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Life Update: Von Arbeit, Sinn und Selbstverwirklic...

Life Update: Von Arbeit, Sinn und Selbstverwirklichung

Eigentlich war es mein Vorsatz, hier in Zukunft weniger Privates von mir zu geben und mich als greifbare Person stärker aus diesem Blog zurückzuziehen. Aber heute, heute möchte ich eine Ausnahme machen. Weil ich das Gefühl habe, etwas erklären zu müssen. Und auch irgendwie das Bedürfnis verspüre, gewisse Dinge in Text festzuhalten, so seltsam es klingen mag. Konkret: Ich möchte über etwas reden, zu dem ich immer wieder befragt werde: Mein Arbeitspensum, mein Berufsleben und wie ich diesen Blog darin einordne.

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten nämlich viel darüber nachgedacht, wie ich eigentlich meinen Alltag, meinen Beruf, Dinge, die mir am Herzen liegen und auch diesen Blog in mein Leben einsortieren soll. Soll, und vor allem will. Und ich habe viele dieser Dinge in neue Schubladen und Regalfächer geräumt, habe Prioritäten geändert und Weichen gesetzt, damit es meiner, auf gut Neudeutsch gesagt, Work-Life-Balance wieder besser geht. Die wohl wesentlichste Änderung dabei: Ich arbeite seit einigen Wochen wieder in Vollzeit. Im Angestelltenverhältnis, in einem Büro, von mehr oder minder nine to five und dank einem Chef, der mir diese Flexibilität ermöglicht. Und: Es war eine gute, eine notwendige Entscheidung für mich, denn: Ich wäre sonst wahrscheinlich irgendwann ausgebrannt.

Ich habe mich aber ganz bewusst auf halber Strecke entschieden, eine Kehrtwende zu machen.

Ich weiß, klassischerweise ist es so, dass Blogger, Influencer und sonstige publizierende Internetmenschen permanent daran zu arbeiten scheinen, ein bisheriges Hobby zum Beruf zu machen, um künftig von Instagram, Youtube, Content-Kreation und Co leben zu können. Ich habe mich aber ganz bewusst auf halber Strecke entschieden, eine Kehrtwende zu machen. Und warum ich das getan habe, obwohl es sich finanziell gut ausgegangen wäre, möchte ich hier erklären. Denn: Es hat in gewisser Weise auch mit dir zu tun.

Klar, es klingt für viele verlockend, duftet nach Selbstverwirklichung: das Klischee, dass alles fantastisch wird, wenn man etwas, das man gerne, mit Leidenschaft und bisher als Hobby tut, professionalisiert. Youtuber, Influencer, Blogger und Co haben mittlerweile denn Status von Teenie-Traumberufen. Haarshampoo in die Kamera halten, die Locken schütteln – und zack. Klingt einfach, ist oft viel, viel schwerer als vermutet und ist vor allem: es ist eine Welt, in der ich mich nicht gerne wiederfinde.

Ich will keine goldene Werbekuh sein

Dieser Punkt ist nämlich einer der wesentlichsten, warum ich mich aktiv dagegen entschieden habe, diesen Blog (weiterhin) als Business zu forcieren. Ich fühle mich in einer Rolle als Litfaßsäule schlicht nicht wohl. Ich will nicht mein Geld damit verdienen, Menschen Dinge unterzujubeln, die sie schlicht nicht brauchen. Und: Ich will dieses Online-Kleinod nicht über Gebühr verkaufen müssen, denn: Mich selbst und meine Arbeit anzupreisen, als sine qua non zu präsentieren und Versprechungen abzugeben, die überzogen sein könnten – das lag mir nie und ich will es mir in diesem Zusammenhang nicht aufbürden.

Klar, es gibt wunderbare Kolleginnen und Kollegen da draußen, die mit all diesen Dingen fantastisch umgehen können, sich in dieser Welt wohlfühlen und in alldem, was mir schwer fällt, in jeder Hinsicht brillieren. Und es ist toll, dass dem so ist. Ich habe für mich persönlich jedoch entschlossen, diese Dinge zurückzuschrauben, weil sie mich Überwindung kosten, mir Bauchweh bereiten, das verfälschen, was ich eigentlich machen will und ich den Platz freiräumen möchte für jene Personen, die sich in diesem Feld tatsächlich verwirklichen wollen.

Was ich stattdessen will? Zeigen, dass die Stadt, in der ich wohne, eine lebenswerte ist und Dingen, die mir wichtig sind, eine Plattform bieten – und zwar weitgehend unabhängig von monetären Absichten.

Vielleicht liegt das auch daran, dass ich mich schlichtweg nicht gut genug verkaufe und mit meinen Inhalten, meiner Arbeit zu wenig offensiv hausieren gehe. Aber selbst wenn ich es könnte und täte, würde ich mich vermutlich nicht wohl fühlen dabei.

Was ich stattdessen will? Zeigen, dass die Stadt, in der ich wohne, eine lebenswerte ist.

Ich habe Zusammenarbeiten beendet oder auslaufen lassen, nehme praktisch keine neuen Aufgaben mehr an und fühle mich, sehr, sehr wohl damit. Schlicht, weil der Druck, das große Muss wegfällt. Weil es mir egal sein kann, wenn Artikelformate übernommen werden, Ideen anderweitig wieder auftauchen. Ich bin hiervon nicht abhängig. Und wenn sich andere bedienen, dann ist es für sie wohl notwendig und es sei ihnen vergönnt. Das mag ein wenig nach Resignation klingen, ist für mich aber eine notwendige Psychohygiene.

Ja, es wird hier auch weiterhin Werbung geben, aber noch weniger und noch handverlesener als bisher. Ja, ich werde weiterhin Inhalte für Dritte produzieren – aber nur noch vereinzelt und solange es mir Spaß macht. Ich arbeite wieder 40 Stunden pro Woche und schreibe diesen Blog nach Feierabend und am Wochenende, wenn ich Lust dazu habe. Und die habe ich meistens. Das mag für manche nach viel Arbeit klingen, ist für mich aber ein Befreiungsschlag, der mir mehr Spaß, mehr empfundene Freizeit, mehr Freude bringt.

Das ist nämlich auch das einzige, von dem dieser Blog nun wirklich noch abhängt: Wie viel Freude er mir bereitet. Ich gehe wieder von Montag bis Freitag in ein Büro, erledige dort meine Arbeit mit mehr Motivation, habe wieder das Gefühl, mehr Zeit für mich, ein Leben zu haben. Und das, das fühlt sich nicht an wie ein Scheitern, oder Resignation. Es ist der größte Sieg, den ich mir wünschen kann.


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  1. Karin

    13 Dezember

    Ich steh ja auf deinen Blog, und hoffe, dass du weiterhin damit Freude hast! Ich finde deine Entscheidung super, wenn das nicht deine Welt ist, ist es schön, wenn du dem nicht hinterherläufst….. hmm, wahrscheinlich ist ja dein Blog gerade deshalb so lässig…

  2. Uta

    13 Dezember

    Das klingt wirklich richtig (und) gut. so, dass ich mich sogar beim lesen erleichtert fühle – ich freu mich für dich! <3

  3. Caro, aus deiner Sicht kann ich das gut nach vollziehen. Bis bald hoffentlich, Claudia

  4. Martina

    14 Dezember

    Liebe Caro, mit all den Influencern und Bloggern aus der ganzen Welt, mit denen wir hier täglich zu tun haben, durfte ich Einblick erhalten in diese, deine Welt. Und ich bewundere jeden einzelnen, der es schafft, sich hier ein lukratives Business aufzubauen, ohne den eigenen Weg zu verlassen. Hut ab vor deiner Entscheidung! Es war sicher nicht leicht … und ich bin sicher, du hörst nicht auf mit Schreiben, Kreativ-Sein und dem Teilen deiner Sichtweise. Nur halt in selbstbestimmteren Rahmenbedingungen. Alles Gute!

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