Kann man denn davon leben? Wie man mit einem Blog Geld verdient.

Jedes Mal, wenn mich jemand fragt, was ich eigentlich beruflich mache, komm ich, so ein bisschen, in Erklärungsnot. Den Umstand, dass ich irgendwas mit “diesem Internet” mache, kann ich meistens noch halbwegs verständlich machen. Dass ich Leute berate, was sie mit “diesem Internet” so anstellen können, das leuchtet den meisten dann auch noch halbwegs ein. Aber, dass ich Teile meines Lebensunterhalts als Bloggerin bestreite – da wird es schwierig.

Was denn so ein Blog ist, das hat sich mittlerweile sogar schon in Salzburg halbwegs herumgesprochen, dass man damit aber – wenn auch eher bescheiden – Geld machen kann, das kann sich kaum jemand so recht vorstellen. Meine Erklärungsversuche beginnen in solchen Fällen meistens mit: “Stell dir das vor, wie in einem Printmagazin. Da gibt es Firmen, die für Werbung bezahlen. Bei mir funktioniert das ähnlich.” Da verwandelt sich das Fragezeichen beim Gegenüber dann oft in ein Rufzeichen. Wobei: Im Detail hinkt der Vergleich dann doch ein wenig.

Wohnzimmer (7 von 8)

Auf der anderen Seite werde ich auch oft von Bloggerkollegen (m/w) und Leuten, die sich einen eigenen Blog wünschen gefragt, wie das denn so ist, mit dem Geld. Und da dachte sich die Gute Güte so bei sich: Nachdem das offensichtlich so viele Leute interessiert, schreiben mir mal was drüber. Denn: Eine eindeutige Antwort gibt es eigentlich nicht auf die berühmte Frage “Kann man denn davon leben?”

Wohnzimmer (2 von 8)

Lasst uns mit folgender Tatsache starten, die wahrscheinlich die grundlegendste für dieses Thema ist: Nein, ich lebe nicht von diesem Blog. Zumindest nicht ausschließlich.

Ich habe zwar oft das große Vergnügen, dass mich Werbepartner interessant genug finden, mit mir Projekte umzusetzen und, dass mich andere freundliche Menschen damit beauftragen, mein Know How weiterzugeben, Fotos zu machen oder Texte zu schreiben, der Beruf des Bloggers ist jedoch noch so neu und so stark mit dem Label des “Privatvergnügens” versehen, dass es oft schwierig ist zu argumentieren, dass man als BloggerIn für eine Dienstleistung auch gerne ein Honorar hätte.

Eines möchte ich vorwegschicken: Wer seinen Blog mit der fixen Idee startet, ihn im Endeffekt zu Geld zu machen, hat entweder einen eher schlechten Plan oder braucht einen langen, langen, langen Atem. Ein Blog lebt von Leidenschaft, von Engagement und vom Ehrgeiz, immer besser zu werden und für alle drei dieser Dinge ist Geld ein schlechter Treibstoff. Und einer, der erst nach einer langen, arbeitsreichen Durststrecke verfügbar wird.

 

Im Grunde gibt es drei Möglichkeiten, Geld aus einem Blog zu schlagen:

  1. Du verkaufst Werbeplätze
  2. Du verkaufst dein Know How
  3. Du verkaufst Inhalte, die du produzierst

 

Und ich traue mir zu sagen, dass das Erlösmodell eines Blogs in den allermeisten Fällen eine Mischform aus jenen drei Bereichen ist.

 

Aber fangen wir bei Nummer 1 an:

Geld verdienen durch Werbung am Blog

Blogs können für Werbekunden sehr attraktive Plattformen sein, das steht außer Frage. Mit der Berichterstattung durch einen Blogger gewinnt man nicht nur die Reichweite, die der Blog als Medium in einer oft sehr spezifischen Zielgruppe bringt, sondern auch noch die Fürsprache durch den oder die BloggerIn, die werbepsychologisch schwerer wiegt, als der Abdruck einer Anzeige. Gewisse Dinge gilt es aber zu beachten und wie bei so vielen Dingen liegt der Teufel bei Werbeplatzierungen im Detail:

 

  • Um Werbung verkaufen zu können, braucht man erst einmal eine gewisse Reichweite: Und die aufzubauen, das dauert. Wer also mit dem Vorsatz startet, seinen Blog irgendwann zu Werbegeld zu machen, muss erst einige Jahre in Aufbauarbeit stecken, bis Reichweite, Ruf und Einfluss groß und attraktiv genug sind.

 

Wie das bei mir am Beispiel aussieht: Mein Blog lukriert aktuell etwa 80.000 Klicks im Monat, diese Anzahl habe ich nach etwa 2,5 Jahren erreicht. Werbeplatzierungen sind bei mir eher die Ausnahme, denn die Regel.

 

  • Man hat Verantwortung, wenn man Werbung platziert: Wenn man einen Werbedeal eingeht, muss man sich im Klaren darüber sein, dass man damit seine Leserschaft und deren Meinung gegenüber einem Produkt, einem Unternehmen oder einer Dienstleistung potenziell in eine gewisse Richtung lenkt. Und diesem Umstand sollte mit Verantwortungsbewusstsein begegnet werden. Nicht nur steht man dann in gewisser Weise mit seinem Gesicht für dieses Produkt ein, man übt aktiven Einfluss auf andere Menschen aus. Dies sollte einerseits in die Auswahl der Werbepartner einfließen, andererseits in die Wahrnehmung der gesetzlich verbürgten Pflicht, Werbung als solche zu kennzeichnen.

 

Wie das bei mir am Beispiel aussieht: Ich wähle meine Werbepartner mit Bedacht aus. Mit viel Bedacht. Ich lehne in diesem Zusammenhang nicht nur häufig Werbedeals ab, weil sie meinem persönlichen Ethik-Kodex widersprechen (etwa im Bezug auf Produktionsbedingungen), sondern auch, weil immer wieder aktiv danach verlangt wird, auf eine Werbekennzeichnung zu verzichten. Dies lehne ich ebenfalls ab.

 

  • Eine finanzielle Entlohnung für eine werbliche Platzierung ist keinesfalls selbstverständlich: Die meisten Kooperationsanfragen, die in einen Blogger-Postkasten flattern, bieten ein Testprodukt gegen einen Beitrag an. Das ist zwar in vielen Fällen eine schöne Sache, einen Lebensunterhalt kann man mit kostenlosen Schokoriegeln, Sportsocken oder Lippenstiften jedoch leider nicht bestreiten. Die Frage nach einem Honorar für eine werbliche Berichterstattung ist oft eine sehr unangenehme, erfordert viel Erklärungsarbeit und meist führt sie ins Leere. Oft fehlt seitens der potenziellem Partner einerseits das Verständnis dafür, wie viel Arbeit in einen Blogbeitrag investiert wird, andererseits fehlt oft die Reflexion, dass ein Blogger nicht wie ein angestellter Redakteur ein Gehalt bezieht, sondern auf Werbe-Euros angewiesen ist. Und diese Erklärungen können sehr ermüdend sein.

 

Wie das bei mir am Beispiel aussieht: Neun von zehn Anfragen bieten ein Produkt an, die wenigsten sind bereit für eine Werbeplatzierung etwas zu bezahlen und reagieren oft sehr irritiert auf die Tatsache, dass Blogwerbung etwas kostet. Andererseits gibt es auch Partner, die vollstes Verständnis für diesen Umstand haben und in der Zusammenarbeit sehr wertschätzend auftreten. 

 

  • Deine LeserInnen könnten von Werbung genervt sein: Je nach Blog reagieren LeserInnen unterschiedlich intensiv darauf, wenn sie mit Werbung konfrontiert werden: Viele verstehen, dass “ihr” Blogger auch von etwas leben muss und goutieren es, hin und wieder werbliche Inhalte präsentiert zu bekommen, andere lehnen dies grundsätzlich ab. Wichtig ist in jedem Fall: Werbung darf nicht Überhand gewinnen, schließlich kommen LeserInnen wegen jener Inhalte auf einen Blog zurück, wegen denen sie ihn kennen und lieben gelernt haben – und das waren wahrscheinlich nicht unbedingt die Werbestrecken.

 

Wie das bei mir am Beispiel aussieht: Ich habe sehr wenig Werbung hier am Blog, da ich einerseits meine Partner extrem genau aussuche und andererseits viele Beitragsarten werbefrei halten möchte – allen voran die Tour de Salzburg, die immer unabhängig entsteht. Negative Kommentare über Werbung habe jedoch auch schon erhalten.

2. Du verkaufst dein Know-How

Je nach Art eines Blogs muss die Person dahinter Kompetenzen mitbringen, die in Form von Workshops oder Beratungsdienstleistungen weitergegeben werden können. Das kann bei einem Foodblog ein Kochkurs sein, ein Workshop für Food-Styling oder Foodfotografie, bei einem DIY-Blog können es Bastelabende sein und praktisch jeder erfolgreiche Blogger kann Dinge über Onlinemarketing, Community-Management oder Social Media-Branding erzählen. Viele sind sehr gute Texter und andere sehr gute Fotografen und wissen, ihr Know-How weiterzugeben. Auch dies wird immer wieder nachgefragt und kann zum Blogger-Einkommen beitragen.

Wie das bei mir am Beispiel aussieht: Ich gebe ab und an Workshops zu verschiedenen Themen in den Bereichen Social Media, Blogging, Text u.a. – allerdings nur auf Anfrage und oft im halbprivaten Kontext.

3. Du verkaufst Inhalte, die du produzierst

Das hier ist der Bereich, den LeserInnen von außen kaum mitbekommen, der aber hinter den Kulissen oft zu den Haupterlösquellen eines Bloggers gehören. Foodblogger produzieren Rezepte und Food-Fotos für Lebensmittelmarken, DIY-Blogger stylen einen Festtagstisch für ein Magazin oder Lifestyleblogger treten als Texter oder Ghostwriter für Corporate Blogs auf. Oft werden auch die Verwendungsrechte für bestehende Inhalte gegen Gebühr abgetreten, etwa, wenn eine Kochzeitschrift ein Rezept abdrucken möchte oder ein Tourismusmedium Reisefotos verwenden will. Auch hier gilt, dass die Honorarverhandlungen oft sehr schwierig sind, da einerseits manchmal das Verständnis dafür fehlt, wie viel Arbeit mit gewissen Dingen verbunden ist und andererseits keine Bereitschaft dafür da ist, ein Honorar für bestehende Inhalte zu bezahlen, da es diese “eh schon gibt”.

Wie das bei mir am Beispiel aussieht: Ich habe die Freude, immer wieder Rezepte für Partner zu entwickeln, zu kochen, zu fotografieren und zu schreiben und ab und an werde ich auch für kleine Projekte als Texterin gebucht. Das ist auch jener Bereich, mit dem ich hier am Blog den größten Teil meines kleinen Einkommens erwirtschafte. Und einer mit dem ich mich sehr gut identifizieren kann. 

 

Mein Fazit? KANN man davon leben? Ich würde sagen, ja, man kann es prinzipiell schon und es gibt ja hier in Österreich auch schon Damen und Herren, die es tun – es ist aber nicht so einfach, wie man es sich manchmal vorstellen möchte. Wobei: In Österreich stehen wir in dieser Hinsicht noch in den Kinderschuhen – und ich bin sehr neugierig, was die Zukunft bringt.

 

Wer mehr über dieses Thema wissen möchte, könnte übrigens diesen Beitrag von Denise lesen oder einmal bei Janneke vorbeischauen.

You May Also Like