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Diese 7 Salzburger Orte wird das 7hoch2-Festival in den nächsten Tagen verändern

Im Jänner habe ich an dieser Stelle das 7hoch2 Festival für zivile Auftragskunst vorgestellt. Dieses hat es sich zur ehrenwerten Aufgabe gemacht, ungenutzte, unästhetische, uninteressante und unansprechende Orte in Salzburg zu identifizieren und künstlerisch zu erforschen und dazu hat es genau jene Damen und Herren um Input gefragt, die die Ecken und Winkel Salzburgs besonders gut kennen – die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt nämlich. Die waren angehalten, Orte im Stadtgebiet vorzuschlagen, an denen sie sich Veränderungen wünschen und an denen künstlerische Interventionen stattfinden sollten.

Was aus diesen Vorschlägen geworden ist? Genau das darf ich hiermit erklären.

Aus den im Jänner getätigten Einreichungen aus der Bevölkerung wurden nämlich inzwischen sieben Orte ausgewählt und sieben Künstler*innen überantwortet. Und: Im Rahmen der 7hoch2 Aktionstage am 29. und 30. April werden an diesen Orten künstlerische Interventionen stattfinden – von Sticken im am Liegestuhl über HipHop-Battles bis hin zum lyrischen Stadtspaziergang. Und: An all diesen Aktionen kannst du, der du diese Zeilen liest, auch höchstpersönlich teilnehmen. Worum es genau geht und welche Orte eine temporäre Metamorphose unterlaufen werden? Bittesehr.

1. Brunnenmetamorphose: Co-Creation im Bruderhof
Künstler: Stefan Heizinger

Wer auch immer den, naja, ausbaufähig sinnvollen Brunnen im Bruderhof unweit der Linzergasse als Ort für 7hoch2 eingereicht hat, tat dies in der „Hoffnung auf eine ästhetische Intervention“. An diese macht sich Künstler Stefan Heizinger in Zusammenarbeit mit werkfreudigen BürgerInnen. Mitgebrachte Objekte und Low Budget-Materialien bringen dem Brunnen dabei temporäre Verwandlung.

Aktivitäten: Workshops, Sammeln und Recycling als künstlerische Methode, plastische und skulpturale Gestaltung

2. Exploring HKW: Visit Salzburg’s Hottest Attraction
Künstlerin: Cornelia Böhnisch

Die Frage, ob das HKW Mitte, der beinahe mit einer Architekturauszeichnung geschmückte Betonbau nahe der Lehener Brücke, eigentlich eine städtische Sehenswürdigkeit ist, stellt sich Cornelia Böhnisch mit ihrem Projektteam. Der eingereichte Wunsch nach einer „Gestaltung des Vorplatzes“ wird mit der Hervorstreichung des HKW als unterschätzte architektonische Besonderheit im Schatten der Altstadt verbunden. Bürger*innen, Tourist*innen und Passant*innen sind eingeladen, sich vor dieser Sehenswürdigkeit inszenieren zu lassen oder selbst inszenatorisch tätig zu werden.

Aktivitäten: Workshops zu fotografischen Grundtechniken sowie künstlerischen Strategien der Inszenierung

3. Platz nehmen. Der Hanuschplatz lädt ein.
Künstlerin: Romana Hagyo

Der Hanuschplatz, so die Einreicher*innen, mache einen schlechten Eindruck auf Tourist*innen. Künstlerin Romana Hagyo findet, er bietet die verborgene Qualität, sich ohne Konsumzwang an einem zentralen Ort aufzuhalten. Das Mittel zur Wahl: Liegestühle. Diese werden in textilen Workshops mit textuellen Assoziationen bestickt. Mitmachen darf jeder.

Aktivitäten: Workshop experimentelles Sticken (Texte/Motive nach Wahl), Assoziationsworkshop, Gestaltung der Liegestühle

4. Spuren der Welt: Die Mönchsberggarage im Geflecht der Sichtbarkeiten.
Künstlerin: Elisabeth Schmirl

Als wenig einladend wurde auch der Durchgang zur Mönchsberggarage in seiner Einreichung bezeichnet. Diese Abweisung verwandelt Künstlerin Elisabeth Schmirl in eine Einladung, sich in ein Geflecht von Sichtbarkeit zu bewegen. Das Hinterlassen von individuellen Botschaften sowie das Materialisieren von Spuren und Wegziehungen macht die Passage zu einem Ort der Sichtbarkeit. So entsteht ganz spielerisch ein poetisches Geflecht aus Zufälligkeiten.

Aktivitäten: Workshops visuelle und textuelle Gestaltung (v.a. mit Kreide), assoziative Arbeit mit Schlagworten

5. Die (Traum-)Galerie. Der Nicht-Ort Flughafenunterführung als Wahrnehmungsexperiment.
Künstlerin: Julia Schwarzbach

Von der Flughafenunterführung zur längsten Galerie Salzburgs? Choreografin Julia Schwarzbach und Team wagen den Versuch, die Unterführung weniger als Ausstellungsfläche zu inszenieren, sondern eher als eigenständiges Exponat einer selbstgeschaffenen (Traum)-Galerie. Das „Niemandsland“ wird wahrnehmerisch aktiviert und performativ verarbeitet.

Aktivitäten: performative Workshops, Wahrnehmungsübungen, fotografische Einführung

6. The Beauty of HIPHOP: Die Goethestrasse im Battlefieber.
Künstler: ChrisCross

Auch der Itzlinger Goethesiedlung wurde ein gewisses Veränderungs- und Verschönerungspotenzial attestiert, ausschöpfen wird es Breakdancer Christopher Woschitz alias ChrisCross. Die eher triste Wohnanlage wird zu einem lebendigen Forum für Ausdruck, Musik, Tanz und Lebensfreude verwandelt, ein spezieller PVC-Boden dient dabei als sprichwörtliche Grundlage für Funk, Soul, Blues, Breakbeats & HipHop sowie einen Outdoor-HipHop-Jam. Höhepunkt der Projekttage ist ein Battle am Samstag, bei dem es auch Preise zu gewinnen gibt.

Aktivitäten: Egal ob jung oderalt, jede*r ist willkommen mitzumachen oder einfach die Atmosphäre zu genießen. ChrisCross wird neben der Jam die Teilnehmer*innen auch noch auf den großen Battle am Samstag vorbereiten, bei dem es sogar Preise zu gewinnen gibt.

7. Grenzpoesie. Stationen des Übergangs nach Freilassing.
Künstlerin: Dorit Ehlers

Ereignisse der letzten Jahre haben den Grenzübergang nach Freilassing zu einem geschichtsträchtigen Ort gemacht, der, so Einreichen Veronika „Stoff für vielerlei Diskurse bietet“. Dorit Ehlers trägt diesem sprachlich Rechnung. Diskurse werden poetisch und assoziativ eingefangen und in theatrale Momente verarbeitet. Ausgehend vom Neutor werden an Stationen des Übergang, des Überschreitens und der Brückenbildung Äußerungen zu Stegreifpoesie zusammengefasst und im Rahmen einer Stadtwanderung am Samstag nach Freilassing „entlassen“.

Aktivitäten: textuelle Assoziationsketten, Stegreifpoesie, Improvisation

Erarbeitung der künstlerischen Projekte durch Künstler*Innen und Bürger*innenteams findet von Di, 25. bis Fr. 28 April 2017 statt. Wer in dieser Zeit kurz- oder längerfristig in einem der Teams mitarbeiten möchte, meldet sich unter festival@7hoch2.net.

Alle anderen, die lieber Zaungäste spielen möchten, besuchen am besten die Aktionstage am 29. und 30. April.

Das Programmschema der Aktionstage von 7hoch2 am 29. und 30. April kann hier eingesehen werden.

Und übrigens: Ach du gute Güte! ist assoziierte Partnerin des Festivals und darauf sehr stolz.

(c) Aller Fotos ausgenommen Titelbild liegen bei 7hoch2


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  1. uta

    24 April

    ich finds ja interessant, dass es bei einem „ich verschenke ein buch“- artikel gleich mal 15 kommentare gibt und direkt daneben, bei dieser (auch) großartigen geschichte, gar keinen… 😀
    ich bin leider dieser tage nicht zu hause um das ganze live mitzuverfolgen – darf ich auf einen bericht, wies dann gewesen sein wird, von dir hoffen? 🙂

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