Meine Capsule Wardrobe. Und: 8 Tipps, wie der Minimalismus im Gwandkasten funktioniert

Die Gute Güte

Meine sehr verehrten Damen und Herren, es gibt aktuell fast kein Modethema, das an allen Ecken und Enden mit solchem Nachdruck auf sich aufmerksam macht, wie die Capsule Wardrobe. Obwohl: Recht neu ist das Prinzip, den persönlichen Gwandkasten nur mit solchen Stücken auszustatten, die möglichst zeitlos sind, hochwertig und flexibel untereinander kombinierbar, eigentlich nicht. Erfunden wurde es im Grunde in den 70ern und seitdem immer wieder aus den Archiven der Modewelt hervorgekramt. Ziel der Sache ist, den Füllstand des Kleiderschranks so niedrig wie möglich zu halten und aus so wenigen Stücken wie möglich so viele Outfits zu kombinieren, wie man nur kann. Ob das eine Herausforderung ist? Durchaus!

Aber: Sie hat schon was für sich, die gute Capsule Wardrobe. Schließlich zielt sie nicht nur darauf ab, das allmorgendliche “was soll ich nur anziehen” möglichst kurz zu halten, sie ist auch besonders umweltfreundlich und nachhaltig. Sie soll beim Modeshopping vor Impulskäufen bewahren, den eigenen Kleidungsstil minimalistischer und langlebiger gestalten und dabei Umwelt und Geldbeutel schonen.

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Seien wir uns ehrlich – wer hätte das nicht gern? Einfach blind in den Gwandkasten greifen und drei x-beliebige Stücke herausziehen, die dann auch noch unter Garantie zusammenpassen? Ok, ganz so perfekt, wie es die Theorie gern hätte, schaut die Sache in der Praxis dann doch nicht aus und der Weg zur Capsule Wardrobe ist kein ganz so einfacher, wie es manche Pinterest-Boards gern hätten. Woher ich das wissen will? Ich habe in den letzten Monaten selbst langsam auf eine Capsule Wardrobe hingearbeitet und den Füllstand meines Kleiderschranks schrittweise rationalisiert. Was ich dabei gelernt habe und was ich aktuell so kleidungstechnisch bunkere? Das erkläre ich in einer zweiteiligen Serie, die ich hiermit starten darf. Juhu!

Im ersten Teil davon darf ich ein paar Dinge zusammenfassen, die ich auf meinem Weg zur Capsule Warmrobe gelernt habe.

Und Teil zwei ist schließlich die Auflistung alljener Dinge, die ich gerade in meinem Gwandkasten horte – und der Fotobeweis anhand meiner Fäschn-Strecken der letzten Monate, dass die Verkapsulierung meines Kastens eigentlich erst beim zweiten Blick auffällt.

Sind wir bereit für Teil eins? Ich präsentiere hiermit? Der Guten Güte Weisheiten für die Zusammenstellung einer Capsule Wardrobe. Viel Spaß.

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1. Setz dir keine unerreichbaren Ziele

Zu allererst: Eine Capsule-Wardrobe ist eine tolle Sache und ein schönes Konzept, aber: Wie bei so vielen Dingen ist sie in ihrer Extremform nicht unbedingt alltagstauglich. Klar findet man auf Pinterest und Co Capsule-Wardrobes, die aus weniger als 15 Stücken bestehen und 365 Tage im Jahr getragen werden können, wenn man dann aber bedenkt, dass selbige auch gewaschen und gepflegt werden muss, stößt man schon bald an die Grenzen der Alltagstauglichkeit. Denn: Wer nur 2 T-Shirts besitzt, muss wohl alle zwei bis drei Tage die Waschmaschine anwerfen – und wenn die dann bloß mit zwei T-Shirts befüllt ist, geht die Umweltfreundlichkeit schnell flöten. Sei also realistisch was die Größenplanung deiner Capsule Wardrobe angeht und bedenke dabei deine Zeitressourcen und deinen Waschrhythmus.

2. Sei dir bewusst, was dein Stil ist

Die meistens Capsule-Wardrobes kommen sehr klassisch daher. Blusen, gerade geschnittene Hosen, T-Shirts, geradlinige Mäntel und Blazer. Das funktioniert in Kombination wunderbar – jedoch nicht, wenn diese Grundgarderobe nicht dein Stil ist. Versuch daher nicht, dich mit einer Capsule-Wardrobe in einen Stil zwängen zu lassen, der so gar nicht zu dir passt – so ist das Experiment bestimmt zum Scheitern verurteilt. Ich persönlich würde etwa im Traum keine ärmellosen Blusen und Shorts tragen, wie sie in vielen Capsule Wardrobe-Baukästen vorkommen, daher würde ich mir auch keine zulegen, nur weil sie das Kochrezept für die Minimalismus-Ausstattung vorsieht. Versuche viel eher, auf deinen persönlichen Stil einzugehen. Du trägst lieber schwingende Kleider als ein kleines Schwarzes? Ersetze es einfach! Du hast lieber einen Parka als einen Wollmantel im Schrank? Baue deine Wintergarderobe einfach um dein Lieblingsstück herum! Die auf Pinterest auffindbaren Blaupausen für Gwandkästen sind zwar meistens gut und schön, aber im Grunde nur Modelle.

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3. Qualität ist das Um und Auf

Die Grundidee der Capsule-Wardrobe ist es, die selben Teile immer wieder neu zu kombinieren. Die Folge daraus: Man trägt einzelne Teile sehr oft. Und daher müssen sie auch besonders haltbar sein. Achte beim Kauf also auf Qualität und Wertigkeit der Stücke, die in den Einkaufswagen wandern. Dazu gehört neben einer hochwertigen Verarbeitung (hier gibt es etwa einen schönen Leitfaden) auch hochwertiges Material. Ich versuche etwa, bevorzugt zu Leinen, Baumwolle, Viskose, Wolle, Seide und hochwertigem Leder zu greifen, da diese Materialien nicht nur besonders hautfreundlich sind, sondern eine längere Lebensdauer aufweisen als Kunstfaser.

4. Basics sind dein Freund

Dinge, die sich immer leicht kombinieren lassen? Basics. Weiße T-Shirts, Jeans, schwarze Hosen, schlichte Schuhe und Hemden ergeben in Kombination sehr tragbare Outfits, die auch für sich schon funktionieren. Auch hier gilt der stete Grundsatz: Qualität ist Trumpf – und die Passform muss stimmen. Sitzen Basics nicht perfekt, wird man auch langfristig keine Freude daran haben.

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5. Greif zu zeitlosen Stücken – und ergänze die Klassiker mit interessant geschnittenen Teilen

Stichwort langfristig Freude daran haben: Investierst du in hochqualitative Stücke, die du als langfristige Fixsterne in deine Garderobe einplanst, sind zeitlose Teile oft die beste Wahl. Klassisch Geschnittenes kommt selten aus der Mode – und lässt sich mit ausgewählten Statement-Pieces in interessanten Farben und Schnitten zu spannenden Outfits kombinieren. So lässt sich etwa das klassische Duo aus schwarzer Hose und weißem T-Shirt mit einer asymmetrische geschnittenen Jacke und ausgefallenem Schmuck leicht aufwerten und je nach Saison neu kombinieren. Die absoluten Könige im Aufwerten von Outfits sind dabei Accessoires und Schuhe. So wird aus der schwarz-weißen Hosen-Leiberl-Kombi mit Pumps, auffälligem Schmuck und einer It-Bag ein ganz anderer Stil gezaubert, als etwa mit Sneakers und einem Wollschal – obwohl die Grundbestandteile immer die gleichen sind.

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6. Bleib bei einer Farbfamilie

Wer sich einen Farbkanon sucht und dabei bleibt, kommt nie in die Verlegenheit, dass zwei Stücke farblich nicht zusammenpassen – das ist die einfache Regel. Grundfarben wie Schwarz, Weiß, Denimblau, Grau und Beige funktionieren wunderbar untereinander und ergeben minimalistische, zurückhaltende Outfits, die alltagstauglich sind und (im guten und schlechten Sinne) nirgends anecken. Wer will, sucht sich noch eine Akzentfarbe aus, etwa Senfgelb, Grün oder Rot, bleibt dabei und baut sie sparsam ein. Und ich verspreche: Mit der Zeit greift man beim Shopping automatisch nach jenen Farben, die sich optimal in die bestehende Garderobe eingliedern lassen.

7. Layering ist das Stichwort. Und Multifunktionsstücke.

Meine persönliche Geheimwaffe: Layering. Der Zwiebelschalenlook tut mir nicht nur gut, weil mir ständig wahlweise zu kalt oder zu warm ist, er macht die Gwandkastenausstattung auch einfacher. Je nach Jahreszeit und Temperatur werden so einfach einzelne Schichten weggelassen und die Garderobe funktioniert 365 Tage im Jahr. Meine besten Freunde sind dabei grobe, dicke Strickmäntel, die man entweder über dünne Pullis oder Shirts ziehen kann oder wahlweise die Grundlage für einen noch dickeren Mantel bilden. Was außerdem besonders fein ist? Multifunktionsstücke. Und nein, damit meine ich jetzt nicht Wanderhosen, die sich am Knie abzippen lassen, sondern eher so etwas, wie Schals, die sich auch als Poncho tragen lassen – oder Hemdblusenkleider. Die tragen sich solo sehr gut, bilden aber auch eine feine Grundlage unter etwas weiter geschnittenen Pullis und können außerdem als Jacke über Jeans und T-Shirt geworfen werden. Ein Stück, drei Looks!

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8. Ein Trendteil pro Saison tut nicht weh

Klar, wenn man sich Tag ein, Tag aus nur in Basics und Zeitloses hüllt, wird es irgendwann bei aller Liebe fad. Daher votiere ich dafür, dass es – Capsule Wardrobe hin oder her – auch vertretbar sein muss, sich hin und wieder das eine oder andere Trendteil zu gönnen. Wie wäre es etwa mit einer Einschränkung auf ein Teil pro Saison? So kann im Frühling einer dieser pastellfarbenen Plisseeröcke einziehen, die auf Instagram gerade alle tragen, oder im Herbst eine Culotte. Die dazu kombinierbaren Basics hat man schließlich schon im Schrank.

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