Grand Budapest Hotel: Courtesan au Chocolat. Ein Rezept, ein Rezept!

Also. Ich hab mit vor ein paar Wochen den neuen Wes Anderson-Film angesehen, der da heißt “The Grand Budapest Hotel”. Wer von diesem filmischen Meisterwerk voll funkensprühendem Charme, feingeistigem Wortwitz und brillanter Schauspielkunst noch nix gehört hat, höre jetzt auf der Stelle auf zu lesen, besuche das Kino seines Vertrauens und mache diesen gigantischen Fehler wieder gut (oder sehe sich zumindest den Trailer dazu an. Wir wollen da mal nicht so sein. Immerhin gibt es solche Notfälle wie Eisstürme, Erdbeben, Überflutungen, oder spontane Erblindungen. Da kann es schon mal vorkommen, dass man den Weg ins Kino nicht mehr findet.). Ich glaub, ich hab einen neuen Lieblingsfilm.
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JEDENFALLS
ist das romantische Interesse des Ich-Erzählers in besagtem Streifen, der in einem osteuropäischen Fantasieland namens Zubrovka (na zdrowie) und in den dreißiger Jahren spielt, Bäckerin. Und kreiert  unglaublich kunstvolle und hervorragend kitschige Kuchenkreationen. Eine besondere Rolle spielen die so genannten Courtesan au Chocolat aus ihrer Werkstatt. Das sind, im Prinzip, aufeinander gestapelte Brandteigkrapferl mit Schokofüllung und pastellfarbener Zuckerglasur. Ui, sehen die im Film hübsch aus. Da musste die Gute Güte natürlich sofort googeln, ob dafür denn ein Rezept aufzutreiben sei. Und siehe da: der Filmverleih hat doch tatsächlich ein Rezeptvideo für die Dinger produzieren lassen.
Aber, naja, um ehrlich zu sein: das Nachbacken war eine Tortur. Ich mit Schokogatsch eingesaut bis über die Augenbrauen, die Küche ein Schlachtfeld, die Nerven blank. Und es hat Stunden gedauert. Das Ergebnis? Fast ungenießbar. Geschätzterweise besteht das Originalrezept aus ca. 97% Zucker und schmeckt auch so. Ich empfehle, die Dinger in reichlich Milch zu tunken. Oder gleich einen Marmorkuchen zu backen. Um des Dokumentierens willen, möchte ich das Projekt aber trotzdem …. dokumentieren. Weil, warum auch nicht. Und zwar so:

Man nehme:

Für den Brandteig
  • 100 g Mehl
  • 70 g Butter
  • 60 ml Milch
  • 60 ml Wasser
  • 2 Eier
  • 10 g Zucker
  • 1 Prise Salz

 

Für die Schokocreme
  • 250 ml Milch
  • 1/2 Tafel Zartbitter-Schokolade
  • 3 Eigelb
  • 100 g Zucker
  • 2 EL Kakaopulver
  • 1 EL Mehl
  • Maisstärke

 

Für die Glasur
  • 400 Staubzucker
  • 3 Eiklar
  • Lebensmittelfarbe

 

So geht’s

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Erst den Brandteig zubereiten. Dazu Butter, Wasser, Milch, Zucker und Salz in einem Topf aufkochen, die Hitze zurückdrehen und das Mehl zufügen. Erst vorsichtig unterheben, dann kräftig rühren, bis sich der Teig vom Boden löst und automatisch zu einer Kugel formt. Den Teig anschließend etwa 30 Minuten rasten lassen.

 

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Den Teig dann in einen Spritzsack füllen und auf einem mit Backpapier belegten Backblech kleine Häufchen aufspritzen. Dabei beachten, dass diese extrem aufgehen – also auf genügend Abstand achten.

 

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Jetzt kommt der essenzielle Teil: Das Backblech in das auf 160 Grad vorgeheizte ! und auf jeden Fall schon heisse ! Rohr schieben und dort für etwa 40 Minuten belassen. Dabei !!! auf keinen Fall das Rohr öffnen !!! Brandteig fällt beim kleinsten Luftzug in sich zusammen. Und wird dann unbrauchbar.

 

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Anschließend aus dem Rohr entfernen und abkühlen lassen.
Nun die Schokocreme vorbereiten. Dazu die Milch in einem Topf erhitzen und die Schokolade darin schmelzen. Dotter, Zucker, Mehl, Kakao und Stärke derweil in einer Schüssel zu einer glatten Masse vermengen. Dann etwa ein Drittel der Schokomilch unter ständigem Rühren zugeben und hoffen, dass der Dreck keine Klumpen ausgibt. Schließlich die Masse zurück in den Topf zur restlichen Schokomilch leeren, noch einmal sanft aufkochen lassen und währenddessen ständig weiterrühren. Hoffentlich wird das Zeug dick. Wenn nicht, von vorne beginnen.

 

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Wenn die Schokocreme überkühlt ist, in einen Spritzsack mit spitz zulaufender Tülle füllen. Die Brandteigkrapferl Stück für Stück pfählen und damit befüllen.

 

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Ist dies überstanden, die Zuckerglasur zubereiten. Dazu einfach Klar und Staubzucker vermengen. Fertig. Schön, dass das so idiotensicher war. Die Glasur dann in vier Schüsselchen aufteilen. Drei davon mit der Lebensmittelfarbe pastellig einfärben – hier: rosa, lila und blassgrün. Den vierten Teil einfach weiß belassen.

 

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Nun die Krapferl mit den Pastellfarben glasieren. Ich hab sie nicht gerade in der Glasur ersäuft, weil mir schon geschwahnt hat, dass das eine ziemlich pickige Partie werden wird. Dann die Krapferl stapeln und hoffen, dass sie nicht sofort wieder auseinanderkugeln. Sobald die Dinger halten, Einen Spritzbeutel mit der kleinstmöglichen Tülle bestücken und mit der weißen Zuckerglasur befüllen. Lustige Muster auf die Courtesans spritzen.
Endlich fertig.

 

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Das Ergebnis. Die Dinger sind un-glau-blich klebrig. Und un-glau-blich picksüß. Wirklich, sie sind kaum essbar. Und nachdem sich Brandteigkrapferl – zumindest vom Laien – kaum homogen glasieren lassen, sind sie nichteinmal ultrahübsch. Alles in allem muss gesagt werden: diesen Hype kann man getrost auslassen. Vor allem, weil die Produktion STUNDENLANG dauert und TAUSENDE Nerven kostet. Und die Fehleranfälligkeit UNGLAUBLICH HOCH ist.

 

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Und zum Schluss: viele viele viele viele Fotos von den Dingern. Damit sie wenigstens zu irgendwas gut waren.
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