Tour de Glühwein: Der große Glühweintest am Salzburger Christkindlmarkt

 

Hinweis: Dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2015. Die hier enthaltenen Informationen könnten möglicherweise veraltet sein.

Diese Tour ist veraltet und muss aktualisiert werden!

Bevor ich in diese Tour starte, muss ich etwas beichten: Ich mag keinen Glühwein. Zumindest mag ich ihn nicht mehr, weil es schon so spät im Jahr ist.

Es ist doch schon so: Glühwein gehört zu jenen Getränken, bei denen der erste Schluck aus der ersten Tasse des Jahres noch so richtig gut ist, weil die Stimmung weihnachtlich-aufgeregt, die Gesellschaft nett, die Finger kalt, die Tasse warm und das Herzelein groß ist und dessen Attraktivität mit jedem Schluck, jedem Tag und jeder Tasse graduell abnimmt. Zumindest geht es mir so. Dementsprechend war die Tour de Glühwein, die ich hiermit präsentiere, eine kleine Leidensfahrt für mich. Aber, was tut man nicht alles aus journalistischem Interesse.

Wir haben uns durch sieben Glühweine (und gühweinartige Getränke) am Salzburger Christkindlmarkt, am Mozartplatz und am Alten Markt gekostet und präsentieren hiermit unser sodbrennengefärbtes Fazit.

Entstanden ist diese Tour übrigens nicht an einem, sondern an zwei Tagen (wir sind ja schließlich keine Masochisten) und mit einem Team von insgesamt fünf Testerinnen und Testern, die allesamt ihr Urteil zur Glühweinbewertung beigesteuert haben. Aufgrund von Alkoholisierungsvermeidungsversuchen haben wir uns außerdem jeweils eine, manchmal zwei Tassen geteilt. Man will schließlich mit klarem Kopf am Testglühwein nippen.

Die Reihenfolge der Glühweine entspricht der Trinkreihenfolge, die Benotung erfolgt im Schulnotensystem und repräsentiert, wie immer, unsere völlig subjektive Meinung. Wir haben alle unsere Glühweine selbst bezahlt und haben niemandem von unserem Test erzählt. Können wir uns darauf einigen? Dann geht es los!

 

Zwettlers Alm

Zwettlers Alm ist das große, immer menschenumringte Standl direkt hinter dem großen Christbaum gegenüber der Alten Residenz und somit einer der Haupteinfallorte aller Glühweindurstigen aus nah und fern. Wir bestellen einen Glühwein, schnuppern und kosten.

Der heiße Glühwein schmeckt auf den ersten Schluck erwartungsgemäß nach Glühwein, ist sehr alkoholisch, recht säuerlich und schwach duftend. Er ist durchschnittlich süß und etwas bitter, die Gewürznote ist durchschnittlich stark. Sobald er aber abkühlt, dringt die Süße so richtig durch und wir finden ihn fast untrinkbar.

Glühweintest (1 von 8)

In unserem subjektiven Schulnotensystem bekommt er im heißen Zustand eine -2 und im abgekühlten Zustand einen 4er.
Kostenpunkt: 3€ (ohne Bechereinsatz)

 

Feuerzangenbowle

Gleich ums Eck von Zwettlers Alm steht der Stand mit dem schlichten, aber eindrücklichen Namen “Feuerzangenbowle”. Für alle Freunde des fettigen Snacks: Das ist der Stand, der auch die Potatoe Weges verkauft, die schon so manches Mal den glühweinsauren Magen gerettet haben. Fragt man dort nach Glühwein, erntet man ein Schulterzucken, geben tut es nur – du hast es erraten – Feuerzangenbowle und diverse Pünsche. Wir entscheiden uns für die Feuerzange und halten unsere Nasen in die Tasse.

Der Geruch, der uns von dort aus entgegenströmt, ist erst etwas gewöhnungsbedürftig, der erste Schluck dann aber sehr mild, und durchschnittlich süß, das Aroma ist eher schwach. Ein Tasse voll Zeug, das keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, aber gleichzeitig recht trinkbar ist.

Glühweintest (3 von 8)

In unserem subjektiven System gibt es die Schulnote: 3
Kostenpunkt: 3€ (ohne Bechereinsatz)

 

Kerneis Mostheuriger

Kerneis Mostheuriger ist eigentlich in Anthering, unterhält im Dezember aber eine Enklave am Residenzplatz und verkauft dort Glühmost, Glühbier und etwas, das “Weihnachtstrunk” heißt. Glühwein kennt man auch hier nicht, also entscheiden wir uns für den Glühmost. Nach den zuckergeschwängerten Tassen zuvor trifft uns bei ersten Schluck einmal der Schlag. Testerin Nummer zwei attestiert ihm spontan ein “Aroma von alten Socken”. Wie sich in den nächsten Minuten herausstellt, ist der Glühmost vom Kernei aber auf gut Neudeutsch ein “Grower”, man gewöhnt sich an ihn und gegen Ende mag man ihn. Er ist recht alkoholisch und wenig sauer, kantiger als die Glühweine nebenan, schmeckt aber auch natürlicher.

Glühweintest (2 von 8)

Im subjektiven Schulnotensystem entwickelt er sich von einer schockbedingten 4 sich zu einer guten 2.
Kostenpunkt: 3€ (ohne Bechereinsatz)

Und: Beim Kernei kriegt man den wahrscheinlich besten Unterlagen-Snack am ganzen Christkindlmarkt: Den Haunsberger. Das ist ein Laiberl aus Schweinsbrät mit Sauerkraut, Senf, Zwiebel und Curry im Semmerl. Den lässt man sich gern gefallen!

FotorCreated

 

Kartoffelhütte

Weiter geht es zur Kartoffelhütte. Das ist jener Schuppen unter den Arkaden zum Domplatz, der neben heißen Ofenkartoffeln auch alkoholische Heißgetränke verkauft. Wir bestellen einen Glühwein, sind uns aber nicht sicher, ob wir echt einen bekommen haben, denn: Schmecken tut er nicht nur extrem süß (im Schlussfazit wird er zum süßesten Gesöff der Tour gekrönt), sondern auch recht intensiv nach Blutorange. Wir vermuten, dass man uns hier einen Punsch untergejubelt hat. Der war aber recht trinkbar, wenn man es gern süß hat.

glühkindlmarkt (1 von 15)

Im subjektiven Schulnotensystem: -2
Kostenpunkt: 3€ (ohne Bechereinsatz)

 

Bibis Glühwein- und Jausenstandl

Wir befinden uns am Domplatz und wandern zu Bibis Glühwein- und Jausenstandl weiter. Das ist Hütterl im Zentrum des Domplatzes und verkauft – richtig – Glühwein und Jausenbrote. Das stärkt unser Vertrauen bei der Glühweinbestellung. Und zwar nicht umsonst: Der Glühwein, der uns ausgehändigt wird ist erfrischend wenig süß und schmeckt sehr nach echtem, tatsächlichem Wein. Gewürz- und Zuckerjunkies haben hier wohl keine Freude, wer es gerne etwas herber mag, sollte hier einkehren.

Glühweintest (8 von 8)

Im Schulnotensystem: -1
Kostenpunkt: 3€ (ohne Bechereinsatz)

 

Treml

Ein Standl, das man natürlich nicht auslassen darf, ist das vom Treml neben dem Eislaufplatz am Mozartplatz. Das Hütterl mit der Ö3-Beschallung ist aus irgendwelchen Gründen schon seit Jahren der hippste Stand zur Glühwein- und Punschkonsumation, demnach stellen wir uns unter die wohltemperierten Heizschwammerl und bestellen Glühwein und einen Zwetschgen-Koriander-Punsch (weil er so interessant klingt). Der Glühwein hinterlässt einen indifferenten Eindruck, er ist leicht wässrig und bitter, mittelmäßig süß und hat wenig Gewürzaromen – jedenfalls finden wir ihn um Welten besser, als den Zwetschgen-Koriander-Punsch, den wir nach zwei Schlucken aufgrund seines aufdringlichen Geschmacks nach Raumspray zurückgeben. Reaktion des Standl-Personals: “Den mag man, oder den mag man nicht.” Gut zu wissen.

glühkindlmarkt (10 von 15)glühkindlmarkt (11 von 15)

Schulnote für den Glühwein: 3 
Kostenpunkt: 3€ (ohne Bechereinsatz)

 

 

Schmetterlingskinder

Unsere letzte Station sind die Charity-Hütterl am Alten Markt, wo man mit seinem Glühweinkauf wahlweise den Lions Club, die Feuerwehr, die Pfadfinder, die Diabetikerhilfe (!), den Blindenvberband, die Aidshilfe oder andere schöne Organisationen unterstützen kann. Wir entscheiden uns nach einer Runde für den Stand der Schmetterlingskinder und lassen uns vom ersten Glühwein überzeugen, der tatsächlich schmeckt, wie selbstgemacht. Wir präsentieren: Unseren Favoriten der Tour. Der Schmetterlingskinder-Glühwein ist etwas auf der stärkeren Seite, perfekt gesüßt, mit einer intensiveren Gewürznote als die anderen Glühweine des Tour, die aber trotzdem nicht den Weingeschmack überdeckt. Empfehlung!

glühkindlmarkt (14 von 15)glühkindlmarkt (15 von 15)

Schulnote: 1
Kostenpunkt: 2,5€, kein Bechereinsatz

 

Ich bedanke mich bei meinen MittesterInnen Simona, Sonja, Clemens und Matthias!

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