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Postkarten aus Vorarlberg, oder: 6 Dinge, die du ü...

Postkarten aus Vorarlberg, oder: 6 Dinge, die du über Heumilch wissen solltest*

*Disclaimer: Dieser Beitrag entstand im Zuge einer Blogger-Reise mit der Arge Heumilch nach Vorarlberg, wurde jedoch freiwillig und honorarfrei verfasst.

Ich bin, im Grunde genommen, eine relativ kritische Konsumentin. Gerade, was Lebensmittel angeht. Sobald irgendwas als Superfood verschrien wird, schellen bei mir die Alarmglocken. Erhält ein altbekanntes Produkt ein neues, nach Marketingdeutsch duftendes Label, runzle ich voll Skepsis die Stirn. Einer jener eher neueren Stempel, die auf altbekannten Naturprodukten prangen, ist der grasgrün-rotweißrote Schriftzug „Heumilch“. Doch: was man hier für alten Wein in neuen Schläuchen halten könnte, hat beileibe seine Berechtigung. Von diesem Umstand durfte ich mich nämlich persönlich überzeugen – im Zuge einer Reise ins Herz der Vorarlberger Bergwelt und damit zum Ursprung der Heumilch, die irgendwann in der Milchpackung im Supermarkt landen wird. Doch ich fange wohl lieber am Anfang an.

Schaut man sich als gemeiner Städter die idyllische Bildwelt auf Milch-Tetrapacks an, entfleucht einem wohl schnell ein tiefer Seufzer. Glückliche Kühe, grinsend, mit Kuhglocken, auf grasgrünen Weiden unter blauem Himmel mit mindestens ebenso glücklichen Sennerinnen in Dirndlkleid. Der Seufzer kommt entweder daher, weil man sich selbst in diese Idylle hineinwünscht oder, weil man selbige mit der oben erwähnten Skepsis begegnet. Stimmt sie wirklich, die Mär von den glücklichen Kühen und der guten Milch von den österreichischen Almen? Jemand, der das ganz genau wissen sollte, sind die Damen und Herren der Arge Heumilch, einem Verein, der die Interessen von Österreichs insgesamt 8000 Heumilch erzeugenden Bauern und den Heumilch verarbeitenden Betrieben des Landes vertritt und Hüterin des Heumilch-Regulativs. Nur: was ist nun der Unterschied zwischen der herkömmlichen Vollmilch im Packerl und der Heumilch, die nebenan steht? Und ist Heumilch nun wirklich besser, natürlicher und schmackhafter als herkömmlich erzeugte die Milch?

Ich habe mich auf meine vier Buchstaben gesetzt und die wichtigsten Informationen und Fakten in das verpackt, was der gemeine Internetleser (m/w) am liebsten hat: eine Liste mit den sechs wissenswertesten Dingen über Heumilch. Begleitet wird sie mit ein paar pittoresken Postkarten, die ich fotografisch auf unserer Tour quer durch Vorarlberg gesammelt habe. Ihr seht dabei: die Landschaft rund um das Örtchen Mellau, die Alpe Seris, auf der Heumilchkühe ihrer Arbeit nachgehen, originale Käsknöpfle aus dem Bregenzerwald und meine ersten, bescheidenen Versuche, eigenen Heumilchkäse zu erzeugen. Mehr zum letzten Punkt gibt’s bald, jetzt geht’s aber los mit meinen sechs wichtigsten Fakten über Heumilch.

1. Heumilch-Wirtschaft gilt als die ursprünglichste Form der Milchgewinnung

Der größte Unterschied zwischen einer Heumilchkuh und einer herkömmlichen Kuh liegt in der Fütterung des Tieres. Heumilchkühe kommen im Sommer auf Weiden und Almen (die Mindestanzahl der Weidetage ist mit 120 Tagen/Jahr im Heumilch-Regulativ festgehalten), wo sie sich, mehr oder minder, am alpinen Salatbuffet bedienen. Gleichzeitig erfolgt im Tal die Heuernte, die die Fütterungsgrundlage für die kalten Wintermonate bietet. So erfolgt die Versorgung der Milchtiere mit hofeigenem Grünfutter und Heu angepasst an den Lauf der Jahreszeiten und kommt ohne vergorene Futtermittel aus. Diese Art der Fütterung hat Folgen: sowohl für Natur und Artenvielfalt, als auch für die Milch, die die Kühe schlussendlich geben.

2. Heumilch (oder ihre Weidewirtschaft) trägt zur Artenvielfalt bei

Auf österreichischen Wiesen, Weiden und Almen wachsen bis zu 1000 verschiedene Gräser und Kräuter – ein unglaublicher Artenreichtum, den es zu erhalten gilt. Durch eine natürliche Begrasung von Wiederkäuern werden wertvolle Wachstumsimpulse in den Boden gesandt, was die Artenvielfalt der Wiesen erhält und eine Nachsaat nicht mehr notwendig macht. Zudem erfordert diese hohe Pflanzenvielfalt einen geringeren Einsatz von Düngemitteln als bei intensiver genutzten Flächen. Außerdem lassen Heumilchbauern ihre Wiesen richtig reifen und mähen erst dann, wenn Gräser und Kräuter in voller Blüte stehen. Das macht die Wiesen einerseits nährstoffreicher für das Vieh und trägt andererseits zum Erhalt des Artenreichtums bei. Dabei werden die Wiesen seltener geschnitten und die Wachstumsphasen der Pflanzen sind länger.

Ein weiterer Nebeneffekt der Heumilchwirtschaft: Das regelmäßige Grasen der Kühe und die hohe Pflanzenvielfalt sorgen für einen tief verwurzelten Grasteppich. Dieser ist eine wertvolle Vorkehrung für Erdrutsche, Murenabgänge oder Schneebretter. Somit schützt Heumilchwirtschaft indirekt auch vor Umweltkatastrophen.

3. Der durchschnittliche Heumilch-Bauer hat überschaubar viele Kühe

Eines jener Vorurteile, auf die man trifft, wenn man Milch im Supermarkt kauft, ist jenes, dass das weiße Gold im Packerl von riesengroßen Industriebauernhöfen stammt. Dass das bei weitem nicht stimmt, verrät schon folgende Zahl: der durchschnittliche Bauer, der in Österreich Heumilch erzeugt, hat rund zehn Kühe. Die haben meist Namen, der Bauer kennt ihre Persönlichkeit und Eigenheiten und die Heumilchwirtschaft ist damit viel kleinteiliger organisiert, als man es oft glauben möchte.

4. Heumilch-Bauern erhalten fairere Preise

Etwas, dass auch immer wieder negativ in den Medien auftaucht, ist der zu niedrigen Milchpreis. Aufgrund der großen Heumilch-Nachfrage, zahlt sich diese Art der Milchwirtschaft für die Bauern jedoch auch finanziell aus: sieben zusätzliche Cent erhält der Heumilchbauer pro Liter, bei Bioheumilch sind es 18 Cent, die zum herkömmlichen Milchpreis aufgezahlt werden.

5. Heumilch-Käse ist naturbelassener

Silomilch ist ein gewisses Problem für die Käseherstellung. Siliertes Futter wird durch Milchsäuregärung konserviert, dabei entstehen Clostrifiensporen, die beim Verkäsen eine ungewünschte Buttersäuregärung verursachen. Daher muss diese bei der Herstellung von Hart- und Schnittkäse aus herkömmlicher Milch mechanisch entfernt oder durch die Zugabe von Konservierungsmittel verhindert werden. Daher ist Heumilch eine idealerer Ausgangsprodukt für die Käseherstellung und sorgt für ein natürlicheres Endprodukt.

6. 15% der österreichischen Milch ist Heumilch – international sind es nur 3%

Obwohl all dies ganz großartig klingt, sind aktuell lediglich 15 % der österreichischen Milch Heumilch. Blickt man jedoch auf die internationale Milchwirtschaft, beträgt der Heumilchanteil dort überschaubare 3%. Als Milchkäufer leben wir hier also auf 15%igen Insel der Seligen.

Übrigens: das gesamte (lesenswerte!) Heumilch-Regulativ kannst du dir hier näher ansehen.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Arge Heumilch für die Einladung zur Bloggerreise und den teilnehmenden KollegInnen von Kitchen Story, Coral and Mauve, Viennalicious, Valentinaballerina, Motion Cooking, Because you are Hungry und La Capocuoca für die nette Gesellschaft!


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