Offtopic: Literaturverfilmungen für Fangirls und manische Katzen

Jetzt kommt ein Post, den wollte ich eigentlich nie schreiben. Weil Bücher oder gar Buchrezensionen hier eigentlich wirklich nicht hingehören. Eigentlich. Weil, da gibt schon gefühlte Millionen mehr oder weniger ernstzunehmender Damen und Herren, die sich in epischer Breite diesem Thema widmen. Also muss ich nicht auch noch. Eigentlich. Außerdem ist, wie jüngst den Medien entnommen, Literatur doch ein so kontroverses Thema. Da muss man mit Mord und Totschlag rechnen, hört man. Aber nachdem es ja zur Abwechslung nicht um die gefühlt 12.000ste Rezension der Wanderhure (Nichts läge mir ferner. Da graust mir ja.) geht, trau ich mich einfach.
Also folgendes: Ich bin da eben vor ein paar Tagen über eine eigentlich schon recht alte Pressemitteilung der BBC gestoßen. Da drin stand, dass eines meiner aaaahhhaaaaabsoluten Lieblingsbücher in eine der berühmten BBC-Miniserien (Sherlock, anyone?) verwandelt wird. Daraus folgte: a.) papiertütenatmender, googlezerpflückender, overly hibbeliger Extrem-Fangirl-Freakout. b.) der unbedingte Drang, meinem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis davon zu erzählen. Das ernüchternde Fazit daraus: Das Buch kennt keine Sau. Wirklich. Niemand.
Und dagegen muss doch schließlich etwas unternommen werden.
P1284065

Das corpus delicti: Jonathan Strange und Mr Norrell von Susanna Clarke in seiner gesamten 1006-seitigen Pracht. Auch noch nie davon gehört? Seufz. Also los:
P1284049

Darum geht’s:

Im England des frühen 19. Jahrhunderts machen es sich zwei Gentleman-Zauberer zum Ziel, die praktische Magie zurück nach England zu bringen. Die scheint nämlich seit dem goldenen Zeitalter der englischen Zauberei im fiktiven 16. Jahrhundert vom Erdboden getilgt und fristet ein tristes Dasein als Studienobjekt gelehrter Magier-Zirkel. Auftritt Mr Norrell, eines schrulligen wie griesgrämigen Herrenhausbewohners aus Yorkshire, der von sich behauptet, der letzte praktizierende englische Zauberer zu sein. Und dies auch prompt unter Beweis stellt. Schon bald gibt sich ein zweiter praktischer Magier zu erkennen: Der junge Jonathan Strange wird Mr Norrells Schüler und fortan entspinnt sich eine dynamische, konfliktbeladene Beziehung zwischen den beiden ungleichen Zauberern. Der eine stiller, zögerlicher und misanthroper Gelehrter, der andere jugendlich agil, experimentierfreudig und auch sinisteren, riskanten Formen der Magie nicht abgeneigt. Verwickelt in authentische historische Begebenheiten der Zeit entspinnt sich ein Nervenkrieg aus Magie und Beziehungskisten, zwischen Besuchern aus dem zwielichtigen Feenland Faerie und realen historischen Persönlichkeiten.
P1284060
Darum ist es so toll:
Zauberer! England! Böse Elfen! Edle Jungfern! Teegesellschaften! Herrenhäuser! Intrigen! Romanzen! Episch angelegte Parallelwelten!

Jonathan Strange & Mr Norrell spilt nicht nur im England des 19. Jahrhunderts, es ist auch wie ein Buch aus jener Zeit geschrieben. Es liest sich also stellenweise wie Austen, Dickens oder Arthur Conan Doyle. Und es ist gepflastert mit authentischen historischen Fakten, die magische Versatzstücke so mühelos integrieren, dass sie irgendwann völlig selbstverständlich werden. Und: Es ist eindeutig ein Buch für Hardcore-Leser. Wer sich nicht gerne mit kunstvoll gestrickten Wendungen, fabulierenden Satzkonstrukten und epischen Plots abgibt, wird damit keine Freude haben. Und: zugegeben, man muss die ersten 200 Seiten überstehen. So lange braucht Frau Clarke nämlich, die Handlung an einen Punkt zu bringen, an dem sie endlich spannend wird. Die restlichen 800 Seiten kann man den Schinken dafür nicht mehr aus der Hand legen. Versprochen.

P1283999
Ich krame das Buch jedenfalls immer hervor, sobald das winterliche Gatschwetter Einzug hält. Es ist einfach die perfekte Lektüre für lange dunkle Winterabende mit Katze, Kuscheldecke und Tee. Und mit seinen mehr als 1000 Seiten auch lang genug, viele davon zu überbrücken. Vor Beginn sei übrigens der Einbau eines offenen Kamins in die werte Behausung empfohlen. Tut man dies nicht, wird man unwillkürlich einen gewissen Phantomschmerz verspüren. Da hilft dann nicht einmal die beste Tasse Tee.
P1284032
Und es ist natürlich die beste Ablenkung um die hoffentlich nicht mehr ewig lange Wartezeit auf die BBC-Serie zu überbrücken. Die Katze hat sich jedenfalls schon strategisch günstig positioniert.
P1284011

Nun noch zum Kram, um doch noch ein bisschen Kontext herzustellen:Kissen: IKEA (Lappljung Ruta und Sonderedition Indien)
Wolldecke: Urbanara Modell Gotland (übrigens sehr empfehlenswert!)
Bastet-Statuette: British Museum (get it?)
Teekanne: Flohmarkt
Lampe: IKEA (vergriffen)
Holztischchen auf Sofalehne: Orgelpfeifen-Restl von Orgelbau Hitsch

Und zu guter Letzt: Die Katze in Action.

 P1284026 P1284028 P1284027 P1284029

PS: Wem hab ich eigentlich meine deutschsprachige Ausgabe geborgt?

PPS: Zur Erstveröffentlichung des Buchs wurde im angloamerikanischen Raum übrigens eine der aufwändigsten Marketing-Kampagnen des Literaturbetriebs umgesetzt. Sehr beeindruckend.

You May Also Like

Ich konsumiere zu wenig.

Ich muss zugeben, ich tu mir oft recht schwer, mich als Lifestylebloggerin zu bezeichnen. Weil: Lifestyleblogging wird meistens mit dem Erwerb von schönen Dingen gleichgesetzt, mit Mode, Kosmetik, Duftkerzen für…
View Post