London für Foodies: Essen, Trinken und Cafés in London

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich glaube, wenn man sich in London verpflegungstechnisch auf etwas einigen kann, dann wahrscheinlich darauf, dass es ein ziemlich teures Pflaster ist. Aber auch eines mit einer Fülle und Vielfalt von schier unendlich vielen Geschmäckern und kulinarischen Kulturen. Einen repräsentativen Food-Guide für den Moloch an der Themse zu schreiben ist daher quasi unmöglich, ein paar kleine Tipps und Hinweise fürs ordnungsgemäße Schlemmen in London habe ich aber trotzdem auf Vorrat, wie immer schön subjektiv und ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Ein paar Tipps zum Essen, Trinken und Kaffeetscherln in London? Bittersehr.

Günstiger geht nicht: Beigel Bake

Klar, Essbares in London kann verdammt teuer sein. Wenn die Finanzen einmal ganz eng werden sollten, gibt es aber immer noch diverse Örtlichkeiten, an denen man einfaches, aber gutes Essen für das kleine Budget bekommt. Eine dieser Adressen ist das berühmt-berüchtigte Beigel Bake in der hippen Brick Lane. Das Beigel Bake ist eine jüdische Bäckerei in Familienhand die, wie der Name es schon verrät, primär Bagels in jeglicher Füllart verkauft – und zwar für lächerlich wenig Geld. Und damit meine ich: wirklich lächerlich. Ein Bagel mit Räucherlachs schlägt etwa mit 1,40 Pfund zu Buche. Am berühmtesten sind die “Beigels” wohl in der Variante mit hausgemachtem Salted Beef, Gurkerl und scharfem Senf. Geöffnet hat man übrigens 7 Tage die Woche und 24 Stunden am Tag.

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Beigel Bake, 159 Brick Ln, London E1 6SB

 

Ausflug in die 90s: Cereal Killer Café

Wenn es in London aktuell um besonders hippe Stadtteile geht, kommt man an Shoreditch wohl nicht vorbei. Während Mittelschullehrer ihre Schützlinge immer noch durch Camden Lock schleifen, das wahrscheinlich seit den späten 90ern over ist, haben sich die Hipster und Vertreter diverser Subkultur mittlerweile eher nach Shoreditch verzogen. Inmitten des grafittiverzierten Gassengewirrs findet man mit dem Cereal Killer Café eine der vielleicht ärgsten 90er Jahre-Reminiszenzen der Welt. Der kleine Schuppen serviert ausschließlich Cereals, also Coco-Pops, Smacks, Frosties, Cornflakes und Co – gerne in narrischen Mischungen und mit bunter Milch und verkauft Cereal-Devotionalien (Lippenstifte, Schlüsselanhänger, T-Shirts, you name it) an zahlungsbereite Damen und Herren. Hier kehrt man zwar eher nicht wegen des Essens sondern wegen des puren 90er-Erlebnisses ein, Anschauen lohnt sich trotzdem.

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Cereal Killer Café, 139 Brick Ln, London E1 6SB

 

Chinatown und Soho: Bao

Asiatisches Fusion-Food ist aktuell irgendwie auch grad ganz besonders groß. Eine seiner häufigsten Erscheinungen ist dabei der gemeine Bao-Bun (gedämpfte taiwanesische Germlaberl) mit Abarten von Pulled Pork und Co – und selbige verspeist man in London am stilsichersten im Bao. Finden tut man dieses ma besten indem man beobachtet, an welchem Schuppen in der Gegend sich gerade die allerlängste Schlange bildet. Dieser schließt man sich dann für die für den wahren Bao-Genuss obligatorische halbe Stunde an, bevor man sich einen heißen, klebrig-deftigen Bun ins Maul schieben darf. Und dann hat sich die Wartezeit bestimmt ausgezahlt.

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Bao Soho, 53 Lexington St, W1F 9AS

 

Die Leather Lane und das Prufrock Café

Die Annahme, dass die Briten nur Tee und keinen Kaffee können, die stimmt schon länger nimmer so ganz. Koffein-Afficionados finden allerorts hübsche und köstliche Einkehrmöglichkeiten, die Flat Whites, Coldbrew, Handbrew und jegliche andere Art von -brew auf handwerklich perfekte Art und Weise servieren. Häufen tun sich dieselben in der Leather Lane in Holborn. Dort findet man unter anderem das Prufrock Café, in dem man bei Lektüre der complimentary Zeitschriften schon fast an der Intensität der hier gepflegten Kaffeeliebe verzweifelt. Wer gerade keinen Kaffee trinken mag, der besucht den Leather Lane Market vor der Haustür oder gönnt sich einen berühmten Burritos bei Daddy Donkey.

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Prufrock, 23-25 Leather Ln, London EC1N 7TE

 

Sourdough Pizza (Pilgrims)

Neben der Sache mit dem Kaffee sind die Briten auch bekannt für ihr miserables Brot. Und dem sagt aktuell der allgegenwärtige Sourdough-Craze den Kampf an. Sauerteigbrot kriegt man zwar auch in der klassisch englischen Sandwichform oder als brötliche Grundlage zu Eggs Benedict zum Frühstück, man kann es sich aber auch in Gestalt von Pizzaböden genehmigen. Sourdough-Pizza serviert dabei etwas die kleine Kette Pizza Pilgrims, deren fünf Restaurants man strategisch günstig auf die Londoner Stadtteile verteilt findet.

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5 Lokale in der Stadt, u.a. eines in Soho und eines nahe Covent Garden

 

Käsefäden: Melt Room

Grilled Cheese-Sandwiches sind der köstliche Tod einer jeden Bikinifigur und in London isst man sie wahlweise bei Grill My Cheese am Leather Lane Market (siehe oben), oder im Melt Room. Dort stehen ausschließlich Varianten von geilem Käsetoast auf der Karte (u.a. mit Pulled Pork, oida!) und die machen so satt, dass man anschließend den ganzen Tag nix mehr braucht.

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Melt Room, 26 Noel StreetLondon W1F 8GY

 

Wenn alle was anderes wollen: Ramen Bar im Wholefoods Kensington

Wenn alle jammern und was anderes wollen, verschlägt es den gemeinen Reisenden gerne in irgendeinen Food Court, wo es zentrale Sitzgelegenheiten und diverse Fressbuden zur kulinarischen Versorgung gibt. Wenn es schon unbedingt ein Ausflug zum Foodcourt sein soll, sei jener des gigantischen Wholefoods in der Kensington High Street ans Herz gelegt. Dort kämpft man sich erst durch drei Stockwerke dessen, was man in England als Vollwertkost verkauft (und wundert sich etwa über Stieg Goldbräu-Seiterl im Kühlregal um umgerechnet 3 Euro pro Flasche) und fällt anschließend im Obergeschoss in den Foodcourt ein. Dort wählt man aus mexikanischem Streetfood, Pizza, Gegrilltem, Asia-Wok, Sushi, Salat- und Suppenbar und Co, oder lässt sich gleich in der hübschen Ramen-Bar nieder – deren Angebot ist nämlich durchaus empfehlenswert!

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Wholefoods im The Barkers Building, 63-97 Kensington High St, Kensington

 

Noch halbwegs erträglich: Borough Market Foodstalls

Der Borough Market, der sich hübsch zentral nähe Themse und The Shard mit fein aufgetürmten Lebensmittelbergen ans Touristenherz schmiegt, war in seiner über 150jährigen Geschichte auch schon einmal ein schönerer Geheimtipp. Kurz gesagt: Man sieht die Käse- Speck- und Obststände mittlerweile vor lauter Leuten nicht mehr. Einigermaßen erträglich ist jedoch noch der internationale Foodmarket ein paar Meter weiter, wo man in verschiedensten Garküchen diverse Nationalküchen verkosten kann, von Eritrea über Thailand und Ägypten bis hin zu deutscher Wurscht. Die Portionen sind groß – und dabei für London noch sehr günstig!

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Borough Market, 8 Southwark St, London SE1 1TL

 

Trotz Kette: Gail’s Bakery und die Wardour Street

Was auch noch irgendwie klassisch London ist: Kaum entdeckt man ein nettes Café und googlelt es, findet man auch schon heraus, dass es sich bei der neuesten Entdeckung schon wieder um eine lokale Kette handelt. So auch bei Gail’s, deren Backbuch die Ginger seit geraumer Zeit anschmachtet. Im Gegensatz zu größeren Ketten-Ungetümen wie Nero oder, Gott bewahre, Pret à Manger bringt Gail’s aber wirklich, wirklich feine Backwaren auf die Theke und serviert dabei auch noch empfehlenswerten Kaffee. Zum Umfallen gut sind dabei übrigens die Cinnamon Rolls – ich sabbere beim Gedanken dran. Gegessen wurden sie in der Filiale in der Wardour Street in Soho – die übrigens eine ziemlich zentrale und recht empfehlenswerte Futtermeile ist. Falls man selbst was Schönes finden möchte.

Gail’s Artisan Bakery, 128 Wardour Street London W1F 8ZL

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