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Analog ist Besser: Supersense und das Forward Festival Wien #illyartdiscovery*

„Studier nix mit Kunst“, haben sie gesagt.“Damit kannst bestimmt nix anfangen“, haben sie gesagt. Aber, weil die Güte ja selten das macht, was gerade vernünftig wäre, hat sie sich dann trotzdem fünfeinhalb Jahre an die Uni gesetzt und sich der holden Kunst gewidmet. Sechs Jahre später macht sie zwar echt nur peripher Dinge, die „was mit Kultur“ zu tun haben, wenn sie es aber tut, dann besonders gerne. Drum freue ich mich heute ganz besonders, den Start einer neuen Reihe hier am Blog zu verkünden – und noch dazu einen, der nicht nur in die Sparte Kultur fällt, sondern sogar in die Kategorie „In freundlicher Zusammenarbeit mit“.

In den kommenden Monaten darf ich nämlich in Partnerschaft mit Illy und der #illyartdiscovery quer durch Österreich streifen und kulturell Kaffee trinken – mit Künstler*innen, Kurator*innen und Kulturschaffenden, in Museen und Galerien, bei Festivals und Interventionen. Mit der #illyartdiscovery werfe ich einen Blick hinter die Kulissen der österreichischen Kunstlandschaft und gebe Sneak Previews für Ausstellungen und Festivals. Was eine Kaffeemarke mit Kunst zu tun hat? Illy engagiert sich seit vielen Jahren im Kunstbereich und ist sehr eng mit der internationalen Kunstwelt verbunden – unterstützt werden dabei etwa internationale Kunstereignisse wie der Biennale in Venedig. Und die Verbindung zwischen Kunst und Kaffee hat auch einen sinnlichen Zusammenhang – schließlich lässt sich ein exzellenter Espresso ebenso intensiv genießen, wie die Kontemplation von Kunst, beides ist eine Bereicherung von Körper und Geist. Die #illyartdiscovery ist dabei kein zeitlich oder räumlich abgeschlossenes Projekt: Es soll sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln und regelmäßig einen Blick hinter die Kulissen einiger exemplarischer Beispiele aus der Kunstlandschaft bieten.

Mit der ersten Ausgabe der #illyartdiscovery verschlägt es mich dabei nach Wien und zu etwas, das man sich in Salzburg nur herbeiwünschen kann: zum Forward Festival für Kreativität, Design & Kommunikation, das Vordenker aus der Kreativbranche ins Museum für angewandte Kunst lädt. Ich durfte mir von den Gründern erzählen lassen, warum es ein Format wie das Forward Festival braucht und bekam von Polaroid-Conoisseur Florian Kaps, der mit den Festival-Initiatoren unter einer Decke steckt, erklärt, warum Analog eigentlich manchmal doch besser ist, als Digital.

Die unmögliche Geschichte: Auf der Jagd nach analogen Technologien mit Florian Kaps

Florian Kaps ist, so quasi, der Messias des Polaroids. Mit seinem „The Impossible Project“ nahm er sich 2008 – also bevor die ad absurdum-Führung der Polaroid-Ästhetik per Digitalisierung durch Medien wie Instagram seine Breitenwirksamkeit entfaltet hatte – vor, Technologie, Materialien und Bildproduktion per Sofortbildkamera vor dem endgültigen Verschwinden zu bewahren. Mit zwei Partnern erwarb er die letzte noch funktionale Filmfabrik Polaroids, die seit 2010 neue Filme für alte Polaroid-Kameras produziert. Sein Folgeprojekt steht in Wien und holt zum analogen Rundumschlag aus.

Supersense vernetzt Vertreter der Analog-Kultur, sammelt ihre Artefakte, forscht, vertreibt und versteht sich als Botschafter des Analogen in einer digitalisierten Welt. Der Space in der Wiener Praterstraße ist Concept Store, Café und Manufaktur in einem und die logische Weiterführung dessen, was für Florian Kaps mit Polaroids begonnen hat. Dort kauft man Letterpress-Grafiken, füllt die eigenen Vorräte an Polaroid-Filmen auf, trinkt Kaffee, verkostet handgemachte Delikatessen und erwirbt Vinylplatten. Alles schön von Hand begreifbar, alles frei von Digitalem. Die Beschäftigung mit Dingen ist in Florian Kaps’ Supersense dabei nie oberflächlich, alle Objekte wurden bewusst ausgewählt, von raren Gitarren über alte Druckmaschinen bis zu diverser Fotoausrüstung.

„Die Wiederentdeckung von Dingen und Bereichen braucht Aufmerksamkeit. Das gilt auch für das Analoge – ich denke, vielleicht wird man irgendwann erkennen, dass das Digitale ein Trend ist und nicht umgekehrt. Das Analoge wird nicht verdrängt, es sucht sich nur einen neuen Platz.“ – Florian Kaps

Am Forward Festival erzählt der eigentliche „Spinnenaugenmuskelexperte“ von seinem Weg über unzählige studienbegleitende Tetris-Schlachten bis hin zum Polaroidfabriksbesitzer und Inhaber seines Palazzo voll analoger und kulinarischer Spezereien im Herzen Wiens.

Schwimmlehrer gegen den Strom: Othmar Handl und Lukas Kauer

Generationsübergreifende Gleichgesinnte sind Othmar Handl und Lukas Kauer. Die beiden Gründer und Vorausdenker des Forward Festivals treiben das Festival für Kreativität, Design & Kommunikation bereits im 4. Jahr als Kernteam voran. Das Zwei-Tages-Festival, das mit dem Wiener MAK sein mehr als passendes Zuhause gefunden hat, versteht sich dabei als Dreh- und Angelpunkt, durch den sich Kreativität und spannende Projekte, Know-How und der Mut, Neues zu tun, weiterverbreiten sollen.

„Wir sehen das Forward Festival als Plattform für alle, die sich für mehr als das interessieren, was im Jetzt ist – für das Weiter, das Voraus, die Zukunft. Wir wollten ein Festival kreieren, das von jenen bevölkert wird, die ganz vorne mit dabei sind wenn es darum geht, Neues zu schaffen und fruchtbare Kanäle für Kreativität zu finden.“ – Othmar Handl und Lukas Kauer

Unter dem Subtitel „The Birth of an Idea“ versammeln sich unter den Speakern dabei große Namen und kleinere Neuentdeckungen gleichberechtigt nebeneinander, ihre Gemeinsamkeit: Der Wille, in ihrer Arbeit gegen den Strom zu schwimmen.

Florian Kaps lernten Othmar Handl und Lukas Kauer im Rahmen eines Projekts kennen, in dem Florian mittels einer alten Karaokemaschine einen Hauch Analoges in die digital dominierte Welt eines Unternehmens brachte. „Als wir uns zum ersten Mal getroffen haben, bist Du hier auf meiner Couch kollabiert“, lacht Florian über die erste Begegnung mit Othmar. Florian meint zu seinem heurigen Vortrag am Forward Festival noch „Ich komme einfach wieder mit Karaokemaschine.“ Ob er das ernst meint, werden wir noch feststellen.

Forward Festival

21. – 22. April 2017, Museum für Angewandte Kunst Wien

Tickets via http://forward-festival.com/tickets/

Das Forward Festival ist übrigens nicht auf Wien beschränkt – auch in Zürich, München und seit heuer auch in Vorarlberg (Spin Off im designforum Vorarlberg mit Talk von Florian Kaps, Peach und Design made in Austria) ist das Festival vertreten. Zudem gibt es Live Streams aus Wien (21.4.2017, 13:30 – 24:00).

15. – 16. Juni: München (Alte Kongresshalle)
7. – 18. Juni: Zürich (Freitag F-actory)

*Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit Illy.

Fotos: Nora Dejaco


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  1. Einfach cool. Eine Serie, die perfekt zu dir passt, Caro. Liebe Grüße Claudia

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