Rezept: Zitronenpasta mit Fenchel. Und ein paar Gedanken zu Foodblogs in drei Akten.

Ich habe ja schon an anderer Stelle erwähnt, dass ich in letzter Zeit recht viel über die Sinnhaftigkeit des hiesigen Food-Bereichs nachdenke. Damals habe ich geschrieben, dass er mir wie eine Art Fremdkörper vorkommt zwischen den ganzen Salzburg-Touren, dem Einrichtungszeug und der Bastelei (die ja meistens auch wieder Einrichtung ist, in irgendeiner Form).

 

Braun, Zitronenpasta, Billets (20 von 26)-2 Braun, Zitronenpasta, Billets (19 von 26)-2
Nach weiterem Nachgrübeln muss ich jetzt aber sagen: nö. Das ist es eigentlich gar nicht. Oder zumindest nicht ausschließlich. Mittlerweile sind mir noch viele weitere Gründe eingefallen, warum ich mich mit meinem Food-Bereich hier nicht mehr so ganz wohlfühle. Und weil mich das ganze so beschäftigt und virtuelles Papier geduldig ist, hab ich mich schließlich doch noch einmal hingesetzt und den Gedankenbrei in eigermaßen nachvollziehbare Form gepresst. Daher: Ich präsentiere meine Rede zur Lage der gutgütigen Foodblogger-Nation. In drei Akten. Und damit das ganze etwas leichter genießbar wird, hab ich natürlich auch etwas gekocht. Wer also nix von meinen Foodisten-Leiden wissen mag, scrolle einfach weiter und erlese sich mein momentanes Lieblings-Pastarezept mit Fenchel und Zitrone. Alles klar? Also los.

 

Akt 1:

 

Ab und zu, während ich mich mit der Kamera bewaffnet über mein Essen beuge, beschleicht mich so das Gefühl, dass das, was ich da grad tue, eigentlich ziemlich dämlich ist. Ich habe Silbergabeln, die nur zum Fotografieren verwendet werden, plane mein Abendessen nach Blog-Verwertbarkeit und kaufe einzelne Teller als Props für Rezept-Posts. Und wenn ich für mich und den werten Herren koche, muss der oft mit der umgebundenen Serviette warten, bis ich das Menü ordentlich abgelichtet habe, erst dann darf er reinhauen. Leute, die das mitkriegen und von der großen weiten Welt der Foodblogs noch nichts gehört haben, greifen sich dabei eigentlich immer ans Hirn. Es grenzt immerhin nicht nur an Lächerlichkeit, das sitzt schon metertief drin. Warum ich’s trotzdem tu? Es macht einfach Spaß. Auch, wenn ich mal wieder nicht weiß, wo ich meine neueste Geschirr-Ausbeute unterbringen soll.

 

 Braun, Zitronenpasta, Billets (17 von 26) Braun, Zitronenpasta, Billets (18 von 26)

Akt 2:

Mir ist sonnenklar, dass ich mich mit vielen der richtig tollen und extrem kreativen und kundigen Foodbloggern (w/m) da draußen eigentlich auf keiner Ebene messen kann. Weder optisch (meine Fotoqualität schwankt ja oft beträchtlich. Und das weiß ich auch), noch inhaltlich (wahnsinnig innovativ sind meine Kreationen ja auch nicht). Ja, ich koche schon gerne und, wie ich glaube, auch ganz gut, aber ich weiß nicht, ob die Welt das, was ich hier abliefere, eigentlich braucht. Es fehlt mir an Equipment, es fehlt mir oft an Zeit, mich wirklich intensiv mit dem Thema Essen auseinanderzusetzen und vielleicht fehlt es mir auch an Geduld, mich meterweit in gewisse Bereiche reinzuwurschteln, und, sagen wir, ein Brotrezept mir vier verschiedenen Mehlen auszuprobieren, oder so. Das passt einfach nicht zu mir. Hier muss immer alles schnell und unkompliziert sein. Bin ich in dem Fall noch ein Foodie? Ich weiß es nicht. Aber all das ist ein Ansporn, mich weiter zu verbessern, in dem, was ich hier tu. Weil, Spaß macht’s ja trotzdem, wie gesagt. Und der ist doch auch ein schöner Grund, trotzdem weiterzumachen. Zum Beispiel mit meinem Lieblings-Pastarezept. Das schiebe ich hier einfach mal schnell ein, schließlich brauchen wir ja auch etwas Wegzehrung:

 

Man nehme (für 2 Personen):

  • 200 g Spaghettini
  • 1 Knolle Fenchel
  • 1 Bio-Zitrone
  • 1/8 l Weißwein
  • 1/2 Becher Obers
  • 1 Schuss Fond (oder Suppenpulver und, äh, Wasser. Je nach Facon.)
  • ein guter Brocken Parmesan
  • Olivenöl
  • Salz, Pfeffer

 

Braun, Zitronenpasta, Billets (24 von 26)-2 Braun, Zitronenpasta, Billets (22 von 26)

Und so geht’s:

Spaghettini bissfest kochen. Fenchel in Scheibchen schneiden und Zitronenschale abreiben. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und Fenchel darin anschmurgeln. Mit Weißwein ablöschen, mit Obers und Fond aufgießen und Fenchel einige Minuten dünsten. Kurz bevor er durch ist, abgeriebene Zitronenschale unterrühren. Mit (reichlich) Parmesan, Salz und Pfeffer abschmecken, die Nudeln drinnen wälzen und mit gehacktem Fenchelgrün bestreut servieren.

 

Braun, Zitronenpasta, Billets (26 von 26) Braun, Zitronenpasta, Billets (21 von 26)

Und schließlich noch Akt 3:

Und jetzt, nachdem wir gegessen haben, kommt noch der Teil mit dem “Eigentlich”. Eigentlich entwickelt sich das hier doch immer weiter zu einem recht persönlich geführten Blog. Einer, der viel stärker meine eigenen Meinung und meine eigenen Vorlieben widerspiegelt, als ich es mir ursprünglich gedacht habe. Und weil Kochen, Backen und Essen trotzdem und immer noch zu meinen Hobbies zählen, werd ich alle drei wohl auch weiter hierbehalten. Aber vielleicht sollte ich mir trotzdem noch einen kleinen, persönlichen Blickwinkel für meine Food-Beiträge überlegen. Schließlich soll das hier eine runde Sache sein. Und mit Essen macht man da wohl nichts verkehrt, beim Rundsein.
You May Also Like