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Ich habe Technikerinnen gefragt, warum sich so wen...

Ich habe Technikerinnen gefragt, warum sich so wenige Mädchen für technische Berufe entscheiden.*

Dieser Artikel beginnt mit einem großen Eigentlich. Eigentlich bin ich genau die falsche Person um mich deswegen zu echauffieren, dass so wenige Frauen und Mädchen da draußen einen technischen Beruf ergreifen. Weil eigentlich habe ich ja genau das gemacht, was rein statistisch viel zu viele Schülerinnen und Studentinnen tun: eine Geisteswissenschaft inskribieren und dann schlussendlich „Was mit Medien“ machen. Eigentlich sollte ich mich also zurückhalten bei der Schnappatmung, wenn man mit der Zahl konfrontiert wird, dass 70% aller Mädchen, die einen Lehrberuf ergreifen, sich wahlweise für den der Einzelhandelskauffrau, Frisörin oder Handelsangestellten entscheiden. Und, dass die Anzahl der weiblichen Studierenden an technischen Fachrichtungen noch viel zu niedrig ist.

Der Anlass, aus dem ich mir diese Gedanken mache? Am 27. April findet der alljährliche Girls‘ Day statt, der sich genau diese Thematik zur Aufgabe gemacht hat. Er lädt Mädchen ab 10 Jahren dazu ein, technische und naturwissenschaftliche Berufsfelder kennen zu lernen und so ihren Horizont im Hinblick auf die anstehende Ausbildungs- und Berufswahl zu erweitern. Mein „Partner in Crime“ ist dabei die Porsche Informatik, die sich auch heuer wieder am Girls‘ Day beteiligt und jungen Frauen und Mädchen zeigt, dass die IT-Branche und etwa der Beruf der Programmiererin sehr spannende und lohnende sein können.

Wie ich diese Thematik also angegangen bin? Ganz einfach: Ich habe mich auf meine vier Buchstaben gesetzt und Frauen kontaktiert, die in dieser Hinsicht viel mehr zu sagen haben, als ich. Technikerinnen nämlich, die mitten im Berufsleben stehen und es tagtäglich erleben, was es heißt, als Frau in Berufsfeldern zu arbeiten, die noch als klassische Männerdomäne gelten. Welche Antwort sie mir auf meine Frage gegeben haben, warum eigentlich so wenige Frauen in technischen Berufen tätig sind? Bittesehr.

Anna Norz, Diplomingenieurin, Architektin und Innenarchitektin, Firma Norz

Liebe Anna, was machst du eigentlich den ganzen Tag?
Jeder Tag bringt immer so viel Abwechslung mit sich, dass es nie nach dem selben Schema abläuft und es keinen typischen Alltag gibt. Deshalb freu ich mich so gut wie jeden Tag – natürlich gibt es Ausnahmen – wenn der Wecker klingelt und ein ereignisreicher, spannender Tag auf mich wartet. Sei es im Büro, auf der Baustelle, bei Terminen mit Kunden, oder was sonst noch so alles passieren mag.

Was hat dich dazu motiviert, einen technischen Beruf zu ergreifen?
Das ist schwer zu sagen – es hat sich einfach richtig angefühlt und ich habe bis heute meine Entscheidung einen technischen Beruf gelernt zu haben, noch nie in Frage gestellt. Es ist einfach die Freude an der Herausforderung, die mich immer schon motiviert hat.

Warum glaubst du, entscheiden sich so wenige Mädchen und Frauen für einen technischen Beruf?
Vielleicht ist es die Angst als Mädchen dem Ganzen nicht gewachsen zu sein und die Überwindung, die Berufswahl nicht nach den typischen, traditionellen Kriterien zu treffen.

Wie glaubst du, dass man das ändern kann?
Junge Mädchen und Frauen zu ermutigen ihr handwerkliches und technisches Geschick zu beweisen.

Vielleicht ist es die Überwindung, die Berufswahl nicht nach den typischen, traditionellen Kriterien zu treffen. – Anna Norz

Irmgard Gmachl, Programmiererin, Mathematikerin und Abteilungsleiterin Porsche Informatik

Liebe Irmgard, was machst du eigentlich den ganzen Tag?
Vor allem viel kommunizieren (viele geplante und ungeplante Besprechungen mit MitarbeiterInnen, KollegInnen anderer Bereiche und Kunden). Also viel zuhören, hinterfragen von Meinungen, Ideen und Konzepten zu neuen technischen oder fachlichen Themen, aber auch überzeugen und Input geben. Daneben noch organisieren, controllen bzw. Administratives erledigen. Wichtig ist mir, dass die Zusammenarbeit in und zwischen den Teams gut funktioniert.

Was hat dich dazu motiviert, einen technischen Beruf zu ergreifen?
Im Mathematik-Studium habe ich auch erste Grundlagen einer Programmiersprache kennengelernt und bin dann quer eingestiegen als Software Engineer in die Informatik.
Ein guter Sourcecode ist vergleichbar mit einem architektonisch herausragendem Gebäude, genauso so schön und kreativ gelöst.

Warum glaubst du, entscheiden sich so wenige Mädchen und Frauen für einen technischen Beruf?
Es fehlen geeignete Vorbilder, egal ob im Familienkreis oder in den Medien/Filmen. IT hat zusätzlich das Image eines Männerberufes, in dem ein Nerd alleine im fensterlosen Zimmer vor sich hin codiert und wenig bis keinen persönlichen Kontakt zu anderen Menschen hat. Ein komplett falsches Bild, das aber Frauen abschreckt.

Wie glaubst du, dass man das ändern kann?
Helfen würde Präsenz von Role Models, in der Schule, den Medien. Sowie früher Kontakt zu technischen Themen und dabei vor allem die Erfahrungen „hey, ich kann das auch“, „wow, das habe ich gemacht“.

Es fehlen geeignete Vorbilder, egal ob im Familienkreis oder in den Medien/Filmen. – Irmgard Gmachl

Leila Maringer, Chemikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin

Liebe Leila, an einem durchschnittliche Arbeitstag, was machst du?
Das Schöne an meiner Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin ist, dass mein Aufgabenfeld sehr abwechslungsreich ist. Neben der Routinelaborarbeit zählt die Entwicklung neuer Analysenmethoden, deren Umsetzung und Präsentation zu meinen täglichen Herausforderungen.

Was hat dich dazu motiviert, einen technischen Beruf zu ergreifen?
Einer meiner Hauptbeweggründe einen technischen Beruf zu ergreifen waren sicherlich die attraktiven Jobaussichten. Gerade als Frau finde ich es jedoch auch recht spannend in einer eher unkommerziellen Branche zu arbeiten, in der man sich seine Rolle noch selbst aussuchen darf ohne dabei gesellschaftliche Erwartungen erfüllen zu müssen.

Warum glaubst du, entscheiden sich so wenige Mädchen und Frauen für einen technischen Beruf?
Es ist immer schwer gegen den Strom zu schwimmen. Mit der Wahl eines technischen Berufs hebt sich eine Frau zwar ganz klar vom Mainstream ab, steht jedoch auch unter verstärkter Beobachtung, was oftmals zu strengerer Kritik bei gleicher Leistung seitens männlicher Kollegen führt.

Wie glaubst du, dass man da ändern kann?
Meiner Meinung wäre es notwendig die positiven Aspekte einer ausgewogenen Männer-Frauen-Branche stärker öffentlich zu kommunizieren. Erfolgreiche Frauen als Werbeträgerinnen können helfen die Scheu vom Unbekannten zu nehmen. Fixe Frauenquoten und verpflichtende Genderkurse halte ich dagegen eher für kontraproduktiv, da sie meist eine männliche Abwehrhaltung provozieren.

Mit der Wahl eines technischen Berufs steht eine Frau auch unter verstärkter Beobachtung, was oftmals zu strengerer Kritik bei gleicher Leistung seitens männlicher Kollegen führt. – Leila Maringer

Steffi Huber, Tischlerin und Bildhauerin

Liebe Steffi, an einem durchschnittliche Arbeitstag, was machst du?
An einem durchschnittlichen Arbeitstag starte ich mit der Tagesplanung. Dabei werden die Arbeitsschritte für den jeweiligen Tag geplant und nacheinander abgearbeitet. Zum Beispiel wird an einem Tag wird das Objekt modelliert und für den Guss vorbereitet, ist am nächsten Tag die Form auszugießen und das Holz, Stein oder beliebig andere Materialien vorzubereiten, etc.

Was hat dich dazu motiviert, einen technischen Beruf zu ergreifen?
Mich hat die Leidenschaft für die Materialien und das Gefühl etwas zu erschaffen dazu bewegt, den Beruf der Tischlerin und Bildhauerin zu ergreifen und diese Leidenschaft möchte ich mein ganzes Leben lang mit mir tragen.

Warum glaubst du, entscheiden sich so wenige Mädchen und Frauen für einen technischen Beruf?
Es entscheiden sich eigentlich immer mehr Frauen für technische Berufe. Die Frage, wieso sich viele Frauen gegen technische Berufe entscheiden, kann ich in der Form nicht beantworten, da ich mich mit technischen Berufen einfach so verbunden fühle, dass ich mich nicht in diese Situation hinein versetzen kann.

Wie glaubst du, dass man da ändern kann?
Man könnte Frauen technischen Berufe vielleicht schmackhaft machen, indem man ihnen zeigt, dass diese nicht nur „harte“ körperliche Arbeit sind. Ich stoße sehr oft auf Interesse und Überraschung, wenn ich jemandem von meiner Arbeit bzw. Leidenschaft erzähle, weil sich viele nicht vorstellen können, dass auch Frauen solche Berufe erlernen und davon leben.

Man könnte Frauen technischen Berufe schmackhaft machen, indem man ihnen zeigt, dass diese nicht nur „harte“ körperliche Arbeit sind. – Steffi Huber

Lisa Emhofer, Doktorandin der Chemie, Johannes Kepler-Universität

Liebe Lisa, an einem durchschnittliche Arbeitstag, was machst du?
Um ehrlich zu sein, ist es gar nicht einfach, einen durchschnittlichen Arbeitstag zu beschreiben, da die Arbeit an der Uni sehr vielfältig ist. In etwa die Hälfte der Zeit verbringe ich im Labor, wo ich Proben vorbereite und meine Analysen mache. Die restliche Zeit bin ich im Büro, um meine Ergebnisse auszuwerten und aufzubereiten. Daneben betreue ich zeitweise die Studierenden in unseren Praktika.

Was hat dich dazu motiviert, einen technischen Beruf zu ergreifen?
Den Anstoß hat mir sicherlich meine Chemielehrerin gegeben, Chemie war und ist für mich vor allem wegen der Kombination aus Theorie aber eben auch Praxis im Labor so reizvoll.

Warum glaubst du, entscheiden sich so wenige Mädchen und Frauen für einen technischen Beruf?
Meiner Meinung nach trauen sich viele Mädchen zu wenig zu und unterschätzen sich und ihre Fähigkeiten.

Wie glaubst du, dass man da ändern kann?
Ein Großteil der Mädchen erlangt die Matura vermutlich an einer AHS – so wie ich. Ich hatte oft das Gefühl, dass einem als AHS-AbsolventIn generell meist kein technisches Studium zugetraut wird. Vielleicht sollte man also dort ansetzen und zeigen, dass ehemalige AHS-Schüler sehr wohl erfolgreich in einem technischen Beruf sein können.

Viele Mädchen trauen zu wenig zu und unterschätzen sich und ihre Fähigkeiten. – Lisa Emhofer

Dóra Horváth, Bautechnikerin

Liebe Dóra, an einem durchschnittliche Arbeitstag, was machst du?
Ich plane die Haustechnik bei Großprojekten und arbeite dabei in in kleineren Projektgruppen. Die Planung wird dabei in 3D am Computer gezeichnet bzw. modelliert.

Was hat dich dazu motiviert, einen technischen Beruf zu ergreifen?
Ich hatte immer ein Gespür für Mathematik und Zahlen und regenerative Energietechnologien haben mich schon immer interessiert.

Warum glaubst du, entscheiden sich so wenige Mädchen und Frauen für einen technischen Beruf?
Ich glaube, sie werden von schon im Elternhaus beeinflusst und mit falschen Einstellungen erzogen. Frauen werden in unserer Gesellschaft immer noch bestimmte Berufe zugeordnet, für die sie „geeigneter“ erscheinen. Dass sich das aber immer stärker ändert und immer mehr Frauen technische Berufe ergreifen, das erlebe ich auch in meinem Arbeitsalltag.

Wie glaubst du, dass man da ändern kann?
Schon in der Schule sollten Lehrer darauf achten, dass sie Mädchen dazu ermutigen, sich für naturwissenschaftliche Gegenstände zu interessieren. Die Eltern spielen bestimmt auch eine große Rolle, wenn sie ihrer Tochter etwa mehr zutrauen als bisher. Weiters könnten die Universitäten mittel Kampagnen gegensteuern, da sich viele Frauen vom Männerüberhang in vielen Studiengängen eingeschüchtert fühlen.

Frauen werden in unserer Gesellschaft immer noch bestimmte Berufe zugeordnet, für die sie „geeigneter“ erscheinen. Dass sich das aber immer stärker ändert und immer mehr Frauen technische Berufe ergreifen, das erlebe ich auch in meinem Arbeitsalltag. – Dóra Horváth

Zum Girls‘ Day

Der Girls‘ Day findet am 27. April in ganz Österreich statt. In Unternehmen, Forschungseinrichtungen, an Studienzentren, Schulen und Universitäten können Mädchen und junge Frauen ab 10 Jahren Berufe abseits von Rollenklischees kennenlernen. Eine langjährige Teilnehmerin am Girls‘ Day ist dabei die Porsche Informatik, die Berufe in der Softwareentwicklung, Produkt- und Prozessberatung präsentiert.

*Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit Porsche Informatik

Titelbild: Pixabay, User Unsplash.
Fotos Porsche Informatik Girls‘ Day: Salić / Agentur für Marke, Design und Werbung GmbH
Portraitfotos: privat
Vielen Dank!


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  1. Total spannend, dieser Artikel!
    Ich bin ja auch durch und durch untechnisch mit meinem Romanistik- und Kunstgeschichtsstudium, habe aber in meinem letzten Job auch teils in der Werkstatt und administrativ gearbeitet und hatte viel Freude daran. Mittlerweile denke ich, dass ich auch mit einem technischen Beruf gut gefahren wäre – vor zehn Jahren hab ichs mir aber einfach nicht zugetraut und vorstellen können. Meine Eltern hätten mich zwar dahingehend unterstützt, aber die Motivation muss ja auch aus einem selbst kommen.
    Liebe Grüße aus Berlin!

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