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Unverpackt einkaufen in Salzburg – und Plast...

Unverpackt einkaufen in Salzburg – und Plastikfasten. Ganz generell.

Jeder, der nicht unbedingt unter einem Stein lebt und sich halbwegs kritisch mit seinem Konsumverhalten auseinandersetzt, weiß, dass Plastik für die Umwelt, nun ja, nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist. Und mit „nicht unbedingt das Gelbe vom Ei“ meine ich: Plastik kann eine ziemliche Katastrophe für die Umwelt sein. Jeder kennt die Bilder von gestrandeten Meeresbewohnern, mit Petflaschen im Bauch, mit Obstnetzen zwischen den toten Flossen. Von Inseln aus Plastiksackerln so groß wie Brasilien, die im Ozean treiben, von schier unlösbaren Müllproblemen in Megacities, die Geschichten von Mikroplastik, das durch Kläranlagen rutscht und von Plastikbestandteilen, die sich über Nahrung, Kosmetik und Alltagsgegenstände in den menschlichen Körper schleichen. Und wer all das nicht weiß, nicht kennt, der könnte sich die allseits bekannte Doku „Plastic Planet“ anschauen und sich daran den schieren Grausen holen.

Wer sich den schon anderweitig geholt hat, für den hätte ich hier einen Vorschlag und anschließend ein paar Tipps auf Lager. Konkret: Wie wäre es, wenn wir dieses Jahr zur Abwechslung mal nicht unbedingt Schokolade, Fleisch, Alkohol, Koffein, Zigaretten oder Instagram fasten, sondern Plastik?

Klar, die Idee zum Plastikfasten ist natürlich nicht von mir – die habe ich mir etwa bei Global 2000 und vielen anderen Damen und Herren da draußen im Internet ausgeborgt. Weitererzählen will ich sie aber trotzdem, schließlich fällt eine Stimme mehr vielleicht doch noch ins Gewicht. Und: Umgesetzt ist die Idee von der Plastikreduktion im Alltag eigentlich ganz einfach. Wenn man nur ein wenig vorausplant, sich die eigene Faulheit vor Augen führt und sich, Herrschaft, auch einmal ein bisserl zusammenreisst, ist es auch für Durchschnittsbürger ohne die klischeehaften Jesusschlapfen wirklich gar kein Problem, weniger Plastikmüll zu produzieren. Wie das konkret aussehen kann, dafür habe ich nun ein paar Tipps und Hinweise.

Weniger Plastik in der Küche

Hände hoch: Wer hat ein ganzes Kastl voller Tupperdosen und nimmer dazulassenden Tupperdosendeckeln? Wer schmeisst jede Woche zig Obstsackerl weg? Wer ist der dunkle Fürst des Petflaschenjungels? Wie man es schafft, mit weniger Plastik durch den Küchenalltag zu kommen? Ich hab mir ein bisserl was überlegt.

Plastikdosen gegen Glas- und Emaillegefäße ersetzen

Plastikdosen sind saupraktisch, eh klar. Aber: Es gibt mittlerweile auch schon für klitzekleines Geld Alternativen aus Glas und Emaille. Beim Möbelschweden bekommt man etwa Gefäße aus ofenfestem Glas mit dicht schließendem Deckel (der ist zwar aus Plastik, aber irgendwo muss man wohl anfangen) um wenige Euro, unser aller Lieblings-Emaillehersteller Riess hat dicht schließende Emailledosen für Lunchzwecke im Sortiment und wenn alle Stricke reißen, dann tun es auch große Marmelade- oder Rex-Gläser. Und die kosten echt fast gar nix. Sollen Dosen ohne Deckel also ersetzt werden, könnte man auch zu plastikfreien Alternativen greifen.

Biokiste statt Obstsackerl

Ich beziehe seit rund fünf Jahren meine wöchentliche Biokiste und möchte sie keinen Tag missen. Ein Mal wöchentlich stellt mir ein freundlicher Lieferant (m/w) eine Kiste voll frischem Biogemüse vor die Haustür und nimmt die aus der Vorwoche wieder mit. Und ich sage es voll Stolz: Seit ich die Biokiste hab, beläuft sich die Anzahl von diesen flimsigen Plastik-Obstsackerln, die man eh nie aufkriegt, in meinem Haushalt gegen null. Biokistenanbieter, die nach Salzburg liefern, gibt es diverse – ich hab seit Jahren die vom Biohof Achleitner und bin immer noch sehr zufriedene Kundin.

Mehrwegflaschen statt PET-Flaschen

Klar, Glasflaschen schleppen macht keinen Spaß. Die meisten Workouts aber auch nicht. Und wer eine Kiste Apfelsaft in der Glasflasche heimzerrt (die es, mit Verlaub, in jedem noch so kleinen Spar aus regionaler Erzeugung gibt, also keine Ausreden), der tut was für Bauch-Beine-Po und spart sich überdies die PET-Flaschen-Entsorgung. Win-win.

Weniger Plastik im Badezimmer

Eine Sache im Internet, die mir immer das kalte Grausen bereitet, sind „Aufgebraucht“-Beiträge von Beauty-Influencern. Da wird mit zig leeren Shampooflaschen und Makeuptiegeln um sich geworfen und ich frage mich immer wieder, wie es ein normaler Mensch schaffen kann, innerhalb kürzester Zeit so viel Kosmetik zu verbrauchen. Abgesehen davon gibt es auch im Bad mittlerweile viele schöne Alternativen, sich plastikfrei gepflegt zu halten.

Unverpackte Kosmetik

Die Königin der unverpackten Kosmetik ist ohne Zweifel Lush (leider kein Gschäft in Salzburg, dafür auch sehr fein online). Stöbert man durchs Sortiment, findet man neben lustigen Seifen und festen Badezusätzen auch feste Shampoos, die aussehen wie große, bunte Pastillen (siehe unten), feste Gesichtspflegeprodukte, Conditioner, Deo, Bodylotion sowie Zahnpasta und Mundspülung in Tablettenform – alles komplett unverpackt. Ich hab so ziemlich jedes der aufgezählten Produkte bereits ausprobiert und schwöre vor allem auf die festen Shampoos. Das Zeug der Götter – nicht nur aus Verpackungsgründen!

Aber auch abgesehen von Lush gibt es immer viele probate Mittel, die leeren Shampoo- und Duschgelflaschen im Bad zu reduzieren. Feste Seife ist etwa gar nicht oldschool, sondern mindestens genauso praktisch und dabei umweltfreundlich, es gibt sie nicht nur für die Hände, sondern auch für den Körper, die Haare, das Gesicht.

Plastikfrei verpackte Kosmetik

Klar, manche Kosmetik lässt sich kaum ohne Verpackung erwerben – doch auch hier gibt es Alternativen. Kleine Anbieter wie der Seifenkontor packen etwa Gesichtswasser und -seren in Glasspender oder Cremedeos und Lippenpflege in Blechdosen, bei Lush kann man die berühmten schwarzen Plastiktiegel im Geschäft retournieren und wird dafür sogar mit Produkten belohnt. Man muss sich nur ein wenig umschauen und schon ist der Plastikmüllberg viel kleiner!

Weniger Plastik beim Einkaufen (in Salzburg)

Kommen wir zum nächsten Punkt: Dem Lebensmittel- und allgemeinen Einkauf. Ein paar allgemeine Dinge, wie jener, dass das Mitführen von Stoffsackerln dem Erwerb eines Plastikmonstrums vor Ort vorzuziehen ist, sollte sich seit den wilden 80ern schon halbwegs herumgesprochen haben. Und: Dass man sich bei guter Planung eine Transportbox von daheim mitnehmen könnte, um die freundlichen Herrschaften hinter der Wurschttheke bitten zu können, den Gouda und die Salami ins mitgebrachte Doserl zu bugsieren (und auf die plastikbeschichtete Wurstfolie zu verzichten) ebenso. Aber: Es gibt noch mehr Möglichkeiten zum plastikfreien Einkauf! Stichwort: Unverpacktes. Und dafür hätte ich in Salzburg ein paar Adressen parat.

Frau von Grün

Die Frau von Grün verkauft im Andräviertel allerlei aus dem wohldosierbaren Spender – Reis, Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse, Tee, Haferflocken und mehr. Aktuell sind 26 unverpackte und nach Gramm abfüllbare Lebensmittel im Sortiment des sympathischen Ladens.

Frau von Grün
Paris Lodron-Straße 15
5020 Salzburg

ROSitaly BIOUnverpackt

Neuzugang unter den unverpackten Lebensmittelhändlern in der Stadt ist ROSitaly, wo man die feinsten Dinge aus dem Süden ohne unfeine Verpackungsbestandteile erwerben kann. Im flüssigen Fall „alla Spina“ (vom Fass), sonst auf die Hand oder ins mitgebrachte Gefäß. Für die Spezialisten umfasst das Sortiment auch Dinge wie Hundefutter oder Putzmittel – und ganz generell werden alle Produkte feinsäuberlich und mit Bedacht auf Mensch und Umwelt bei kleinen Produzenten ausgewählt.

ROSitaly BIOUnverpackt
Fürbergstraße 18-20
5020 Salzburg

Türkische Lebensmittelmärkte mit offenen Getreidesorten und Hülsenfrüchten

Weil die unverpackten Märkte gerade so hip sind, wird manchmal ein wenig vergessen, dass es Damen und Herren gibt, die seit jeher unverpackte Lebensmittel feilbieten. In vielen türkischen, arabischen, indischen und anderen nahöstlichen und teilweise asiatischen Lebensmittelgeschäften in Salzburg bekommt man trockene Ware wie Linsen oder Reis aus großen Säcken und unverpackt mit nach Hause.

So gesehen etwa bei:

PAK
Elisabethstraße 6a
5020 Salzburg

Lebensmittel-, Gemüsemärkte und Hofläden

Ok, das hier ist wirklich ein No-Brainer: Wer unverpacktes Obst und Gemüse, Backwaren, Käse und Co möchte, geht auf die Schranne, den Grünmarkt oder den Bauernmarkt am Kajetanerplatz und lässt sich Gekauftes in mitgebrachte Behältnisse füllen. Ebenso empfehlenswert sind Hofläden und Direktvermarkter, von denen es in der Stadt einige zu finden gibt.

Einen Überblick über Salzburger Märkte und Hofläden gibt es hier. 

Milchautomaten ab Hof

Wer gerne persönlich sieht, woher die Milch im Frühstückskaffee kommt, dem sind Milchautomaten ab Hof ans Herz zu legen. Im Salzburger Stadtgebiet finden sich zwar aus nachvollziehbaren Gründen nur eine Hand voll, die sind dafür strategisch besonders gut verteilt.

Milchautomat Erentrudishof Morzg
Milchautomat in Neubauers Stadtstall, Maxglan
Bekannt sind mir außerdem Milchautomaten in der Moosstraße und der Hellbrunner Allee

Zu diesem Artikel gab es folgende, wertvolle Leser-Ergänzungen:

  • Beim DENN’S Biomarkt in der Alpenstraße ist es möglich, unverpacktes Obst und Gemüse zu kaufen, bzw. verwendet man Sackerl aus Maisstärke.

 

Und zum Schluss noch ein besonderer Tipp: Wer sich generell über Zero Waste in Salzburg informieren und austauschen will, sollte unbedingt in der dazugehörigen, sehr engagierten Facebookgruppe vorbeischauen!


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  1. Ich versuche schon fast ein Jahr so viel wie möglich unverpackt zu kaufen und Plastik zu fasten- und finde deine Tipps super – so mache ich es größtenteils auch! Ich nutze meine alten Plastikdosen schon noch, bis sie nicht mehr nutzbar sind, denn alls wegzuschmeißen und neues zu kaufen, ist ja auch nicht so nachhaltig. Generell mag ich aber auch mit der Zeit gar nichts mehr essen, was mal in Plastik war, daher nutze ich sie auch immer weniger… Viele wissen auch nicht, dass man Lebensmittel super in Gläsern einfrieren kann – das Glas springt nicht – bei Flüssigkeiten muss man nur etwas Platz nach oben lassen, damit sie sich ausdehnen können. Dafür kaufe ich gar keine neuen Gläser – ich hebe einfach leere Marmeladen, Antipasti, Erdnussbuttergläser etc. auf und nehme sie dann zum einfrieren – oder lasse am Wochenmarkt direkt da rein wieder Oliven, getrocknete Tomaten und Co füllen. Ich kann wirklich jedem empfehlen, es mal auszuprobieren! Liebe Grüße *thea

  2. uta

    1 März

    ach caro, du sagst halt immer genau das richtige! <3

  3. Cool, wusste gar nicht, dass der Achleitner bis nach Salzburg liefert. Gut für die Salzburger 🙂 hat das Elternhaus in Linz quasi seit Beginn dieses Angebots; da war ich noch in der Schule – sind auch seit jeher sehr zufrieden.
    Ich bin zusätzlich zum Einkauf auch bei diversem Küchenzeugs (Tupperware etc…) seit ca. 2 Jahren dran, Plastik in meinem Haushalt Stück für Stück abzuschaffen (wobei von heut auf morgen sämtlich Tupperware wegwerfen, die eh schon da ist, ja auch keinen Sinn macht). Edelstahlstrohhalme und Gurkengläser ftw 🙂

    Man hat zwar viell. das Gefühl, dass das eh jetzt jeder macht/schreibt, aber in Wahrheit ist es immer noch ein „Bubble Thema“, daher danke für den wichtigen Beitrag :*

  4. […] März hatte Carolina vom Salzburger Blog Gute Güte einen Artikel über`s Plastikfasten geschrieben. Und da hab ich gedacht, ich häng mich da mal dran. Nicht so dogmatisch. Ich wollte […]

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