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The Essence of Things: Eduard Angeli, Albertina Vi...

The Essence of Things: Eduard Angeli, Albertina Vienna #illyartdiscovery*

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Abandoned infrastructure, dormant aircraft rotors, foggy pathways, driftwood and dunes: Contemplating the art of Eduard Angeli means entering a realm of tranquility and serene melancholy. The „myth of the quiet space“ that has shaped the Austrian artist’s oeuvre since the 1960s can currently be explored in an extensive retrospective at the Albertina in Vienna. My second #illyartdiscovery takes us to the great Viennese museum, where we enjoy an espresso with Eduard Angeli himself, who explains  to us in person how his quiet, mysterious spaces come into existence.

Angelis motionless settings function as antithesis to the omnipresent digital noise that dominates our hectic society. The boarded up, seemingly impenetrable, monolithic architecture in his paintings appears deserted, frozen in time and muted by a soundscape of silence. Vacant buildings in subdued shades of gray and solitary natural landscapes shrouded in a gentle haze encapsulate the surrealist gloom of his work. Light, reduction and stillness define his style. His sceneries are often inspired by the peaceful silhouettes of Venice, the artist’s hometown.

[My early work] makes me think ‘how did I do that? I would not be able to paint things like this today. – Eduard Angeli

Bringing order into reality

„I don’t feel like many musicians or composers, that after decades I can no longer identify with what I have created when was younger,“ explains Eduard Angeli with regard to his early work. He considers engaging with his creative history an exploration of his constantly shifting artistic identity. „It makes me think ‘how did I do that? I would not be able to paint things like this today.'“

A distinct photographic quality characterizes his early works in particular. The artist used photography, especially travel photography, as inspiration and compositional aid to materialize his quietly detached perspective of reality. His preoccupation with silence, reduction and expansive open spaces is reminiscent of Edward Hopper, Giorgio de Chirico or William Turner. „I like to compare my process to the streets of Venice,“ says Eduard Angeli, „the city is flooded with tourists, but my works show only the essence of the city that comes from subtracting every piece of distraction – the silence you experience is a byproduct of this process.”

Subtracting every distraction

Angeli feels connected to artists such as Robert Longo or William Kentridge and, in fact, to „all Venetians“ – an artistic connection to his Italian roots that also determines his work through the recurring use of the famous Titian red. His art is driven by restless cognitive processes and the desire for an outlet to express and confront his individual perception of reality.“ Being an artist is a continuous, lifelong process. Titian and Picasso both exercised their craft well into advanced old age, but even Titian noted that he only gained a profound understanding of his work at the age of 80. According to Eduard Angeli, who confesses that he „will probably never know,“ complete comprehension and mastery of one’s art is therefore ever so elusive.

Interview and photos: Nora Dejaco

 

DE

Einsame Fassaden, Wege im Nebel, Schwemmholz, Dünen, ruhende Flugzeugrotoren: Begegnet man der Kunst Eduard Angelis, begibt man sich in eine Sphäre der Ruhe, der Reduktion, der weiten Gedanken, der sanften Melancholie. Dieser „Mythos des stillen Raumes“, der seit den 1960er Jahren bestimmend für das Oeuvre des österreichischen Künstlers ist, wird in der aktuell in der Wiener Albertina gezeigten, umfangreichen Retrospektive eindrucksvoll erlebbar. Die zweite Ausgabe der #illyartdiscovery entführt in das große Wiener Haus und auf einen Espresso mit Eduard Angeli selbst, der uns erklärt, wie seine stillen mysteriösen Räume auf der Bildoberfläche entstehen.

Wie eine Antithese zum Lärm der digitalen Welt und zu sich beschleunigenden Gesellschaft breiten sich regungslose Szenerien auf, kragen flächige Fassaden in graue Himmel, Wasseroberflächen, Gassen und vereinzelte Naturdetails überziehen sich mit einem sanften Nebelschleier, der sich nur an scharfen, lichtbrechenden Hauskanten stößt. Verschlossene, monolithische Architekturen schirmen sich vom Betrachter ab, wirken verlassen, menschenleer und verschlossen und so unbetretbar, wie die Stille in den großflächigen Arbeiten Angelis das lauteste Geräusch scheint. Das Licht, die Reduktion und die Regungslosigkeit des Moments sind wesentliche Elemente, die von ihren Bewohnern befreite Stadt Venedig, Wahlheimat des Künstlers, ist immer wiederkehrendes Motiv.

Man denkt sich „wie habe ich das damals denn gemacht? Das könnte ich vermutlich heute gar nicht mehr so malen.“ – Eduard Angeli

Ordnung in die Wirklichkeit bringen

„Es ist bei meiner Kunst nicht wie in der Musik, dass man sich nach Jahrzehnten nicht mehr mit dem identifizieren kann, was man früher geschaffen hat.“, erklärt Eduard Angeli in Bezug auf sein junges Schaffen. Die Begegnung mit seinen früheren Werken sei im Gegenteil immer wieder eine Neuentdeckung seiner selbst und des Künstlers, der man früher war, frei von Ressentiments. „Man denkt sich ‚wie habe ich das damals denn gemacht? Das könnte ich vermutlich heute gar nicht mehr so malen.’“, so der Künstler. Der Blick auf die Wirklichkeit ist dabei gerade im frühen Werk ein fotografisch geprägter. Fotos in alten Reisebeschreibungen galten Angeli als wesentliche Inspirationsquelle und Fotografie als Kompositionshilfe, aus der sich eine der Wirklichkeit entfremdete Perspektive auf das Reale entwickelte. Dieser Umgang mit der Stille, der Reduktion und dem weiten Raum wecken nicht von ungefähr Assoziationen mit Edward Hopper, Giorgio de Chirico oder William Turner. „Es ist ein wenig wie mit Venedig“, meint Eduard Angeli, „die Stadt ist überschwemmt mit Touristen, meine Werke aber zeigen nur die Essenz der Stadt, die aus der Subtraktion entsteht – sie bringt die Stille mit sich.“

Die Essenz der Dinge

Angeli selbst liebt Künstler wir Zoran Music, Robert Longo oder William Kentridge, aber im Prinzip „alle Venezianer“, vielleicht entdeckt man in seinem Schaffen auch deswegen so häufig das berühmte Tizianrot. Der fortlaufende kognitive Prozess, das Bedürfnis nach einem Ventil für die eigene Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit sei ein Antrieb hinter seiner Kunst. „Als Künstler macht man immer weiter. Tizian und Picasso haben im hohen Alter noch Kunst geschaffen, Tizian sagte sogar mit 80 noch, er hätte erst jetzt begriffen, worum es wirklich geht.“ Aber, so Eduard Angeli, „Ganz werd ich’s nie wissen.“

Interview und Fotos: Nora Dejaco

Ausstellungsinformationen:

5.4.2017 – 25.6.2017
Albertina Wien, täglich 10-18 Uhr, mittwochs 10-21 Uhr

Albertinaplatz 1
1010 Wien

http://www.albertina.at/angeli

*In freundlicher Zusammenarbeit mit Illy/In cooperation with Illy


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