Niederberger (Stories aus Salzburg)
  • Niklas L. Niskate feat. Philipp Rabelsberger & Klangquelle (Lyrik & Sound)

 

Donnerstag, 25. Jänner 2018 // 20:30 Uhr // Eintritt: 5 Euro

Jazzit Salzburg

 

Titelbild: Pixabay, User StockSnap. Vielen Dank dafür!

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