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6 Dinge, die du in Budapest tun kannst. Und ein ge...

6 Dinge, die du in Budapest tun kannst. Und ein gewisses Vorwort dazu.

Ok, ich muss vorausschicken: Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich diesen Artikel hier überhaupt schreiben soll. Er schlummert seit – ungelogen – fast einem Jahr in meinen Entwürfen und wurde dort immer mit einem etwas mulmigen Gefühl beäugt. Weil: Ungarn steht aktuell nicht unbedingt ganz oben auf der Hitliste der politisch korrekten Reiseziele. Und es ist irgendwie eine kleine Gewissensfrage, ob man über Länder, die gerade in eine nicht gerade erstrebenswerte politische Richtung wandern, freizeitorientierte Empfehlungen loswerden sollte, ohne diesen Aspekt zumindest anzusprechen. Reist man in Länder, obwohl man deren politische Entwicklung mit ungutem Gefühl im Bauch verfolgt, oder bleibt man bewusst daheim? Und: Was ist, wenn man Freunde in ebenjenen Ländern hat, die gefühlsmäßig ebenso wenig zu dieser politischen Stimmung passen, wie das Lebensgefühl der Stadt, um die es in diesem Artikel gehen soll? Nebenbei bemerkt: Ich habe mich parallel zum Schreiben dieses Beitrags einmal quer durch die Reisebloggerszene gegoogelt und habe dort zwar viele schöne und gut recherchierte Artikel über Budapest gefunden, darunter aber keinen einzigen, der die oben erwähnte politische Komponente auch nur erwähnt hätte. Bin ich hier schon wieder päpstlicher als der Papst, mit den Gedanken, die ich mir mache?

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Das alles vorweg genommen ist Budapest nämlich eine in vielerlei Hinsicht sehr sehens- und erlebenswerte Stadt und das ist nur einer der Gründe, warum es für mich im Mai zum wiederholten Male in die ungarische Hauptstadt geht. Hippe Gastronomie, eine junge Szene, morbide neben malerischen Ecken – und eine massiv große Menge an Exit the Room-Anbietern (mehr dazu gleich) machen die Stadt als Reiseziel nämlich ziemlich attraktiv. Und deswegen halte ich hiermit trotz allen Vorbehalten meine Lieblingstipps für Budapest fest. Auch, wenn das mulmige Gefühl dabei trotzdem ein wenig vorhanden bleibt.

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1. Exit the Room spielen

Der Grund, warum es mich in ein paar Wochen gleich mit einer ganzen Runde an Freunden nach Budapest verschlägt, ist die dort anzutreffenden unglaubliche Dichte an Exit the Room-Anbietern. Du hast gerade keine Ahnung, wovon ich rede? Exit Rooms sind Fluchtspiele, bei denen man für 60 Minuten in einem Raum voller Rätsel gesperrt wird, die man zu lösen hat, bevor man den Ausweg findet. Wie ein Point-and-Click-Adventure, nur in echt. Die Themenvielfalt dieser Fluchtspiel-Räume hat es dabei in sich und reicht von der psychiatrischen Anstalt über das Pharaonengrab, die Ritterburg, das Detektivbüro bis hin zum Armageddon-Raumschiff, inklusive teils wirklich aufwändiger Ausstattung samt Spezialeffekten mit Rauch, Sound, Licht- Lasern und anderem Chichi. Exit Rooms findet man mittlerweile zwar eh in ganz Europa (und so auch in Salzburg), ihren Ausgang nahm deren Siegeszug jedoch – so hab ich es mir sagen lassen – in Budapest. Und: Günstiger als anderswo sind sie hier auch noch.

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2. In Ruinenpubs Bier trinken

Eine weitere Budapester Eigenheit sind Ruinenpubs. Die Stadt ist bekanntermaßen rammelvoll mit alten, teils verfallenen Jahrundertwendehäusern, wie man sie auch aus Wien kennt. Manche von ihnen wurden mittlerweile entkernt und samt und sonders in Pubs umgewandelt. Die sehen dann oft so aus, dass im Innenhof der ehemaligen Wohnhäuser die Hauptbar untergebracht ist und die früheren, mittlerweile entkernten Wohnung als Gasträume fungieren. Die Deko der damit gigantisch großen Pubhäuser schwankt dabei zwischen stylish und komplett abgedreht, das Bier ist billig und die Stimmung ziemlich unvergleichlich. Sollte man also mal gesehen haben! Das berühmteste Ruinenpub ist übrigens das Szimpla Kert im 7. Bezirk, das nicht nur Getränke serviert, sondern auch Livemusik, Performances, Kunst und sogar einen sonntäglichen Bauernmarkt.

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3. In der Markthalle Langos essen

Wenn man bei uns am Kirtag Langos isst, kriegt man von den betreffenden Standlern oft eine dünne, fetttriefende Teigscheibe ohne großen kulinarischen Mehrwert in die Hand gedrückt. Bestellt man selbiges in Budapest, endet man mit etwas, das mehr an einen Bauernkrapfen erinnert, als an das Kirtags-Junkfood. Echte Langos isst man mit diversen süßen oder sauern Toppings und kriegt man an diversen Orten in der Stadt – ziemlich zielsicher besorgen kann man sie sich aber in der Budapester Markthalle.

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4. Den Foodmarket besuchen

Foodmarkets mit diversen Standlern, köstlichen Dingen jedweder Couleur und der Möglichkeit, sich mehrfach um die Welt zu kosten, sprießen mittlerweile sogar schon in Austro-Provinzstädten in regelmäßigen Abständen aus dem Boden. In Budapest gibt es eine derartige Einrichtung als städtischen Fixpunkt. Im Street Food Karavàn im 7. Bezirk kostet man sich bequem durch diverse National- und Spezialitätenküchen und das zu vergleichsweise wohlfeilen Preisen. Vom Burger-Truck über die Thai-Garküche und Mangalitza-Hotdogs bis hin zum jüdischen fast Food kriegt man dabei allerlei auf den Teller.

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5. Koscher essen gehen

Apropos essen gehen: Was man in Budapest auch vielerorts kriegt, ist modern inspirierte jüdische und koschere Küche. Epizentren dessen sind wohl das zeitgeistige und schicke Mazel Tov (wie praktisch alles ebenfalls im 7. Bezirk) mit seinem überdachten Innenhof und dem Designer-Interieur und die omnipräsente und mittlerweile zu Kette mutierte Hummus-Bar mit Nahost-Sandwiches. Dort verspeist man Shawarma, Shakshuka, Falafel, Matbucha, gegrillte Hühnerinnereien (auf die gewisse Personen in meinem Umfeld schwören) oder Labane und nimmt sich vor, zu versuchen, all das auch mal daheim nachzukochen.

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6. Die Goszdu-Höfe erkunden

Wer die Hackeschen Höfe in Berlin mag, wird die Budapester Goszdu-Höfe lieben. Die aneinandergereihten, historischen Höfe bergen kleine Kunsthandwerksläden, Marktstände, Bars, Pubs, Restaurants und eine Menge an hippen und weniger hippen Dingen und Menschen und verleiten dazu, gleich mehrere Stunden beim Bummeln und Gustieren zu verbringen.

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Zusammenfassend? Trotz etwas schlechtem Gewissen freue ich mich auf unseren nächsten Budapest-Trip. Ich freue mich auf die Gastronomie, das Flair der Stadt, das Lebensmittel-Shopping – und auf die Exit Rooms. Und ich bin gespannt, wie viele wir in einem Wochenende schaffen.


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  1. Danke für die tollen Tipps! Wir lieben Budapest und waren letztes Jahr sogar zwei Mal dort. Und wie ich sehe, haben wir anscheinend dringend noch ein paar wichtige Punkte abzuhaken. Was deine Bedenken betrifft: Politik und Religion soll jeder mit sich selbst ausmachen.
    LG Petra

  2. Jetzt habe ich totale Lust auf Budapest bekommen. Ungarn kenne ich persönlich nur von der Gegend um Sopron und von einem Teil des Plattensees. Jetzt werde ich wohl mal Budapest auf die Urlaubs-Platz-nehmen-Hitliste geben. Ich finde es gut, dass du Thema Reisen in politische nicht korrekte Länder ansprichst, weil wir hier als Reisende genauso viel oder wenig Macht haben wie als Konsument. Es ist ein Aspekt. Ich kenne das Thema von beruflichen Iran-Reisen mit oder ohne Kopftuch. Jedoch entscheiden muss es wohl jede/r für sich. Danke fürs Aufzeigen. Lg Platz-nehmerin

  3. Danke für den Artikel. Der kommt wie gelegen. Für mich/uns geht’s demnächst auch nach Budapest.
    Die Bedanken hatte und habe ich auch. Andererseits. Naja, lange und persönliche Sache. So wie sich die Welt gerade benimmt, dürfte man sich kaum noch wohin bewegen …
    Ich hoffe, Budapest wird mir gefallen. Ich war noch nie.
    LG Leni

  4. Ach, ich krieg grad wieder Budapest-Fernweh! Ich war ja letzten Sommer für drei Tage dort und das war viel zu kurz. Dank Regen und unpassender Kleidung haben wir zu viel Zeit in unserem Airbnb verbracht und meine To-Visit-Liste ist noch ziemlich lang. Dank deinem Beitrag nun noch länger.

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