Design Icons: Egon Eiermann. Und mein neuer Esstisch. Mit vorher/nachher.

Also, meine Damen und Herren: Es ist ja nun einmal so, dass dieser Blog hier eigentlich, so, im Ursprungsgedanken, ein Interior-Blog hätte sein sollen (überrascht? verstehe ich gut). Aber: Nachdem die Gute Güte ab und an ein wenig verplant ist und dazu neigt, sich thematisch zu zerfransen, gab es in ihrem schönen Blogzuhause seit nunmehr Monaten keinen Post über’s Einrichten und Wohnen mehr. Da sollte wohl mal jemand seine Prioritäten überprüfen. Hmpf.
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Es ist nun außerdem so, dass es im Haushalt der Guten Güte seit mehreren Monaten ein paar neue, erwähnenswerte Möbelstücke von einem ebenfalls erwähnenswerten Designer gibt. Und nachdem wir unserem Jahresvorsatz, wieder ein bisschen mehr Interior-Design zu machen, gerecht werden wollen, sollen die jetzt kurz hergezeigt und erklärt werden. Die Rede ist von meinem neuen Esstisch und einigen neuen Sesseln. Beides entworfen von Egon Eiermann. Und nachdem ja grad wieder Germany’s Next Topmodel läuft und man mitgekriegt hat, dass da Makeovers mit Vorher-Nachher-Bildern eine ganz große Sache sind, schneidet man sich eine Scheibe ab und zeigt zur allgemeinen Belustigung: Das Makeover meines Esszimmer. Bittesehr.

Bäm. Das war es vorher, mein wertes Esszimmer. Damals noch geziert von einer Malm-Kommode und einem Esstisch Marke Norden, beides von IKEA. Die waren zwar beide sehr nett und schön, allerdings sind sie halt Teile, die sich in fast jedem Haushalt finden. Und nachdem man ja nach einrichtungstechnischer Individualität strebt, gab’s nun eine Frischzellenkur. Naja, wobei: Frisch ist hier relativ. Die Malm-Kommode wurde nämlich mit einem Vintage-Sideboard aus 1958 ersetzt, ein Designerstück von Poul Cadovius. Und der Norden-Tisch durch einen Esstisch, der zwar neu ist, dessen Gestell aber auf einen Entwurf von Egon Eiermann zurückgeht, und zwar aus 1953.
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Dieser Herr Eiermann, von dem hier die Rede ist, war ein deutscher Architekt und Designer. Und zwar der erste, der in der Nachkriegszeit Serienmöbel entworfen hat. Ein Revolutionär, quasi. Damit schaffte er es, an das durch den Weltkrieg verschüttete Bauhaus-Erbe anzuknüpfen, was man in seiner sehr reduzierten Formensprache auch leicht nachvollziehen kann.
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Das gezeigte Tischgestell basiert, wie gesagt, auf einem Eiermann-Entwurf aus den 50ern. Im Urentwurf waren die schrägen Tischstreben noch etwas anders gelagert und das Gestell war noch nicht – wie heute – zerlegbar. In der Grundform blieb das Tischmodell aber seit mittlerweile mehr als 60 Jahren gleich und hat nichts von seiner Zeitlosigkeit verloren. Die graue Linoleumplatte, die das Tischgestell bekrönt, wurde von Herrn Gutegüte noch etwas gepimpt, nämlich mit einem Holzrahmen aus Ami-Kirsche, der mit seinem dumpfen Rotton optisch an das Cadovius-Sideboard aus Teak (*hust*, der Baum ist schon seit mehreren Jahrzehnten tot, zu meiner Verteidigung) anknüpft.
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Weitere Eiermann-Teile, die seit Kurzem den Haushalt Gutegüte vervollständigen, sind mehrere Exemplare des Klappstuhls SE 18 (1952), die nunmehr unsere Gästestühle sind und die altgedienten IKEA-Modelle ablösen. Die Teile sind (!) ultraleicht (!), ultraschmal und ultrabequem. Ehrlich, ich bin noch nie auf einem so bequemen Klappstuhl gesessen. Und: die Dinger sind vintage, also richtig alt. Ebenfalls über 60 Jahre.
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Für mich mal wieder ein handfester Beweis dafür, dass es sich auszahlt, in gut designte Möbel zu investieren. Die Dinger sind einfach besser. Und halten länger. Und schauen schöner aus. Das finde übrigens nicht nur ich, das finden auch die Kuratoren des Museum of Modern Art in New York. Dort kann man das Modell SE 18 nämlich ebenfalls bestaunen. Nicht nur in meiner Bude.

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