Rezension und Rezept: Sündig Süß. Geheimes aus der Klosterküche. Und Schupfnudeln mit Äpfeln

Die Gute Güte
Transparenzhinweis: Das Buch “Sündig Süß” wurde mir freundlicherweise von der Salzburger Rupertus Buchhandlung zur Verfügung gestellt und kann hier bestellt werden.
Ok, hier mein ganz foodblogger-untypisches Geständnis: Ich koche nur ganz selten nach Kochbüchern. Ich hab zwar relativ viele, wenn ich die aber aufschlage, zwecks Kücheninspiration, hab ich garantiert die Hälfte der Zutaten nicht daheim, es schüttet wie aus Kübeln und der Supermarkt hat eh schon zu. Also verwende ich meine Kochbücher daheim primär zum Bilderschauen und Gusto-Holen und bastle dann in der Küche etwas, das im Prinzip so ausschaut, aber mit dem Originalrezept oft nicht mehr viel gemeinsam hat.
Schupfnudeln (7 von 13)-2
Warum ich hier nun trotzdem ein Kochbuch vorstelle? Das hat zwei Gründe. Erstens: Das schöne Druckwerk “Sündig Süß. Geheimes aus der Klosterküche.” hat einen gewaltigen Vorteil: Die dort vorgestellten Rezepte sind sehr schlicht und kommen mit richtig wenig Zutaten aus – und zwar solchen, die man unter Garantie daheim hat. Also nix mit Regenschirm und ungünstigen Billa-Öffnungszeiten. Zweitens: Ich hab vor kurzem die wunderbare Salzburger Rupertus Buchhandlung besucht und durfte mich prompt von diesen sündig süßen Rezepten nach Hause begleiten lassen.* Da ist natürlich eine intensive Auseinandersetzung mit der Materie angebracht. Und die ganz besonders lohnenswert, nämlich für’s Hirn und den Gaumen.
Schupfnudeln (12 von 13) Schupfnudeln (6 von 13)
Also, in medias res: Wie hielt man es nun mit den “süßen Sünden” in Klöstern, Stiften und Abteien? Waren Köstlichkeiten aus reichlich Butter und Zucker Tabu? Die Vermutung liegt nahe: bestimmt nicht, denn: “Sündig Süß” präsentiert Rezepte für Mehlspeisen, Puddings und Liköre, die die Autoren alten Handschriften aus Klosterbibliotheken entnommen haben. Und die haben es teilweise in sich. Manche davon, wie etwa die Topfennockerl oder der Griesschmarren, kommen dabei recht bekannt vor, andere, wie etwa der Kindsmusauflauf, oder die raffinierte Schaumschokolade, sind dahingegen weniger alltäglich. Allen gemeinsam ist, dass sie richtig einladend aussehen. Und: Sie kommen mit erstaunlich wenig Zutaten aus. Im Prinzip wird – gerade bei den Mehlspeisen – stets die gleiche Kombination aus Mehl, Wasser, Zucker, Butter und Eiern auf immer neue Art und Weise interpretiert. Der beste Beweis, dass der Umstand, wenig Auswahl zu haben, am erfinderischsten macht. Die Entscheidung, welches Rezept zuerst ausprobiert werden sollte, war also keine leichte. Ausgesucht hab ich schließlich die Schupfnudeln mit Äpfeln, so, rein nach Bauchgefühl. Weil das liegt bekanntlich nur selten falsch. Hier also das Rezept:

Schupfnudeln (8 von 13) Schupfnudeln (2 von 13)

Man nehme für 2 Personen:

(Rezept aus Originalpublikation abgewandelt und erweitert)
  • 250 g Mehl
  • lauwarmes Wasser (Menge im Rezept nicht vermerkt, nach meiner Erfahrung ca. 250 ml)
  • Butter
  • 2 Äpfel
  • Staubzucker und Zimt
  • Salz

 

So geht’s:

Mehl und Wasser zu einem festen Teig vermengen. Anschließend, laut Rezept, “halbfingerlange Nudeln” daraus drehen. Bei mir sah das etwa so aus.
Schupfnudeln (1 von 13)
Nach Verzehr weiß ich: lieber kleinere als größere Nudeln fabrizieren, die sind dann nicht ganz so fest und klebrig. Anschließend in Salzwasser garen. Das Rezept meint, man solle sie “einmal aufkochen lassen”, ich hab die Nudeln so lange im Topf gelassen, bis sie an die Wasseroberfläche gestiegen sind, wie man es etwa auch bei Spätzle macht. Hat sich bewährt.

 

Schupfnudeln (6 von 13)-2
Die Nudeln in ein Sieb befördern und mit kaltem Wasser abschrecken.
Nun die Äpfel blättrig schneiden und Butter in einer Pfanne erhitzen. Erst die Nudeln in die Pfanne befördern und durchrösten, anschließend die Äpfel zufügen und weiterbraten, bis alles eine schöne goldgelbe Farbe hat. Mit Staubzucker und Zimt bestreut servieren.
 Schupfnudeln (10 von 13)-2
Was soll ich sagen? Die wussten schon, was sie tun, die Damen und Herren im Kloster. Fünf einfachste Zutaten, einfache und schnelle Zubereitung – und es schmeckt wirklich hervorragend. Die Nudeln sind relativ fest, also nicht mit locker-flaumigen Ergebnissen rechnen, wie sie etwa das klassische Mohnnudelrezept zutage fördert. Die lockere Konsistenz der gebratenen Äpfel harmoniert sehr gut damit und entsprechend dosierte Zucker-Zimt-Bestreuung macht obendrein glücklich. Dank diesem positiven Ergebnis freue ich mich schon darauf, die nächsten Rezepte auszuprobieren.
Mein Fazit zum Buch: Es ist beeindruckend zu sehen, wie viel man mit einem gleich bleibenden Grundstock an einfachen Zutaten in der Küche zaubern kann. Die Rezepte sind, soweit ich das beurteilen kann, in relativ originalem Wortlaut aus den Klosterkochbüchern übernommen worden. Daher sind sie – und das sollte in jedem Fall dazugesagt werden – bestimmt nicht “idiotensicher”. Man muss schon etwas Küchenwissen mitbringen, um manche Angaben interpretieren zu können und um zu beurteilen, ob etwas fertig, durch und genießbar ist. Also nix für blutige Anfänger. Für historisch interessierte Küchenfeen und Mehlspeisen-Freunde aber umso mehr. Ergänzt werden die Rezepte durch ein ein sehr ausführliches Glossar zu den primär verwendeten Zutaten und den kulinarischen Portraits von namhaften historischen Persönlichkeiten, die sich um die Klosterküche bemüht oder sich zumindest Gedanken dazu gemacht haben. Das ist eine schöne Ergänzung und nimmt das schlechte Gewissen beim Mehlspeisverzehr (schließlich durften die es doch auch…) Kaufempfehlung!

 

 Schupfnudeln (9 von 13) Schupfnudeln (13 von 13)
Ernst Kaufmann, Günther Haderer

Sündig Süß. Geheimes aus der Klosterküche

ISBN-10: 3702507205
ISBN-13: 978-3702507206

 

You May Also Like