9 Dinge, die es in Graz gibt und die Salzburg haben sollte

Also, ich war ja vor einigen Wochen mal wieder auf Kurzbesuch in Graz, wie ich es so gerne tu. Und wie immer bin ich im Anschluss mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf der Autobahn zurück in Richtung Salzburg gedüst und hab so bei mir gedacht: “Ja, mei!”. Weil: Graz ist einfach eine coole Sau in Stadtform. Und von ziemlich vielen der dort verfügbaren Freuden, Initiativen, Lokalen und dem gesamten Flair, das man dort an jeder Straßenecke inhaliert (nein, damit mein ich nicht den Smog) könnte sich Salzburg eine Scheibe abschneiden. Oder auch zwei.

Graz ist einfach bei jedem Besuch wieder eine schöne Inspiration für Dinge, die man in Salzburg einmal anzetteln könnte. Von Veranstaltungen bis Kulinarium. Ein paar dieser Ideen und Sachen habe ich hier in eine Liste verpackt, für jeden, der sich bedienen möchte und bei der Vergrazifizierung von Salzburg mithelfen mag. Fertig? Bitteschön, hier ist meine Liste and Dingen, die es in Graz gibt und die Salzburg auch haben sollte.

1. Eine Designkultur

Ja eh, Salzburg hat ein Designforum. Was das genau macht, ob es das überhaupt noch gibt, oder wer da was tut, weiß ich aber leider nicht. Vielleicht bin ich zu schlecht informiert, vielleicht sind die einfach unterfinanziert oder vielleicht ist das Salzburger Publikum nicht interessiert genug. Ich hatte jedenfalls das Glück, genau während des Designmonats in Graz zu sein und – oh, diese Freude! Da gab es Ausstellungen und Pop Up Stores und Veranstaltungen und Happenings und so viel Designliebe, ich wär fast daran gestorben. Könnten wir sowas in Salzburg bitte auch einmal organisieren, eventuell in kleiner? Dürfen wir? Das wär echt recht schön.

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2. Ein Museumscafé, in das man sich als Normalsterblicher gehen traut

Nix gegen das M32 (das Restaurant im Salzburger Museum der Moderne). Ich mag das M32. Wunderschöne Aussicht, gutes Frühstück. Aber: Wenn man sich nicht unbedingt den oberen 10.000 zugehörig fühlt, wird man dort auch nicht unbedingt auf täglicher Basis ein- und ausgehen. Ich bin ja, wie schon so oft erwähnt, ein großer Freund der englischen Museumskultur. Dort sind fast überall die Eintritte gratis, Museumscafés sind keine Gourmet-Tempel sondern ähneln meist eher einer Cafeteria und zur Folge hat all das, dass ein Museumsbesuch für viele Leute etwas ganz Alltägliches ist – etwa für den Abstecher in der Mittagspause, die Flucht vor dem Regenschauer oder den Ausflug am faden Sonntag Nachmittag. Stichwort: Volksbildung. Klar, auf dem Niveau ist das Grazer Kunsthaus auch nicht, aber das dazugehörige Café ist viel eher eines, in das man sich einfach mal reinsetzt, weil man eine Tasse Kaffee, einen Happen zum Essen oder ein Mußestündchen zwischendurch haben möchte. Und irgendwann, irgendwann fällt man dann doch rein, ins Kunsthaus mit seinen Ausstellungen. Schließlich ist man ja eh schon da.  Ginge sowas in Salzburg auch mal? Das wär schön.

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3. Leistbare Mietpriese

So, jetzt kommt die altbekannte Lamentiererei. In Salzburg sind die Mieten so hoch! So richtig bewusst geworden ist mir das wieder, als ich auf der Rückfahrt nach Salzburg auf Willhaben Wohnungen ausgeheckt hab. So, rein interessenshalber. Herrschaften, da gibt es wunderschöne Altbauwohnungen, die man bezahlen kann! Bitte entschuldigen Sie mich, während ich in mein Taschentuch weine.

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4. Einen belebten öffentlichen Raum. Und ein Hipsterviertel.

Mitten in der Nacht mit einer Gitarre vor dem Kunsthaus sitzen und ein Bier trinken ist in Graz scheinbar recht normal. Und durch ein Viertel spazieren, in dem man von einem schrägen Schaufenster zum nächsten abgedrehten Lokal flaniert, auch. Bitte, könne man das Lendviertel abreißen und in Salzburg wieder aufbauen? Das wär recht fein. Bezüglich des öffentlichen Raums passieren in Salzburg in den letzten Jahren eigentlich eh erstaunlich viele Dinge. Da gibt es den Salzbeach, da gibt es Konzerte und Mini-Festivals im Mirabellgarten. Da gab es die leider ins Wasser gefallene Franziska, die hoffentlich irgendwann wiedererstehen wird. Und irgendwann, irgendwann reißen wir auch noch die Altstadt an uns. Ganz bestimmt. Und wenn nicht, dann arbeiten wir weiter dran.

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5. Junge Gastronomie und Concept Stores

Hier kommen wir zu Kapitel zwei der Mietpreishöhe: Die betrifft ja nicht nur privaten Wohnraum, sondern auch Geschäftslokale. Und ist Grund, dass sich in Salzburg diesbezüglich recht wenig tut. Concepts Stores, die Lomografie-Ausstattung, Fair Trade-Laiberl und handgetöpferte Espressotassen verkaufen, gibt es bei uns, nun ja, quasi gar nicht. Weil sich alljene, die etwas derartiges eröffnen könnten, mit Grausen umdrehen, sobald sie die exorbitanten Mietpreise für halbwegs altstadtnahe Lokale sehen. Selbiges gilt für innovativere Gastro-Konzepte. Und alles, was von jüngerem Publikum für jüngeres Publikum gegründet, eröffnet, angeboten werden könnte. Klar, Ausnahmen bestätigen die Regel. Mit dem tandwerk im Schweiger Deli blühen in Itzling schon zwei zarte Pflänzchen, die hoffentlich in die richtige Richtung wuchern. Aber die Fülle, die Graz in dem Bereich bietet, wird Salzburg wohl leider nie erreichen. Das hängt auch zusammen mit dem nächsten Punkt:

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6. Eine studentische Kultur, die man wahrnimmt

In Salzburg gibt es fast 20.000 Studierende. Schon arg, oder? Vor allem, weil man fast nichts von ihnen merkt. Das hat einerseits die oben erwähnten finanziellen Gründe (Salzburg ist wohl die teuerste Studentenstadt Österreichs), andererseits damit, dass sich einfach kein studentisches Klima einstellen will, zwischen Tourismus, Festspielen und Mozartnostalgie. Obwohl: In den letzten Jahren lassen gewisse Dinge hoffen. Es rühren sich junge Kulturinitiativen, es beginnt sich eine Partykultur zu manifestieren, das Denkmal überlebt auch schon seit einigen Jahren und es gibt die eine oder andere Studierendenzeitung. Bitte, können wir so weitermachen? Ich helfe auch gerne mit.

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7. Festivals. Für Musik, für Film. Für eh alles.

Bittschön. Graz hat das Spring und Graz hat die Diagonale. Und den steirischen Herbst und die Autumn Leaves und das Elevate und das La Strada. Was hat Salzburg? Richtig. Eh auch ein bisschen was. Es engagieren sich auch hierzuorts viele Menschen, Organisationen und Entitäten und bringen dabei Dinge hervor, wie das Movida, Interlab, My Sound of Music oder die Schreiende Nachtigall. Und ich hoffe, irgendwann setzt sich noch mehr davon durch.

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8. Bausatz-Lokale

Graz ist ohne Zweifel die Hauptstadt der Bausatz-Lokale. Gefühl gibt es mittlerweile schon 35 davon, die Pizza, Burger, Toast, Salat und Weiß-Gott-Was im Bausatz anbieten (eine Pizza mit Ananas, Salami und Schnecken, bitte!). Und es ist eh wahr: Praktisch nix bietet eine bessere Unterlage für einen rauschigen Abend und nix ist so sättigend und billig, wie ein Pfandl mit extra Käse. Anschließend ist einem zwar jedes Mal wieder schlecht, aber zumindest weiß man am nächsten Morgen noch, wofür man gerade 6,50€  ausgegeben hat. (Die Baustö zähl ich an dieser Stelle übrigens nicht, die hat nämlich keine Kässpätzle mit Weinbergschnecken und keinen Toast mit M&Ms.)

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9. Schönes Wetter

Den Schluss mach ich mit etwas, das man nicht ändern kann. Mit dem Wetter. Graz hat einfach den wunderbaren Vorteil schon so weit im Süden zu liegen, dass sich fast so etwas wie mediterrane Stimmung einschleicht. An ganz schönen Tagen. Und einen besonders schönen, warmen Frühling gibt es auch. Und einen Herbst. Und alles, was dazwischen liegt. In Salzburg regnet es gefühlsmäßig meistens. Und das macht es schon etwas schwer, das vor dem Rupertinum sitzen mit der Gitarre, mitten in der Nacht. Und naja, eigentlich haben wir ihn eh lieb, unseren Schnürlregen. Weil: Über was sollten wir denn sonst schimpfen.

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