9 Tipps für Prag abseits der Touristenpfade

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wie es manche von euch mitbekommen haben mögen, war ich kürzlich ein paar Tage auf Kurzurlaub in Prag. Und ich sag’s ganz ehrlich: Ich habe in meinem gesamten Reiseleben noch nie so viele Touristen auf einem Haufen gesehen. Wirklich, es war grauenhaft. Mein diesjähriger Trip war dabei beileibe nicht mein erster in die “Goldene Stadt” und auch, wenn ich ich es für eher unvorstellbar gehalten hätte: Seit meinem letzten Besuch ist die Stadt gleich noch einmal touristischer geworden – aber auch nicht weniger schön.

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Dementsprechend hat sich die Gute Güte bemüht, diesmal etwas abseits des touristischen Trampelpfads zu wandeln – und hat dabei tolle, ruhige, charmante, schöne Ecken der Stadt entdeckt, die sie unbedingt mit jemandem teilen muss. Und nachdem du, mein lieber Leser (m/w) gerade so praktisch vor meinem Blog sitzt, darf ich sie dir hiermit servieren. 9 Tipps für den Urlaub in Parg abseits der Touruistenmassen? Bittesehr.

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1. Benutze die U-Bahn

Die pittoresk-historische Innenstadt zwischen Wenzelsplatz und dem Burgberg ist in festester touristischer Hand und gerade der Touristenhighway zwischen dem Altstädter Ring und der Karlsbrücke ist zu Stoßzeiten (d.h.: immer) kaum zu Fuß bewältigbar. Wem der ganze Trubel zu viel wird, für den gibt es eine einfache Lösung: Die Prager U-Bahn ist nicht nur verlässlich, sauber und günstig, sie bringt auch viel schneller von A nach B, flugs in die weniger überlaufenen aber nicht minder interessanten Randbezirke der Stadt – und der Touristenpulk verirrt sich kaum hinunter. Und ja: Das kommt von einer überzeugten Zu Fuß-Geherin.

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2. Erkunde das Viertel Nový Svět – zu Fuß

Die Prager Burg ist die magische Grenze, an der die internationalen Touristenrudel plötzlich kehrt machen und wieder zurück in Richtung Altstadt strömen. Und mit plötzlich meine ich plötzlich. Bewegt man sich nur eine Seitenstraße von der Burg weg, findet man plötzlich kleine, mit Kopfstein gepflasterte Gässchen, Lebkuchenhäuschen und verwilderte Gärten, die ganz still und unbevölkert vor einem liegen. Besonders hübsch ist dabei das kleine Viertel Nový Svět (“Neue Welt”) gleich hinter der Burg, in dem man in schönster Ruhe spazieren und auf Entdeckungsreise gehen kann. Wenn die Füße müde werden, sollte man sich hier übrigens unbedingt einen Kaffee gönnen – und zwar in einem kleinen Kaffeehaus, das sich seinen Namen mit dem Viertel teilt. Im Kavárna Nový Svět gibt es herrlichen Kaffee, ein gemütliches Stübchen und einen hübschen Balkon, von dem aus man in einen verwilderten Garten blickt, der ganz vergessen lässt, dass man sich nur einen Steinwurf vom touristischen Epizentrum der Stadt entfernt aufhält.

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3. Kraxle über den Vyšehrad und erwandere Villen des tschechischen Kubismus

Ebenfalls erfrischend unbevölkert ist der Vyšehrad, ein historischer Wall auf einem Hügel innerhalb der Prager Neustadt, auf dem man einige historische Bauten, Friedhöfe und Kirchen (etwa die romanische St. Laurentius-Rotunde oder die Peter und Paul-Kirche mit ihrer Jugendstilausstattung) im Spazierengehen erkundet – und beim Abstieg zum Moldauufer an einigen fast skurril anmutenden Villen des tschechischen Kubismus vorbeikommt. Wer sich ein wenig Ruhe und Architektur gönnen möchte, ist hiermit sicher gut beraten.

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4. Halte dich im Zentrum an die Kleinseite

Wer sich ein Hotelzimmer oder eine Wohnung im Stadtzentrum suchen möchte, dem sei folgendes ans Herz gelegt: Man halte sich an die Kleinseite, also jene Seite der Moldau, auf der auch die Prager Burg liegt. Zwar ist die ganze Stadt touristisch sehr überlaufen, auf der Kleinseite ist der Trubel aber noch bei weitem erträglicher, als in der Altstadt am anderen Moldaustrand. Wir haben etwa ein sehr hübsches AirBNB-Apartment nur unweit des Altstädter Rings gemietet und waren sehr froh, den größten Trubel umgehen zu können.

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5. Suche und Finde Lokale, Restaurants und Imbisse entlang der Dlouhá

Die Prager Gastronomie ist ziemlich gut mit Touristenfallen gespickt und gerade um den Altstädter Ring ist es schwer, ein Lokal zu finden, in dem man nicht nur gut isst, sondern auch zu untouristischen Preisen. Ein Lichtblick ist dabei die Straße Dlouhá, nur einen Steinwurf vom touristischen Zentrum entfernt. Entlang der Dlouha reihen sich diverse Restaurants und Bars, die zu einem Gutteil auch von Einheimischen frequentiert werden und größtenteils Küche abseits von Knödeln und Schweinsbraten servieren. Darunter etwa:

Banh Mi-Makers
Ein kleiner, moderner Laden mit nur wenigen Sitzplätzen, der nicht nur die namensgebenden vietnamesischen Sandwiches in verschiedenen Versionen serviert, sondern auch Schüsseln voll vietnamesische Bo, Thai Iced Coffee, Suppen und hausgemachte Limos. Hat uns so gut geschmeckt, dass wir gleich zwei Mal dort eingefallen sind.

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Sisters
Fast direkt gegenüber servieren die Sisters in ihrem kleinen Bistro kunstvoll belegte Brötchen, etwa mit Roastbeef oder Roten Rüben, dazu hausgemachte Limonaden und Kuchen.

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Die Gurmet Pasáž mit My Raw Café, Yami Sushi und Naše maso
Wer sich neben des Sisters in die Passage hineinschleicht, findet dort eine breite Auswahl an verschiedenen Delikatessenläden, Vinotheken, Edelmetzgern und kleinen Lokalen, in denen man wunderbar essen kann. Darunter das My Raw Café, das in pastellrosa Ambiente ausschließlich rohvegane Kost serviert, der artsy Fleischhauer Naše maso oder die Yami Sushi-Bar.

Lokal
Wenn es doch etwas Tschechisches sein soll, ist das Lokal die passende Anlaufstelle entlang der Dlouhá. Flair und Einrichtung changieren zwischen sowjetischer Ausspeisungshalle und hippem industrial Bierlokal, auf der Karte steht Fleisch mit Fleisch und Sättigungsbeilagen (und frittierter Käse, der Vollständigkeit halber), dazu wird literweise Pilsner Urquell serviert. Es ist voll, laut und herrlich ungekünstelt.

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6. Entdecke tschechisches Design. Und Turnschuhe.

Wer sich auf die Suche nach tschechischem Design machen möchte, der hat es in Prag ziemlich leicht. In der Innenstadt gibt es einige großartige Läden, die Mode, Schmuck, Wohndesign oder Papeterie verkaufen – und sich zudem miteinander vernetzen. In einigen der schönsten Designgeschäfte erhält man nämlich einen kostenlosen Stadtplan, der zu einigen hippen Designläden lotst, deren Besuch sich sehr lohnt. Wir haben unseren aus dem Flagship-Store von Botas 66, einer tschechischen Sneaker-Marke aus den 60ern, die erst kürzlich von zwei Designstudenten wachgeküsst und neu aufgelegt wurde. Heraus kamen sehr kultige Turnschuhe Made in Czech Republic, die zur städtischen Hipster-Grundausstattung gehören und unbedingt begutachtet werden sollten.

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7. Wähle deine Souvenirs mit Bedacht

Wenn wir schon beim Thema Shopping sind: Kurz noch was zum Thema Souvenirs. Klassische Prag-Mitbringsel wären ja eigentlich (fast echtes) böhmisches Glas oder Sliwowotz, den dann eh niemand trinkt – eigentlich geht Souvenirkauf aber auch schöner. Eine Idee wäre etwa ein Einkauf bei der tschechischen Künstlerbedarfs-Marke Koh-i-Noor, die zwei Flagshipstores in der Stadt unterhält und etwa Zeichenstifte, Aquarellfarben oder Pastellkreiden vertreibt. Ein Paar der oben erwähnten Botas 66-Sneakers wären ebenfalls eine schöne Idee (schließlich kriegt man die Treter nur in Tschechien und per Onlineversand), wer sich mit Turnschuhen weniger gut anfreunden kann, könnte etwa des großen Designshop im Keller des Repräsentationshauses (Obecní dům) besuchen. Dort bekommt man schöne Stücke aus dem letzten Jahrhundert tschechischen Designs, angefangen bei Jugendstilschmuck bis hin zu kubistischen Porzellandöschen. Wir haben uns etwa ein Set Espressotassen aus dem tschechischen Modernismus gegönnt und schlürfen daraus unseren aktuellen Frühstückskaffee.

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8. Erkunde das jüdische Prag auf alternativen Routen

Nicht nur dank Umberto Eco kennt mittlerweile jeder den alten jüdischen Friedhof in Prag, der zu den beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört. Ebenso beeindruckend ist jedoch auch die Warteschlange, die es vor dem Kauf der – zugegeben – sehr sehr teuren Tickets zu bewältigen gilt. Ist man dann erst drinnen, lässt man sich von selbiger Warteschlange die vorgegebenen Spazierwegen entlangschieben und vermisst das andächtig-morbide Flair, das man sich irgendwie erwartet hätte. Ähnliches blüht einem übrigens beim Besuch aller anderen Sehenswürdigkeiten des jüdischen Prag (etwa die Altneusynagoge), die im Friedhofs-Kombiticket enthalten sind. Wem das zu viel Trubel und zu wenig Erlebnis ist, der erkundet Josefov, das jüdische Viertel Prags, lieber auf alternativen Pfaden. So gibt es etwa einige weniger frequentierte, aber nicht minder sehenswerte Synagogen, die beeindruckende Pariser Straße mit ihrer Jugendstilarchitektur und zahlreiche koschere Delis, die den Geschmack und das Gefühl Josefovs viel schöner erlebbar machen, als die internationalen Warteschlangen.

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9. Gehe ausführlich frühstücken – aber bitte nicht nach 11.00 Uhr!

Was man in Prag übrigens auch fantastisch kann, das ist frühstücken, aber: Vom Konzept des Langschläferfrühstücks hat man hierzulande noch kaum gehört. In den meisten Lokalen frühstückt man bis maximal 11.00 Uhr, anschließend wird der Mittagstisch gedeckt. Eine schöne Auswahl von feinen Früshtückslokalen hat der wunderbare Blog Taste of Prague, den wir für viele unserer kulinarischen Entdeckungstouren als Reiseführer herangezogen haben. So waren wir etwa in der Café Lounge und im Café Savoy (hiervon die gezeigten Fotos) frühstücken und können beides sehr empfehlen.

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