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Das Loos-Lösen von Designikonen: Ineke Hans in der...

Das Loos-Lösen von Designikonen: Ineke Hans in der Kunsthalle Wien. #illyartdiscovery 6*

*Werbung/bezahlte Einschaltung: In freundlicher Zusammenarbeit mit Illy

Eine der spannendsten Fragen im Designbereich ist für mich immer wieder jene, was Designikonen eigentlich zu solchen macht. Welche Aspekte, Funktionen, ästhetischen Paradigmen und Umstände sind es, die jene Designklassiker entstehen lassen, die die Jahrzehnte überdauern und immer noch ästhetisch und funktional aktuell wirken?

Eine, die diese Thematik nicht nur aus der Theorie, sondern auch aus der Praxis kennt, ist die holländische Designerin Ineke Hans. Die Kunsthalle am Wiener Karlsplatz widmet der Gestalterin und ihren Objekten aktuell ihre erste Einzelausstellung in Österreich. Ineke Hans‘ Designansatz ist dabei einer mit besonders starken gesellschaftspolitischen Implikationen. Sie reflektiert gesellschaftliche Veränderungen, das fluktuierende Verhältnis von Arbeit und Freizeit, Einflüsse der Digitalisierung, der Nomadisierung und Globalisierung der Gesellschaft und sucht für deren Probleme und Herausforderungen in ihren Entwürfen gezielt Lösungen. Reflektiert wird dabei in der sinnig betitelten Ausstellung „Was ist Loos?“ aber nicht nur das Verhältnis von Design und Gesellschaft, sondern auch die Zeitbezogenheit von Designobjekten. So entwarf Ineke Hans gemeinsam mit dem traditionsreichen Möbelhersteller Gebrüder Thonet einen Stuhl, der dessen ikonische Produktionsmethoden in Bugholz mit den ästhetischen und funktionellen Bedürfnissen des 21. Jahrhundert vermählt.

Wie es dazu kam und was die Entwürfe von Ineke Hans so invasiv und demokratisch macht, darüber informiert die sechste Ausgabe der #illyartdiscovery, die mich regelmäßig auf den Spuren von Kunst- und Kaffeegenuss quer durch Österreich führt. Illy ist seit vielen Jahren in der internationalen Kunstszene aktiv, eng mit der internationalen Kunstwelt verbunden und unterstützt diverse Organisationen, Veranstaltungen und Insitutionen im In- und Ausland.

Im Gesrpäch mit Kuratorin Juliane Bischoff geht es dabei um die Kulturgeschichte von Design, um Ressourcenknappheit – und um das klassische Wiener Kaffeehaus.

 

Ineke Hans beschäftigt sich mit den Blick einer Designerin mit einer Gesellschaft im Wandel – wie wandlungsfähig müssen Designobjekte selbst sein um diesen Wandel zu reflektieren? Und welche Rolle spielen seit Jahrzehnten etablierte Designklassiker in diesem Wandlungsprozess?

Juliane Bischoff: Ineke Hans‘ Entwürfe können als Reaktionen auf zeitgenössische Lebens- und Arbeitsbedingungen gelesen werden. Sie möchte zum Nachdenken über unseren Umgang mit der materiellen wie sozialen Welt anregen: Wie gestalten wir Räume? Für wen agieren wir? Wie nutzen wir unsere Ressourcen? Was sind zukünftige Herausforderungen? Was erscheint gerade dringlich für das Design? Ich denke, das Design, das als bedeutungsvoll in die materielle Kulturgeschichte einging, hat sich immer mit den Fragen seiner Zeit auseinandergesetzt. Deshalb können uns Klassiker auch heute noch etwas über den Bedarf und die Erfordernisse von damals sagen und wir können davon lernen. Aber die Fragen der Zeit ändern sich und darauf müssen Gestalter_innen reagieren und informiert bleiben.

Das Design, das als bedeutungsvoll in die materielle Kulturgeschichte einging, hat sich immer mit den Fragen seiner Zeit auseinandergesetzt. – Juliane Bischoff

Hat Design auch die Aufgabe, Vertrauen zu stiften in das Funktionieren unseres Alltags? Wenn nein, welche Funktionen würden Sie dem zeitgenössischen Design zusprechen?

J.B.: Design kann durch den Anspruch an Funktionalität Herausforderungen unserer Gegenwart in besonderer Weise ansprechen und Lösungsvorschläge zur Bewältigung machen. Es kann auf bestehende Probleme aufmerksam machen oder sie zur Diskussion stellen. Der Aspekt der Sinnhaftigkeit für die Nutzer_innen, der Ort und die Art der Herstellung sowie die Nachhaltigkeit im Hinblick auf materielle und immaterielle Ressourcen zeichnen „funktionierendes“ Design für mich aus.

Warum entschied sich Ineke Hans ausgerechnet für eine Neuinterpretation eines so ikonischen und traditionsreichen Objektes wie dem Thonet Stuhl?

J.B.: Thonet hat immer wieder mit Künstlern, Kunsthandwerkern und Architekten wie Adolf Loos, Otto Wagner, Josef Hoffmann oder Koloman Moser zusammengearbeitet. Dabei sind mit Einsatz der berühmt gewordenen Bugholztechnik vielfältige Stühle entstanden. Der Thonet Stuhl, den Loos für das Café Museum gestaltete, ist sicherlich einer der bekanntesten. Mit ihrem Design des „Kunsthalle Wien Chairs“ verleiht Ineke Hans weniger dem Loos-Stuhl ein neues Aussehen, sondern greift vielmehr die Kulturgeschichte auf. Die Gestaltung des Stuhls sollte mit dem Ort der Kunsthalle Wien Karlsplatz (mit dem Café Museum gegenüber) und der Wiener Tradition verknüpft sein. Gebrüder Thonet Vienna waren dabei ein idealer Partner. Gleichzeitig setzte Ineke Hans neben der berühmten Bugholztechnik auch innovative, digitale Verfahren wie den Lasercut ein, um der Gegenwart entsprechende Herstellungsverfahren zu verwenden.

Design kann durch den Anspruch an Funktionalität Herausforderungen unserer Gegenwart in besonderer Weise ansprechen und Lösungsvorschläge zur Bewältigung machen. – Juliane Bischoff

Im Gespräch mit dem Magazin „Disegno“ sagte Hans „… lasst uns als Designer Neues hervorbringen und vorwärts gehen, dabei aber auf eine Art und Weise kommunizieren, die die Welt versteht.“ Kann man dieses Credo an ihren Objekten – z.B. in der aktuellen Ausstellung – ablesen?

J.B.: Definitiv – Ineke Hans Arbeiten entstehen aus der intensiven Auseinandersetzung mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen unserer Gegenwart. Jedes Objekt ist in einem spezifischen Kontext entstanden und auf gewisse Art damit verknüpft. Trotzdem bestehen die Designobjekt von Ineke Hans auch für sich. Nutzer_innen müssen die Geschichte dahinter nicht kennen, um die Objekte zu verwenden. Sie funktionieren auch einfach mittels eines praktischen Zugangs.

Designobjekte und bildende Kunst verbindet die Fähigkeit, einen kontemplativen Moment im Betrachter zu erzeugen: Wie wichtig sind Ästhetik und die Frage danach, wie Raum und Objekt zusammenspielen?

J.B.: Ich denke, gutes Design und Kunst verbindet, dass sie zum Denken anregen. Dies kann sich auf ästhetischer wie inhaltlicher Ebene widerspiegeln. Die Frage nach dem Raum kann sich ganz unterschiedlich stellen: als Präsentationsraum, als Ort der Verwendung, aber auch als digitaler Raum.

Gutes Design und Kunst verbindet, dass sie zum Denken anregen. – Juliane Bischoff

Der klassische Thonetstuhl ist eine Ikone des europäischen Möbeldesigns. Muss er im 21. Jahrhundert neu gedacht werden? 

J.B.: Der ikonische Stuhl, den Adolf Loos für Thonet gestaltete, ist ein Designklassiker geworden und spielt eine bedeutende Rolle in der Designgeschichte. Als solcher wird er auch fortbestehen. Wenn es aber um das Nachdenken über eine unserer Zeit entsprechenden Produktionsweise und Formgebung geht, dann sind neue Fragen wie Möglichkeiten für das Design hinzugekommen. So sind zum Beispiel neue technische Produktionsverfahren entstanden, materielle Ressourcen werden knapper, es gibt neue Ansprüche an Lieferung und Aufbewahrung, aber auch die gestalterische Formensprache hat sich weiterentwickelt – all dies gilt es mitzudenken, wenn es um die Gestaltung eines Designobjekts mit Gegenwartsbezug geht.

Kunsthalle Wien: Ineke Hans – Was ist Loos
28.9. bis 12.11. 2017

Alle Fotos: Kunsthalle/Jorit Aust


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