Review: Die Olympus PEN E-PL7

Die Gute Güte

Meine sehr verehrten Damen und Herren: Mittlerweile ist es über ein Monat her, seitdem die neue Olympus PEN E-PL7 bei mir eingezogen ist – und ich bin ganz baff wie viele Leute mich nach meiner Meinung zu dem schönen Gerät gefragt und nach einer Review verlangt haben. In dem Sinne: Erst mal ganz herzlichen Dank für euer Interesse!

Seit rund drei Wochen befinde ich mich nunmehr auch im Besitz von Objektiven für die kleine Olympus und darf nun verkünden: Ja, jetzt hab ich eine halbwegs ausgegorene Meinung und natürlich wird sie auch prompt mitgeteilt!

Vorweg: Meine Stammkamera, die mich seit nunmehr vier Jahren begleitet, ist eine digitale Spiegelreflexkamera von Canon, genauer gesagt eine etwas altersschwache EOS 600D, für die ich ein hübsches Ensemble an fünf Objektiven habe und mit der ich ausgezeichnet zurecht komme. Etwa 95% aller Fotos auf diesem Blog hab ich mit dieser, meiner Canon gemacht. Fotografische Ausbildung hab ich übrigens keine und alles, was ich im Folgenden erzähle, beruht auf gefährlichem Halbwissen. Daher: Solltest du ein erfahrener Fotograf (m/w) sein, ist diese Review wahrscheinlich nichts für dich. Wenn du Gelegenheits- und Hobbyfotograf (m/w) bist, dann lies gern weiter.

Die Olympus PEN E-PL7 – meine aktuelle Ausstattung

Was man vielleicht zu allererst erklären sollte: die Die Olympus PEN E-PL7 ist eine sogenannte spiegellose Systemkamera, im Format Micro Four Thirds. Sie sieht im Grunde aus, wie eine etwas größere (und bei weitem hübschere) Kompaktkamera, hat aber eigene Wechselobjektive, die man sich zur Kamera-Grundausstattung dazukaufen kann. Passend sind dabei neben den systemeigenen Olympus Zuiko-Objektiven auch die eigentlich zur Panasonic Lumix gehörige Objektivserie sowie auf MFT-Kameras zugeschnittene Objektive von Sigma. Objektive, die normalerweise auf eine DSLR wie meine Canon 600D gehören, passen nicht drauf (außer man hat einen Adapter, was ich nicht unbedingt empfehlen würde).

Der Body meiner Olympus wurde mir übrigens von Kücher – Digitale Welt zur Verfügung gestellt (auch an dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Dank!), die hier kundgetane Meinung ist jedoch meine eigene und gänzlich unbeeinflusst.

Wenn man die PEN in der Standard-Ausführung kauft, erhält man sie zumeist mit einem Standard Kit-Objektiv, genauer gesagt mit dem 14-42 mm F3.5-5.6 EZ. Dieses habe ich mir daher als erstes nachgekauft, damit ich die Standard-Ausführung der Kamera kennenlernen kann. Mein aktuell zweites und einziges weiteres Objektiv ist ein Sigma 30mm f2,8 DN Objektiv, also eine Festbrennweite – und mit dieser fotografiere ich aktuell mit Abstand am liebsten. Aber fangen wir am Anfang an.

Die Olympus PEN E-PL7 – der erste Eindruck

Ok, hier die Hard Facts – folgendes hat die PEN E-PL7 zu bieten:

  • 16 Megapixel Live Mos Sensor und True Pic VII Bildprozessor
  • Hochauflösendes 3 Zoll Klapp-Display mit Touch Funktion
  • 14 kreative Art Filter & Photo Story Funktion
  • Einfache Steuerung (Auslösung, Zoom, Art Filter,…) über Smartphone/Tablet dank WiFi Funktion

 

Damit ist die E-PL7 das Einsteigermodell aus der PEN-Familie, die ja eigentlich viel größer ist und noch einige ausgefeiltere Kameras enthält.

Was ich im Grunde gar nicht nutze, sind die vielen vielen Filter und Spaß-Effekte, die das Gerät eigentlich bieten würde, daher kann ich zu diesen leider wenig sagen. Was ich jedoch sehr gerne nutze, ist die WiFi-Funktion, die es ermöglicht, Fotos per App direkt auf das Smartphone zu übertragen. Und: Nachdem man mittels zwei Handgriffen das Bildformat der Kamera von 3:2 auf 1:1 umstellen kann (also in ein quadratisches Format) ist sie absolut ideal um damit Deluxe-Fotos für Instagram zu schießen.

Was ich ebenfalls gerne in Verwendung habe, ist der in alle Richtungen dreh- und schwenkbare Klappdisplay, der eigentlich für Selfies gebaut ist, den ich aber vor allem dazu verwende, Flatlays auf Tischen abzulichten, ohne dazu auf Stühle klettern zu müssen (oder mir einen steifen Nacken zu holen).

Auch sehr praktisch: Die Wahl des Fokuspunkts per Touchscreen. Macht das Leben leichter, möchte ich nicht mehr missen.

Olympus PEN E-PL7 – das Pro und Contra

Jetzt geht’s ans Eingemachte: Die Vor- und Nachteile der  Olympus PEN E-PL7

Fangen wir mal mit dem an, was ich auszusetzen habe – und das sind zwei Dinge:

Erstens: Was man sich man sich vor dem Kauf der Olympus PEN E-PL7 vor Augen führen sollte, ist, dass die kleine Schönheit eines leider nicht hat, nämlich einen Sucher. Und das war für mich extrem ungewohnt. In den ersten Tagen der Verwendung habe ich mir die Olympus bestimmt bei jedem zweiten Foto ins Gesicht geklatscht, nur um zu erkennen, dass es nichts gibt, durch das man durchschauen könnte. Wer also eine Kamera mit Sucher hat und überlegt umzusteigen: Man sei gewarnt. Außer dem Effekt, dass man in der Umstellungsphase ständig Flecken von der Gesichtsfettn inkl. Nasenabdruck am Display hat, war es für mich auch extrem ungewohnt, ohne Sucher eine vernünftige Bildkomposition zu finden. Es ist einfach ein riesengroßer Unterschied, ob man sein Bild durch einen Sucher zusammenfügt, oder ob man dies per Display erledigt. Und zu 100% komme ich immer noch nicht zurecht, muss ich zugeben. Man KÖNNTE einen digitalen Sucher zum Aufstecken nachrüsten, nachdem dieser aber mit saftigen 230 Euro zu Buche schlägt, würde ich stattdessen einfach ein höherklassiges PEN- oder Olympus OMD-Modell kaufen, das schon von vornherein mit einem Sucher ausgestattet ist – sollte man einen haben wollen.

Zweitens: Das Standard-Objektiv. Ganz ehrlich: Ich ärgere mich, dass ich es mir gekauft habe. Das Olympus M.Zuiko 14-42 mm F3.5-5.6 EZ findet bei mir im Grunde nur mehr in einem Fall Einsatz, nämlich, wenn ich Landschaften im Weitwinkel fotografiere. Alles andere schafft mein Zweitobjektiv (die 30er Festbrennweite von Sigma) um Ellen besser. Das 14-42er erzeugt eine irrsinnige Bildverzerrung, ist nicht besonders lichtstark und überzeugt im Handling leider nicht so besonders. Mit dem 14-42er entstanden etwa diese Fäschn-Fotos, deren Anfertigung eine kleine Qual war und mit denen ich, offen gesagt, nicht besonders zufrieden bin. Falls man die Möglichkeit hat, würde ich also empfehlen, das Standard-Objektiv gleich durch ein anderes zu ersetzen oder schon am Anfang ein zweites Objektiv nachzurüsten. Ich verspreche: Die Zufriedenheit mit der Kamera steigt sofort um 300%.

Fäsch Hallein (4 von 16)
Beispiel für das 14-42er. Ich mag es einfach nicht.

Und noch ein kleiner Mini-Kritikpunkt: Die Farbtemperatur der Fotos aus der Olympus ist in den allermeisten Fällen etwas zu warm. Das ist jetzt zwar nichts, was zwei Klicks in der Nachbearbeitung per Adobe Lightroom nicht richten könnten, aber gesagt will ich es haben.

 

Nun aber zu den Sachen, die ich an der Olympus toll finde – und das sind ziemlich viele.

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Größe und Optik. Weil: Eines muss man schon sagen: Die Kamera ist nicht nur wahnsinnig klein und praktisch, sie schaut auch noch richtig gut aus. Vermarktet wird das Gerät nicht umsonst auf der absoluten Lifestyle-Schiene, schließlich gibt es neben wählbaren Farben für den Retro-Korpus auch einen ganzen Wandschrank an Zubehör in verschiedenen Styles. Ich nehme sie aufgrund ihrer praktischen Größe aktuell wirklich überall hin mit. Sie passt in jede Handtasche, ist leicht und kompakt und macht unterwegs ganz viel Freude (siehe: WiFi-Funktion).

Und nun das nicht ganz so offensichtliche: Was an dem Ding der absolute Burner ist, ist der Bildstabilisator. Das Ding ist so gut, ich bin fertig mit den Nerven. Einerseits kann man damit aus der Hand in einem fahrenden Auto filmen und es sieht aus, als wäre man mit Gimbal unterwegs (jetzt wundere ich mich nicht mehr, wie diese ganzen Lifestyle-Youtuber ihre wackelfreien Follow-Me-Arounds drehen), andererseits macht sie – das passende, ebenfalls gut bildstabilisierte Objektiv vorausgesetzt – auch bei Nacht praktisch wackelfreie Fotos, etwa vom städtischen Lichtermeer. DAS bringt meine Canon EOS 600D nicht fertig (oder zumindest nicht so einfach).

Schnappschuss von der Karlsbrücke. Wahnsinn.

Und einfach ist hier wohl das Stichwort: Im Grunde fühlt man sich mit der Olympus PEN E-PL7 wie ein Betrüger, denn: Sie schafft, dass man auch als Foto-Noob sehr schöne, extrem ansprechende Fotos produziert, ohne sich mit irgendwelchen Verschlusszeiten, ISO-Zahlen, Blenden oder Weißabgleichen auseinandersetzen zu müssen. Die Ästhetik, die mit der Olympus geschossene Fotos quasi automatisch aufweisen, ist der momentan so angesagte leicht überbelichtete Instagram-Look. Wer diesen also gerne hätte, ohne sich groß mit Kameratechnik zu beschäftigen, der ist mit der PEN E-PL7 sehr, sehr gut beraten. Und ich trau mir mal öffentlich zu vermuten, dass dieser Umstand kein Zufall ist – siehe Marketingkampagne.

Sehr sehr angetan bin ich auch von meinem Sigma 30mm f2,8 DN Objektiv, das wirklich viel Objektiv für wenig Geld bietet und bei mir aktuell im fast ausschließlichen Einsatz ist. Im Fokus knackscharf, im Bokeh schön cremig – ich verwende das Ding analog zu meiner 40er 1.8-Festbrennweite auf der Canon und bringe mit dem Sigma oft noch bessere Ergebnisse zustande, als mit Lady Canon.

Was ich aktuell damit fotografiere? Alles, was unterwegs entsteht: Reisen, Restaurants, Porträt und Mode. Bei, Fotos, die ich in meiner Wohnung aufnehme, also Food und Interieur, verlasse ich mich eher auf meine Canon, mit der ich hier noch bessere Ergebnisse erziele und die mir, offen gesagt, auch noch vertrauter ist. Komplett per Olympus entstanden sind etwa meine Fotos aus Prag oder jene aus der Nespresso Iced Coffee-Serie. Im Bereich Food habe ich ebenfalls ein paar Versuche mit der PEN gestartet, werde aber mit der Canon nach wie vor glücklicher.

Food-Fotos mit der Olympus: OK, aber nicht großartig.

So und nun noch mein Fazit:

Die Olympus PEN E-PL7 ist aktuell meine fast ständige Begleiterin, wenn ich unterwegs oder auf Reisen bin und ich möchte sie nicht mehr missen. Sie ist sowohl praktisch, als auch klein und schafft es auch in Extremsituationen, sehr sehr schöne Bilder aufzunehmen. Besonders beeindruckt bin ich vom ausgezeichneten Bildstabilisator und der einfachen Handhabung, die es technikfaulen Foto-Noobs auch im Automatikmodus erlaubt, mehr als respektable Fotos zu schießen. Und: Praktisch wackelfreie Videos zu produzieren. In dieser Hinsicht ist die Olympus meiner Canon (die streng genommen nicht zum Filmen gebaut ist) echt meilenweit voraus.

Abraten möchte ich davon, sich zu sehr auf der 14-42er Standardobjektiv zu verlassen, das ich aktuell fast nie aus dem Schubladl nehme, da es mich absolut nicht überzeugt hat. Sehr gut komme ich mit meinem Sigma 30mm f2,8 DN zurecht, das mich momentan standardmäßig begleitet.

Empfehlen kann ich die Kamera daher aus vollstem Herzen für solche FotografInnen, die sich nicht lange damit aufhalten wollen, die Technik ihrer Kamera kennen zu lernen und trotzdem schöne Fotos schießen möchten. Wer gerne in den Einstellungen spielt und versteht, wie ISO und Blende zusammenhängen, der wird von der Olympus PEN E-PL7 eventuell unterfordert sein.

 

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