Wir waren bei “The Secret Agent” von Stan Douglas im Salzburger Kunstverein. Und das haben wir erlebt.*

Die Gute Güte

*Werbung: In freundlicher Zusammenarbeit mit dem Salzburger Kunstverein

“Kunst ist geil, das ist ja wie Fernsehen!” – Wenn Leute, die sich eher selten der holden Kunst aussetzen, in eine Galerie für zeitgenössische Kunst spazieren, passieren manchmal die tollsten Dinge. Und zwar vor allem dann, wenn sie das gleich im Gruppenverband tun und zu einer Ausstellung, die einen unerwartet hohen Unterhaltungsfaktor hat.

Meine Damen und Herren: Ich war für mein Pilotprojekt zum Kunstschauen mit Gute Güte im Salzburger Kunstverein und hatte einen ausgesprochen schönen und unterhaltsamen Abend. Was wir uns dort genehmigt haben? Der kanadische Künstler Stan Douglas ist dort aktuell mit seinem Werk “The Secret Agent” zu Gast – und dieses fühlt sich im Grunde an, wie ein classy Agentenfilm, nur besser. Aber alles der Reihe nach:

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Vielleicht haben es die einen oder anderen von euch mitbekommen: Vor ein paar Wochen habe ich dazu aufgerufen, mich doch auf einen kleinen kulturellen Ausgang ins Salzburger Künstlerhaus zu begleiten. Das Motto: The Secret Agents of Salzburg.

Und: Obwohl unser Kunst-Date zur Ausstellungseröffnung auf den schönsten Tag des Jahres und noch dazu auf den Beginn eines verlängerten Wochenendes fiel, durfte ich tatsächlich mit einer wunderbaren Gruppe von Damen und Herren den Kunstverein unsicher machen.

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Die dort gezeigte Ausstellung von Stan Douglas ist ein beeindruckendes Filmprojekt, in dem sich der Künstler in Form eines Agentenfilms mit politischen und gesellschaftlichen Machtvakuums beschäftigt, und zwar am Beispiel des “heißen Sommers” 1975 nach der portugiesischen Nelkenrevolution und nach Vorbild von Joseph Conrads Roman “The Secret Agent”.

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Klingt anstrengend, ist es aber nicht. Auf sechs parallel bespielten Leinwänden verfolgt der Betrachter ein klassisches, wunderbar ausgestattetes und klanglich untermaltes Agentendrama und bleibt dabei ständig im Raum in Bewegung. Schließlich passiert die “Action” regelmäßig auf einer anderen der sechs Leinwände und schließlich wechseln deren Blickwinkel permanent von Innen nach Außen vom Fragenden zum Antwortenden vom Agenten zum Kommissar. Dass die Geschichte dabei eine veritable Sogwirkung entfaltet, ist wahrscheinlich leicht nachzuvollziehen.

“Mah, jetzt haut er sicher ab mit dem Geld, oder? Oida, i bin da schon sowas von drin!”

Praktisch dabei: Die Handlung ist in zwei Teile geteilt, die sich an allen Enden nahtlos aneinanderfügen. Daher ist es mehr oder weniger egal, an welcher Stelle des etwa fünfzigminütigen Films man einsteigt, mit einem Minimum an Vorwissen (das man sich etwa hier anlesen kann), ist es einfach, der Geschichte zu folgen.

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Der Umstand, dass zeitgenössische Kunst im Kostüm eines Spielfilms daherkommen kann, war auch Thema der an den Film angeschlossenen Diskussion mit dem Künstler. Passend dazu war es auch die quasi erste Frage aus dem Publikum, ob das, was man da sehe, jetzt eigentlich Kunst oder Unterhaltung sei. Dem Künstler war das, hatte man den Eindruck, eher einerlei.

“Wenn ich gewusst hätt, dass es auch Kunst gibt, die nicht anstrengend ist, wär ich sicher schon früher hergekommen!”

Was den Ausflug für mich ganz besonders schön gemacht hat? Der Umstand, dass der eine oder andere vielleicht gemerkt hat, das zeitgenössische Kunst eigentlich eh gar ned so schlimm ist. Und, dass man bereits über eine Wiederholung mit einer Exkursion in eine andere Ausstellung nachdenkt. Sollte es eine geben, wird selbstverständlich berichtet.

Danke an alle, die mich begleitet haben. Es war mir eine Freude!

Die Ausstellung “Stan Douglas – The Secret Agent” ist noch bis zum 10. Juli 2016 kostenlos im Salzburger Künstlerhaus zu besichtigen. Verbinden könnte man die Besichtigung etwa mit einem Besuch des großartigen Café Cult im gleichen Haus. Man wünscht viel Vergnügen!

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