8 Tipps, die deinen Blog unverwechselbar machen

Ok, am Anfang kommt der Rant: Ich sag’s nämlich ganz ehrlich, es reicht mir, irgendwie. Es gibt mittlerweile so hundselendig viele Blogs, die ähnlich aussehen, ähnlich heißen, ähnlich aufgebaut sind und ähnliche Inhalte transportieren, dass mir die oft zitierte Vielfalt der Blogosphäre schön langsam vorkommt, wie ein Phantom. Ernsthaft, ich frage mich: Wenn man schon ein Medium betreibt, das eigentlich von Persönlichkeit, von Unverwechselbarkeit und einer unabhängigen Stimme getragen werden soll, warum passe ich mich als Blogger(in) dann so dermaßen an? Ist es die Angst, etwas falsch zu machen? Das Wiederholen von Bewährtem? Die Unsicherheit, ob die eigenen Ideen, das eigene ästhetische Gefühl gut sind? Was dabei rauskommt ist ein sich aneinander Angleichen, das in Einheitsbrei mündet. Und irgendwann bin ich mit meinem Blog nur mehr ein Gänseblümchen, das bescheiden neben den stolzen Größen der Szene wuchert, die das gleiche machen, wie ich, nur größer, schon länger und vielleicht auch besser. Und jeden Tag werden sie mehr, die zwar hübschen, aber sehr ähnlichen Blogs.

Aber, weil ich ja nicht nur schimpfen mag, hab ich mir ein paar konstruktive Vorschläge überlegt, die man vielleicht durchlesen möchte, wenn man plant, einen Lifestyleblog ins Leben zu rufen. Oder einen bestehenden Blog zu überarbeiten, ganz egal. 8 Tipps für Unverwechselbarkeit am Blog? Bitte, hier:

1. Such dir einen Namen, an den man sich erinnert.

Ok, hier halte ich es ausnahmsweise mal nicht mit Shakespeare. Bei der Namenswahl für einen Blog, sollte man sich, ähem, Gedanken machen. Genauso, wie in den Namen eines Produkts, einer Marke oder eines Unternehmens eine Menge Hirnschmalz fließt, sollte es auch bei einem Blog laufen. Und im Idealfall sollte man diesen Namen dann auch nie mehr wechseln. Auf Namenssuche? Stell dir bei der Auswahl etwa folgende Fragen:

  • Welcher Eindruck soll entstehen, wenn man meinen Blognamen liest?
  • Welche Informationen sollte er unbedingt beinhalten? (Diese könntest du dann etwa in die Tagline deines Blogs verpacken – das ist der Untertitel zum Namen.)
  • In welcher Sprache soll er sein?
  • Ist er auch nicht zu lang?
  • Kann man ihn irgendwie missverstehen?

Eine Idee wäre es etwa, auf der Suche nach einem passenden Namen eine Mindmap zu erstellten oder ein Inspiration Board, auf dem du Bilder, Texte, Fotos, Grafiken, vielleicht auch Klänge sammelst, die man irgendwann mit deinem Blog assoziieren soll. Und auf Basis dessen wählst du dann deinen Namen.

Und: Bevor du dich auf einen Namen einschießt, schau dich am “Markt” um, welche Namen es schon gibt – und vermeide alles, was etwas bereits existierendem zu ähnlich klingt. Ein paar Grundregeln hierzu: Tabu ist alles, was zwei mehr oder weniger zufällig gewählte Begriffe mit einem “&” in der Mitte darstellt, alles, was die Worte Cupcake, Chocolate oder Cookies beinhaltet, neukombinierte Vor- oder Nachnamen von Filmdiven der 60er Jahre und alles, was von Herzens/Seelens/Lebens-Momenten/Gefühlen/Sachen (beliebig fortführbar) handelt. Es gibt in diesem Bereich einfach schon zu viele und – vor allem – zu gute Blogs, die sich mit sehr ähnlichen Namen schmücken.

Beispiele hierfür gefällig? Gerne.

Schlecht: Cupcakes&Butterflies, Herzensmomente, Audrey Monroe (erfunden – hoffe ich)

Gut: Pixi mit Milch, Modewurst, Ginger in the Basement, Süchtig nach (nicht erfunden)

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2. Wähle deine Plattform mit Bedacht.

Ok, wer schon wo Wurzeln geschlagen hat, überspringt diesen Punkt. Wer gerade auf der Suche nach einer Webheimat ist, findet hier vielleicht ein paar Denkanstöße. Mein Tipp: Überlege dir, wie viel Energie du in deinen Blog stecken willst, was du damit erreichen möchtest und wie “professionell” du bloggen möchtest. Sei dabei ehrlich! Und auf Basis dessen wählst du deine Blogging-Plattform aus. Was ich dir unter den gängigen Anbietern bei der Auswahl empfehlen würde? Hier:

  • Blogger: Blogger ist der Blogging-Dienst von Google. Hier fangen viele viele viele Blogger an, hier schlafen auch die meisten Blogs wieder ein, denn: Blogger ist wahnsinnig einfach einzurichten und wahnsinnig einfach zu bedienen, Blogger ist gratis und bietet wahnsinnig wenig Verpflichtungen. Blogger hat jedoch auch entscheidende Nachteile: Alle Inhalte liegen auf den Servern von Google und man hat wenig Kontrolle darüber, was damit passiert. Blogger ist außerdem sehr fehleranfällig, zickt oft herum und wurde von Google seit Jahren nicht mehr ordentlich gewartet. Blogger ist außerdem extrem unflexibel im Design und in der Technik. Für Anfänger und Gelegenheitsblogger ist Blogger bestimmt gut, wer sich ernsthafter in die Materie stürzen möchte, wählt im Idealfall etwas anderes. Nicht umsonst ziehen viele Blogs nach einiger Zeit von Blogger auf eine andere Plattform um. Und das – ich spreche aus Erfahrung – kann kompliziert werden.
  • WordPress.com: WordPress.com ist die kleine Schwester des später erklärten WordPress.org und funktioniert im Grunde genauso einfach wie Blogger. Man meldet sich kostenlos an, dreht ein paar Schrauben und kann loslegen. Es ist in Design und Technik etwas flexibler als Blogger, kostet allerdings bei gewissen Features und bei schöneren Designs etwas Geld. Wer sich noch nicht sicher ist, wie professionell es werden soll, ist mit WordPress.com wahrscheinlich besser beraten, als mit Blogger, da der Umzug von WordPress.com auf WordPress.org viel viel viel leichter fällt, als von Blogger – sollte man tatsächlich auch mal etwas aus dem eigenen Blog “machen” wollen, oder so. Persönliche Erfahrungen hab ich allerdings keine damit.
  • WordPress.org: WordPress.org ist etwas komplizierter in der Einrichtung als die beiden vorgenannten Systeme, hat in der Bedienung aber bestimmt die größte Flexibilität und die besten Möglichkeiten zur Professionalität. Wer mit den Begriffen Hosting, Provider, Domain, DNS und CMS nichts anfangen kann, holt sich zur Installation am besten jemanden, der weiß, was er oder sie tut. Hat man den Setup des Systems mal geschafft, bietet WordPress.org umfangreiche Möglichkeiten, den Blog zu gestalten, durch diverse Plugins aufzuwerten und flexibel zu führen. Die Sache kostet aber auch. Anders, als bei Blogger oder WordPress.com muss man sich hier nämlich sein “Grundstück” im Internet selber bezahlen, die meisten Designs sind kostenpflichtig und die Domain, die man sich hier zwangsläufig kaufen muss, kostet auch. Allerdings spricht man hier nicht von Unsummen, sondern eher von Initialkosten über etwa 50 Euro und laufende Kosten von vielleicht 10 Euro monatlich. Die allermeisten Hobbys kosten mehr.

 

3. Such dir ein Theme/Template, das nicht schon elftausend andere Blogger verwenden.

Das Theme oder Template (je nach Plattform) ist jenes schöne Stückchen Code, das dem Blog vorgibt, welche Schriftarten, Farben und Layouts er anzeigen soll. Und damit sollte man sich nicht nur möglichst wohl fühlen, man sollte auch möglichst individuell unterwegs sein. Findet tut man Themen und Templates etwa auf Etsy oder bei großen Theme-Börsen wie Themeforest. Der Pro-Tipp dabei: Wenn man bei Themeforest unterwegs ist, schauen, wie oft das ausgesuchte Theme schon heruntergeladen wurde und wenn sich die Zahl schon jenseits der 2.000 bewegt, die Finger davon lassen. Ich diesem Punkt bin ich nämlich schuldig im Sinne der Anklage, ich hab mir akkurat ein Thema ausgesucht, das schon Tausende Mal gekauft worden ist und jetzt hab ich das gleiche Grunddesign, wie etwa 10 andere Blogs, die ich kenne und mag. Shit happens.

Zur Auswahl empfiehlt sich, eine kleine Checkliste zu erstellen, was das Theme/Template unbedingt können muss. Will man etwas eine Sidebar haben oder nicht? Braucht man ein Drop-Down-Menü? Soll ein vorgefertigtes Instagram-Widget dabei sein? Ist das Theme mobile friendly oder responsive? Noch ein Pro-Tipp zur Auswahl: Nicht von den vormontierten Probeposts und Vorschaubildern in den Test-Dummies blenden lassen, sondern immer überlegen, wie ein Template mit den eigenen Fotos aussehen würde. Der Effekt kann nämlich grundverschieden von dem sein, was man im Vorschaumodus sieht.

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4. Designe einen Header (oder lasse dir einen designen), der nicht aus pastellfarbenen Aquarellflecken mit Text besteht.

Was im Theme noch nicht mitgeliefert wird, ist der Header. Und der ist sowas, wie eure virtuelle Haustür. Nachdem man als Leser ja auch gleich wissen möchte, wo man sich befindet, ist man also gut damit beraten, nicht den gleichen Header zu haben, wie die Nachbarin. Klickt man sich so ein bisschen durch die Blogosphäre, trifft man an jeder zweiten Bloghaustüre einen Header an, der aus hübsch verschwommenen Aquarellflecken in Mint, Rosa, Hellblau oder Flieder daherkommt, auf der in zierlicher, weißer bis grauer Schrift der Blogname vermerkt ist. Das wollen wir für unseren Blog nicht! Etwas, das es schon so oft gibt, hat keinen Wiedererkennungswort mehr und schaut dreißigtausend anderen Blogs zum Verwechseln ähnlich. Wir verwenden außerdem keine Fonts (Schriftarten), die wir schon in drei anderen Headers entdeckt haben. Auch, wenn das alles noch so schön ist. Wir haben uns was Individuelles verdient, das zwar mehr Hirnschmalz kostet, dafür aber auch mehr bringt.

 

5. Besuche alle Blogs, die deine Vorbilder sind, überlege, was sie gemeinsam haben – und mach alles anders.

Ich rate jetzt einfach mal in’s Blaue: Wenn du deine Lieblingsblogs durchstöberst, entdeckst du dort vor allem weiße, überbelichtete Fotos, Akzente in Rosa, Koralle und Mint, ein bisschen Print in Schwarz-Weiß, Grüne Smoothies, Chia-Puddings, Smoothie-Bowls, vegane Salate, Outfits von Zara, H&M, Primark und Mango und zwischendurch gedankenvolle Posts zu Fotos von Pfingstrosen. Das sind zwar alles schöne, sinnvolle, nette Dinge, aber – naja – sie sind omnipräsent. Diese packen wir gedanklich in die Kiste, in der schon der apricotfarbene Aquarell-Header von “Icecream&Happiness” ruht. Und den IKEA-Polster Modell Lappljung Ruta, der auf unserer Couch liegt, den verstecken wir unterm Bett. Stattdessen denken wir uns mal entweder was Neues aus oder machen uns bewusst, dass unsere Smoothie-Bowls, “Ich mag Einsamkeit”-Postings und Beachoutftis powered by H&M mindestens so gut sein müssen, wie jene der etablierten, großen Blogs jener Kategorie, um überhaupt aufzufallen. Und auch dann könnten sie noch wie ein feuchter Abklatsch wirken. Die bessere Entscheidung ist es dabei wohl, sein eigenes Ding zu machen und eine Nische, einen Blickwinkel, eine Fotoästhetik oder eine Herangehensweise zu suchen, die es noch nicht gibt. Oder zumindest noch nicht 10.000 Mal. Dabei hilft gleich Tipp Nummer 6:

 

6. Egal, was du schreibst, fotografierst und postest: Gehe dabei immer von dir selber aus.

Egal, was man im Internet und auf Blogs macht, es war garantiert schon einem irgendwie irgendwo in einer ähnlichen Form da. Alles andere sind Illusionen. Aber: Es gibt eine einfache Möglichkeit, Inhalte trotzdem wiedererkennbar zu machen: Gehe immer von deinem eigenen, individuellen Standpunkt aus, schreibe mit deiner eigenen Stimme und in deinem eigenen Stil und versuche, deine Foto-Ästhetik nicht bei der Blognachbarin abzukupfern. Klar, das ist schwer, eine eigene Stimme muss man erst mal finden und fotografieren will gelernt sein. Aber hier muss ich jetzt mit einem der wohl abgedroschensten Motivational-Quotes überhaupt gegenschießen: Trust the Process. Der eigene Schreib- und Blogstil ist etwas, das sich entwickelt und das braucht Zeit. Gib dir diese Zeit, es kann nicht alles auf Anhieb funktionieren. Und dir geht es dabei nicht anders, wie all den Bloggern und Bloggerinnen da draußen, die du so gern liest.

Dabei immer immer wichtig: Versuch nichts zu sein, das du nicht bist. Und das gilt nicht nur für den Stil, sondern auch für die Inhalte: Klar, Veganismus und Superfoods sind gerade ultrahip und bringen enorm viele Klicks – wenn du von der Sache aber nicht zu 100% überzeugt bist, tu es nicht. Oder schreib genau darüber, dass dich das Zeug einfach nicht überzeugen kann. Fitness, Joggen, Yogalates gehen dir auf den Sack, obwohl es alle anderen toll finden? Sag es! Es gibt bestimmt jemanden, er genau so denkt, wie du – und mit ihm, hast du genau jenen Leser erreicht, der richtig bei dir ist. Damit zusammenhängend kommt Tipp 7:

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7. Zeig dich!

Ich habe es lange Zeit unterschätzt, aber jetzt kann ich es umso mehr predigen: Halt dein Gesicht bei jeder Gelegenheit in die Kamera. Wenn deine Leser (m/w) das Gefühl haben, dich zu kennen, kommen sie noch lieber wieder. Und das Gefühl, dich zu kennen, kriegen sie am leichtesten, wenn sie ein Gesicht zu deinen Texten haben. Und wenn du dann auch noch meinungsstark schreibst, hier und da ein Detail über dich und dein Leben verrätst, bindest du Leser noch mehr an dich, weil sie mit jedem Mosaiksteinen das Gefühl haben, dich besser kennen zu lernen. Klar, damit muss man auch erst mal klar kommen, Dinge aus dem privaten Umfeld ins Netz zu stellen. Aber auch dabei kann eine Checkliste helfen. Schreib dir einfach auf: Was sind deine Tabuzonen? Was möchtest du auf keinen Fall im Bild, im Text, im Netz haben, was sind Details über dich, die niemanden etwas angehen? Und daran hältst du dich dann auch.

 

8. Krieg deinen Hintern zur Tür raus.

Und zu guter Letzt: Das virtuelle Leben ist eine Sache, das echte Leben eine ganz andere. Dein Blog existiert innerhalb eines Ökosystems anderer Blogs. Und hinter jedem einzelnen Blog stehen Menschen. Lern sie kennen! Und zwar nicht nur per Kommentar, Facebook und Email, sondern im echten Leben. Gehe auf Vernetzungstreffen, auf Blogger-Veranstaltungen, zu Stammtischen oder frag einfach mal bei einer Kollegin an, ob man gemeinsam auf einen Kaffee geht. Persönliche Begegnungen sind noch viel verbindlicher als jedes Mail und verstärken den Austausch, die Sympathie und den eigenen Status innerhalb der Blogosphäre. Und eines verspreche ich: Die allermeisten Blogger beißen nicht.

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