Rezension und Rezept: Das Schlampenkochbuch. Und ein lauwarmer, frommer Linsensalat

Auf meiner November-Bücherliste für die Rupertus Buchhandlung befindet sich diesmal ein kleines Kochbuch, das mir ganz besonders am Herzen liegt. Der Titel des guten Druckwerks mag ein wenig absonderlich klingen, sobald man das Schlampenkochbuch jedoch aufschlägt, merkt man sofort, an welchen Personenschlag es sich wendet. Der steht nämlich nicht am Straßenstrich in der Vogelweiderstraße, sondern vergisst lediglich regelmäßig darauf einzukaufen, hat ständig saure Milch im Kühlschrank und betreibt in der Küche lieber Pfusch als Haute Cuisine. Und mit diesen g’schlamperten Hausfrauen kann ich mich persönlich, nun ja, recht gut identifizieren. Zugegeben. Aus tiefstem Herzen.

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Das Schlampenkochbuch wendet sich an “gewitzte Anfänger und eilige Gourmets” und alle anderen, die wahlweise keine Zeit zum Kochen haben, obwohl sich eine beachtliche Gästeschar angekündigt hat, oder genau in jenem Moment noch schnell den Türken an der Ecke für Notfalleinkäufe heimsuchen müssen. Es bietet neben Rezepten auch schöne, vorgefertigte Einkaufslisten für Sachen, die sich ewig im Vorratsschrank halten und, kombiniert, ein feines, eiliges Menü ergeben – verzichtet aber ganz auf Bilder. Warum ich es trotzdem heiß und Innig liebe und wie genau nun der lauwarme, fromme Linsensalat daraus schmeckt, wird hier erläutert.


Das Schlampenkochbuch war eines der allerersten Kochbücher, die den Weg in mein Bücherregal gefunden haben. Dorthin kam es durch sehr traurige Umstände – es war Teil des an mich vererbten Nachlasses eines vielgeliebten und viel zu früh verstorbenen Familienmitglieds, mit dem ich nicht nur diverse Gene, sondern (teilweise) auch den Kochstil teilte. Mit diesem kleinen Wunderband an wohltextierter kulinarischer Improvisationskunst unterm Arm habe ich in den Folgejahren quasi kochen gelernt. Und dafür war es auf vielfältige Weise sehr gut geeignet: Einerseits verzichtet es komplett auf Bebilderung (Fantasie! Vorstellungskraft! Lies das Rezept!), regt in den Mengenangaben oft dazu an, sich auf das eigene Gefühl zu verlassen, schlägt Ersatzzutaten vor, wenn man dieses oder jenes nicht im Hause haben sollte und ist in der Zusammenstellung seiner Gerichte dabei herrlich kreativ. Und: Alle enthaltenen Rezepte sind idiotensicher, einfach und machen größtenteils echt was her. Bitte, es enthält sogar Vorschläge, was man denn kochen könnte, wenn man nur mehr Zwiebeln im Haus hat. Oder, wie man mit einem Grillhendl von der Hendlbude ein Dreisterne-Festmahl zaubert.

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Schön zum Experimentieren, immer wieder was Neues Ausprobieren, liebe Freunde bekochen, einsame Sofagerichte-Zubereiten und zum zwischendurch Schmökern, auf der Suche nach Inspiration. Das ist mein liebes Schlampenkochbuch.
Ein Rezept, das dabei regelmäßig dran glauben muss, ist der lauwarme, fromme Linsensalat. Der besteht, typisch Schlampenkochbuch, aus ein paar fixen Bestandteilen und einigen, die man variabel und je nach Kühlschrank dazukombinieren kann. Und das geht so:

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Man nehme (für 2 Personen, Rezept leicht abgewandelt):

  • 200 g grüne oder braune Linsen, trocken
  • 1 Zwiebel
  • 1 Lorbeerblatt
  • 1/8 l Weißwein
  • Weißweinessig
  • Olivenöl
  • Salz
  • Pfeffer

Und ich kombiniere dazu:

  • 3 Tomaten
  • 1 Hand voll frisches Basilikum, gehackt
  • 1 Stück würzigen Feta
  • 1 Hand voll guter, schwarzer Oliven

 

Und so geht’s:

Die Linsen mit dem Lorbeerblatt und dem Weißwein in einen Topf verfrachten und mit genug Wasser aufgießen, dass die Linsen gute 2 fingerdick bedeckt sind. Bei mittlerer Hitze die Linsen bissfest kochen. Je nach Art der Linsen kann es, sein dass man Wasser nachgießen muss und je nach Art der Linsen dauert der Kochvorgang zwischen 20 und 40 Minuten.
In der Zwischenzeit den Zwiebel fein hacken, ebenso das Basilikum. Die Tomaten mit heißem Wasser übergießen und die Haut abziehen, das Kerndlwerk im Inneren entfernen und die Tomaten würfeln. den Feta grob zerkrümeln.
Sind die Linsen weich, das Wasser abgießen und das Kochgut in eine Salatschüssel geben. Noch heiß mit den übrigen Salat-Zutaten vermengen, mit Essig, Öl, Salz und Pfeffer abschmecken und zu einem guten Glas Wein genießen. Herrlich!

 

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Das Schlampenkochbuch kann man überall kaufen, wo es Bücher gibt (meine Ausgabe ist Hardcover und mit Merkbändchen, die aktuelle – soweit ich weiß – nicht). Mein Tipp dabei: Shop local! Wenn man in Österreich zuhause ist, liefert die Rupertus-Buchhandlung übrigens gratis. Und in Salzburg hat sie ihren wunderbaren Stammsitz.

Gisela Krahl

Das Schlampen-Kochbuch. Für gewitzte Anfänger, eilige Gourmets und für alle, die mit links etwas zaubern möchten

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