Auf ein Bier mit: Jakob Gnigler – Komponist, Saxophonist, Jazzer

Jakob Gnigler hat eine Band. Und die heißt GNIGLER. Ein Name, der einem als Salzburger wohl durchaus geläufig sein könnte. Allein schon wegen dem Gnigler Krampuslauf. Oder der Gnigler Stube. Der Herr Jakob Gnigler ist aber weder ein Percht, noch Barbesitzer, sondern spielt Saxophon und ist Komponist. Und im Rahmen seiner siebenköpfigen, selbstbetitelten Formation produziert er damit Jazz. Oder so etwas ähnliches.
Jakob (7 von 12)
Im Beschreibungtext der Band liest man etwa: “In den Kompositionen wird ein Hang zu einer stilistischen Pluralität deutlich hörbar. Intensive (frei)improvisierte Bläserorkane und heftig gepeitschte Saiten wechseln mit filigran komponierten kanonartigen 12-ton Weisen ab. Eng ausnotierte Fanfaren neben chemisch-verätzt-wirkenden Hiphop-Grooves, lassen den Zuhörer über die Existenz und Notwendigkeit von Genres zweifeln.” Aha. Was das genau heißen soll, fragt man den Herrn Gnigler im Idealfall persönlich. Und genau das hab ich bei einem Bier gemacht.

Jakob (3 von 12)
Hallo Jakob. Warum wird man Komponist?
Auf diese Frage bin ich nicht vorbereitet (lacht). Vielleicht, weil es der teschnische Fortschritt jedem leicht macht, Komponist zu sein.
Das musst du mir jetzt näher erklären.
Naja, man kann schnell am Computer und mit einem Klavier und mit Notationsprogrammen herumspielen und findet dann Gefallen daran. Es ist da schon ein bisschen Willkür dabei, aber so sind oft die Anfänge.
Jakob (1 von 12)
Was war dann dein Grund zu sagen, so, ich möchte jetzt Komposition studieren?
Mein Grund war eigentlich genau diese Freude am Herumprobieren mit Notationsprogrmmen und auch die Lust daran, einfach Dinge aufzuschreiben, von denen ich wusste, das kann nie und nimmer ein Musiker spielen.
Also praktisch “unmögliche Musik”, um andere Musiker zu ärgern?
Nein, nicht unbedingt um sie zu ärgern. Irgendwann wollte ich es dann ja auch wirklich gut machen. Gleichzeitig war es auch ein Grund für mich, dass ich keine bekannte Musik von berühmten Komponisten spielen wollte, weil man dann immer an den berühmtesten Interpretationen dieser Stücke gemessen wird und im Vergleich nie bestehen kann.
Jakob (4 von 12)
Also war es demnach auch die Lust am Experimentieren mit dieser Software, das Austesten, was damit möglich ist?
Genau.
Und der Ansatz, ob das alles auch wirklich spielbar ist, ist erst später dazugekommen.
Genau.
Warum spielst du ausgerechnet Saxophon? Soweit ich weiß, ist das Saxophon ja nicht unbedingt das einzige Instrument in deinem Leben.
Hm, das weiß ich eigentlich nicht so genau. Ich kann mich erinnern, dass ich irgendwann einmal ein Bild von einem Saxophon gesehen habe und beschlossen hab, das möchte ich lernen. Einfach, weil es mir ästhetisch und dann auch haptisch gefallen hat. Vorher hab ich eigentlich Geige gespielt.
Jakob (10 von 12)
Und die Geige war nicht so deins?
Das hat mir auch Spaß gemacht, ist aber schon lange her. Jetzt im Nachhinein … ist es für mich einfach so. Ich hatte damals auch keine wirklich konkrete Klangvorstellung von einem Saxophon.
Der Umstand, dass du dann in Richtung Jazz gegangen bist, hatte das viel mit dem Instrument zu tun? Wärst du, wenn du weiterhin Geige gespielt hättest, vielleicht auch in der Klassik gelandet?
Das könnte schon sein. Ich vermute aber trotzdem, dass ich früher oder später damit angefangen hätte, Jazz zu spielen. Weil: Wenn man in die Musikschule geht als Kind lernt man automatisch das, was einem die Lehrer beibringen wollen. Und man überlegt sich als Kind ja nicht, was man eigentlich spielen möchte.
Warum nennt man eine Band wie sich selbst?
Weil man lange überlegt und einem kein Name einfällt (lacht). Es gibt viele Jazz-Ensembles, die heißen, wie ihr Gründer oder Bandleader, etwa das Oscar Petersen Trio oder das John Coltrane Quartett. Das wollte ich eigentlich nicht. Ich wollte nicht, dass das dann “Jakob Gnigler Septett” heißt. Aber leider ist uns kein guter Name eingefallen. Also haben wir in der Band so überlegt und dann kam die Idee, warum heißen wir nicht einfach Gnigler. Das hat allen gut gefallen und dann hab ich irgendwann nachgegeben.
Jakob (9 von 12)
Jakob (12 von 12)
Also war das eher die Idee der anderen und gar nicht deine eigene?
Ja. Für mich klang das recht selbstverliebt und das wollte ich eigentlich vermeiden.
Bist du der Diktator deiner Band oder spielt sich das alles eher demokratisch ab?
Ich bin eher das Gegenteil von einem Diktator. Es ist eher demokratisch. Und es machen alle eigentlich gleich viel in der Band. Ich leiste halt die Vorarbeit, aber entwickelt wird das alles dann gemeinsam.
Jakob (8 von 12)
Also du schriebst die Musik und beim Proben sind dann alle gefragt?
Ja, genau. Wie man das dann zusammensetzt, da arbeiten alle zusammen.
Wie hat die Band zusammengefunden?
Ich hab für mein Abschlussprojekt an der Linzer Bruckner Uni Musiker gebraucht, für Komposition und Saxophon kombiniert. Da hab ich dann ganz gezielt nach Leuten gesucht. Man hat da immer zwei Möglichkeiten. Entweder man macht das mit der Uni Big Band, da gibt es dann ein Probenwochenende, wo man dann viele Stunden an Tag die Stücke übt und die meisten Studenten wollen das nur machen, weil sie den Schein brauchen. Das Ergebnis ist dann oft wenig zufriedenstellend. Das wollte ich umgehen und mir die Band selber zusammensuchen. Also hab ich ein paar Musiker, von denen ich wusste, dass sie gut sind, gefragt, ob sie mitspielen wollen. Ich hab auch geschaut, dass ich hauptsächlich Leute frage, die ich noch aus Linz kenne, aber die schon fertig sind mit dem Studium und das hat dann sehr gut funktioniert. Also, durch die guten Musiker sind die Stücke dann ganz gut gespielt worden.
Also, was du schreibst ist sehr komplex und schwer zu spielen.
Ja, schon. Vor allem, weil es nicht nach im Jazz etablierten Formen funktioniert. Es kommen keine gängigen Harmonien vor. Es ist teilweise schon etwas komplizierter, auch rhythmisch.
Und auch formell sehr frei.
Genau.
Jakob (11 von 12)

Wie hörst du deine eigene Musik?
Ab und zu beim Zugfahren, aber eigentlich insgesamt sehr selten. Ich hör mir meine Sachen vielleicht ein mal an, dann reicht’s.
 
Wen du deine Musik mit fünf Worten beschreiben müsstest, welche wären das?
(denkt nach) Auf jeden Fall mit sehr gegensätzlichen Begriffen. Mit Paradoxa und Oxymora. Moment, ich kann das sogar vorlesen (kramt): Laut, leise, graziös, brachial, exorbitant.
 Jakob (5 von 12)

GNIGLER gastiert am 21. März 2015 im Rahmen des HoertHoert Festivals im Salzburger Jazzit. Karten sind noch verfügbar.

 

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