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Die italienische vs. die österreichische Kaffeehau...

Die italienische vs. die österreichische Kaffeehauskultur: quer durch Triest in 9 Espressi

Wenn es darum geht, wo man, rein national gesehen, ausführlich Kaffeetrinken gehen sollte, gibt es zwei offensichtliche Antworten: Italien und Österreich. Beide Nationen haben sich – in unterschiedlicher Manier – Kaffee-Weltruf erarbeitet und in beiden spaziert der durchschnittliche Ureinwohner mit schöner Regelmäßigkeit ins Kaffee-Wasserloch des Vertrauens. Aber: Was die beiden Grand Nations des Kaffeegenusses maßgeblich von einander unterscheidet, ist die Art und Weise, wie Kaffee serviert, genossen und zelebriert wird. Pflegt die eine ihre Kaffeehauskultur in Form eines erweiterten Wohnzimmers, in dem Kaffee auf die unterschiedlichsten Arten gestreckt, verfeinert und verschönert wird, serviert die andere ihren Kaffee eher in Form einer schnellen Energieimpfung. Espresso auf die Bar – und zack.

Eine Stadt, die beide Seiten der Medaille aus historischen Gründen besonders gut vergleichen lässt, ist Triest. Schließlich war die heute italienische Hafenstadt über vier Jahrhunderte Teil des Kaiserreichs und dieses hat seine Spuren in Form von altösterreichisch anmutenden Kaffeehäusern hinterlassen. Diese heißen San Marco oder Tommaseo und durften ebenso als Literaten-Cafès gelten, wie ihre Geschwister in Wien oder Salzburg. Die lange und innige Beziehung zum Kaffee hat Triest dabei natürlich aufgrund seines Hafens: Als einziger Hafen des Habsbrugerreichs war Triest Hauptimportstelle für die koffeinhaltige Bohne und noch heute darf sich Triest rühmen, italienweit jene Stadt mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsum an Kaffee zu sein.

Daher ist es auch kein Zufall, dass unser Gastgeber für den von mir und Sonja absolvierten Rundgang durch die Triester Kaffeehäuser, Bäckereien und Imbisse eine der bekanntesten Kaffeeröstereien der Welt ist. Gemeinsam mit Pier Paolo, seines Zeichens Gastronomieexperte des immer noch familiengeführten und in Triest stationierten Kaffeeherstellers Illy, machen wir uns auf, uns die Eckpfeiler des italienischen Kaffeehauses zu erarbeiten – am lebenden Objekt, sei gesagt. Durch insgesamt acht verschiedene Kaffeebars und eine Hand voll Imbissen (für die Koffein-Unterlage) ziehen wir auf unserer Tour, trinken Espresso (man sagt, hier bekäme man den besten Italiens) und verspeisen Gebäck, Mortadella und Schinken – und ja: Am Ende des Tages hatten wir eine kleine Koffeinüberdosis. Aber alles von Anfang an.

Wenn man ein italienisches Kaffeehaus betritt und an der Bar einen Caffè bestellt, kennt sich der Barista hinterm Tresen gleich aus, was gemeint ist. Innerhalb von Sekunden wandert schlafwandlerisch ein Espresso auf die Theke, mit perfekter Crema und in perfekter Menge. Die logistische Meisterleistung hinter dem gefühlten 10-Sekunden-Espresso erklärt uns Pier Paolo, der seit vielen Jahren in der internationalen Spitzengastronomie unterwegs ist und Gastronomen dabei hilft, ihre Lokale zu perfektionieren: „As you can see, the Barista has more space than the customer“, erklärt er uns, „that’s why everything works out so quickly.“ Der Grundriss der Kaffeebars, in die Pier Paolo uns führt, sind vom altösterreichischen Kaffeehaus auch grundverschieden. Lange Bars mit viel Platz für das Barpersonal, wenige Tische, viel stehende Kundschaft, die nur auf einen schnellen Espresso bleibt. Sitzenbleiber und Zeitungsleser sieht man nur vereinzelt.

Entscheidend ist außerdem, wo hinter der Bar die Kaffeemaschine, meist ein Schlachtschiff von epischen Ausmaßen, seinen Platz findet. Hier gibt es verschiedene Modelle und Bargrundrisse, die je nach Art und Layout des Lokals eingebaut werden können. Auf die Frage, was die beiden Grundpfeiler des Kaffeehauskunst seien, bekommen wir eine klare Antwort: Effizienz und Freundlichkeit. Schnell muss es gehen, bis der Kaffee vor dem Gast steht. Und serviert werden soll er mit einem Lächeln auf den Lippen. Gerade letzteres habe, so Pier Paolo, die österreichische Kaffeehauskultur weniger gut verinnerlicht, als die italienische. Stichwort: der klassische, grantige Kellner, oder, wie unser Kaffee-Guide es so schön ausdrückt: „very efficient, but friendly – not so much“.

Der Kaffee in Triest hat übrigens diverse Eigenheiten, die ihn vom Rest Italiens unterscheiden. Bestellt man hier einen Cappuccino, erhält man das, was andernorts ein Macchiato in der kleinen Tasse wäre.Wer einen Cappuccino will, bestellt einen Caffè Latte – und wer sich die Porzellantasse sparen will, verlangt das Heißgetränk der Wahl „in bi“ und erhält es stattdessen im Glas. Der klassische Espresso heißt hierzulande übrigens schlicht Nero – aber: wenn man schlicht einen „Caffè“ verlangt, wird man trotzdem wie gewünscht verwöhnt. Wir haben es probiert und waren erfolgreich.

3 Tipps für den schnellen Espresso in und um Triest:

Caffè Vatta
Via Nazionale 38
34151 Opicina

Viezzoli
Via della Cassa di Risparmio 7
34121 Trieste

espressamente illy
Via delle Torri, 3
34122 Trieste

Und 3 Tipps für den schnellen Happen:

Da Pepi
Via della Cassa di Risparmio 3
34121 Trieste

Da Giovanni
Via S. Lazzaro 14
34122 Trieste

eataly
Riva Tommaso Gulli 1
34123 Trieste

Disclaimer: Wir wurden auf den Stadtrundgang und unsere Espressi von Illy eingeladen, dieser Artikel ist jedoch weder bezahlt noch von Illy in Auftrag gegeben. Es sei jedoch erwähnt, dass mich mit der Marke Illy dank der #illyartdiscovery eine langfristige Zusammenarbeit im Kunstbereich verbindet. Dieser Bericht ist davon aber unberührt.


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