Ich konsumiere zu wenig.

Ich muss zugeben, ich tu mir oft recht schwer, mich als Lifestylebloggerin zu bezeichnen. Weil: Lifestyleblogging wird meistens mit dem Erwerb von schönen Dingen gleichgesetzt, mit Mode, Kosmetik, Duftkerzen für den Preis eines Kleinwagens und Dingen, die man sich leistet, weil man es sich wert ist – was ich im Grunde ein feines Konzept finde, im Sinne von: Life is short – eat the cake! Viele Artikel auf klassischen Lifestyleblogs sind daher sehr produktzentriert – genau das ist es ja, von dem die meisten Lifestyleblogs im monetären Sinne leben und das ist auch gut so. Warum ich mir damit aber relativ schwer tu? Ich hole mal etwas aus.

Kürzlich bin ich in einer Runde Unbekannter beim geselligen Essen gesessen und hab mich mit meinen Tischnachbarn ganz ungezwungen unterhalten. Wer man so ist, was man so tut, was man so gut findet und was eher weniger. Und irgendwann kam die Frage auf, wo ich und was ich eigentlich gerne shoppe. Und in dem Moment ist mir eines ziemlich klar geworden: Ich shoppe nicht. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich zum letzten Mal in eine Einkaufsstraße oder in ein Center gegangen bin, einfach um zu Bummeln und ohne der konkreten Absicht, etwas zu kaufen, das ich wirklich brauche. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, wann ich zum letzten Mal etwas gekauft habe, nur, weil es mir gefallen hat oder weil ich es toll fand (ich glaub, da fehlt mir ein Gen). Oder, wann ich zum letzten Mal ein Kleidungsstück erworben habe, weil es grad in Mode war.

Shooping ist definitv nicht mein Cardio.

Mein Haushalt ist komplett, dank Capsule Wardrobe ebenso mein Gwandkasten und ich wüsste nicht, was ich noch brauchen würde, um mich vollständiger oder besser ausgestattet zu fühlen, als ich es aktuell bin. Wenn ich mein Geld ausgebe, dann wahrscheinlich für Lebensmittel, in Restaurants, für Bücher, für Kunst oder, und das wird immer seltener der Fall, wenn ich einen Gegenstand ersetzen muss, der ausgedient hat.

Ist dies der Fall, dann gibt es eine weitere Shoppinghürde. Und die ist mein Gewissen. Mode hätte ich gerne fair produziert und zeitlos. Elektrogeräte möglichst multifunktional und untereinander perfekt kompatibel. Gebrauchsartikel am liebsten möglichst hochwertig, klassisch und langlebig. Und gerade letzteres ist der Grund, warum sich der Abstand, in dem Dinge ersetzt und erneuert werden müssen, immer vergrößert. Bei mir wird nix hin, period. Wenn ich eine neue Pfanne kaufe, dann nehme ich gleich die unkaputtbare aus Gusseisen. Und mehr als zwei brauche ich eigentlich nicht. Wenn sich ein neuer Wintermantel ankündigt, greife ich lieber tiefer in die Tasche und hole mir ein hochwertiges Modell, das wahrscheinlich auch meine Enkel noch anziehen könnten (siehe mein Trip letztens zu Barbour im Designer Outlet). Und bei Möbeln, da sind meine ersten Anlaufstellen der Vintage-Tandler und Willhaben (wegen dem Charakter und dem Hauch der Geschichte, und so). Wenn mich etwa jemand fragt, was ich mir zu Weihnachten oder zum Geburtstag wünsche, bin ich vollkommen ratlos. Kurzum: Ich bin der fleischgewordene Alptraum der kapitalistischen Konsumwirtschaft. Und das macht es mir auch so schwer, Zeug am Blog zu präsentieren und dessen Kauf glaubwürdig zu empfehlen. Duftkerzen bringen mich zum Niesen. In semi-sinnvollen Küchengadgets sehe ich primär den Elektroschrott der kommenden Jahre. Bei Turnschuhen made in Cambodia nehme ich die Farbe meiner Wohnzimmerwand an (weiß). Designerhandtaschen halte ich in 9 von 10 Fällen für overhyped. Und Detoxkuren finde ich ebenso sinnvoll wie Superfood aus dem Regenwald (nämlich nicht). Kurzum: Unternehmen haben es unglaublich schwer, bei mir Produkte zu platzieren, weil ich mich mit praktisch nix identifizieren kann. Ich bin ein schöner Depp, oder?

Ich empfinde das auch gar nicht als Askese.

Das alles stemmt nicht einmal aus einem Minimalismus-Vorsatz, einer vorgenommenen Shoppingdiät oder aus bewusster Konsumverweigerung aus ethischen Gründen. Ich habe keine Mantras oder Inspirational Quotes an der Wand, die mich dazu veranlassen sollen, mich an Immateriellem zu erfreuen (sowas ist mir grundsätzlich zu esoterisch und zu anstrengend – aber das ist wieder ein ganz anderes Thema). Shopping macht mir schlicht keinen Spaß mehr und die kurzlebigen Produkte, Wurschtigkeiten und Nichtigkeiten, die man in den meistens Einkaufsstraßen findet, bereiten mir keine Freude mehr. Vielleicht habe ich auch einfach keine Zeit mehr, mich auf Schnäppchenjagd zu begeben (oder das Zeug anschließend irgendwo verstauen zu müssen) und daher mehr oder minder damit angefangen, meine Freizeit bewusster zu gestalten. Sicher ist nur: Mir fehlt einfach die intrinsische Motivation, mich mit Zeug einzudecken, das ich dann erst recht wieder in meiner Wohnung-ohne-Stauraum unterbringen muss. Und deswegen fühle ich mich manchmal etwas weltfremd, wenn andere Blogger vom reflexartigen Willhaben-Effekt angesichts dieser neuen Ballerinas-mit-den-Quasteln berichten.

Ich will hierfür jetzt auch weder Lob haschen noch mich als heiliger darstellen als ich bin (um das zu beanspruchen müsste die beschriebene Shoppingaskese wohl mit qualvollem Verzicht einhergehen und genau das widerfährt mir ja nicht). Als Kontrast zu meinem Schulterzucken gegenüber Hochglanz-Shoppingarkaden stopfe ich mich mit Leberkäsesemmerln voll, wasche meine Wäsche mit artifiziell frischeduftendem Ariel und fahre regelmäßig mit dem Auto zur Arbeit, obwohl ich ein Busticket hätte. Vom gloriosen Zero Waste-Klimatarier, den Vicki hier so treffend beschreibt, bin ich Lichtjahre entfernt. Ich beobachte eher mit amüsiertem Interesse, wie sehr mein Konsuminteresse ganz von selber schwindet. Vielleicht brauche ich einfach mal eine Runde Therapie. Oder eine größere Wohnung für mehr Zeug, wer weiß.


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  1. Yvonne

    16 Februar

    Ein toller Artikel und auch eine super Einstellung!
    Ich kaufe leider viel zu oft und merke danach, dass es eigentlich unnötig ist…
    Kommt davon, wenn man viel zu oft in seiner Mittagspause durch die Läden schlendert :/

  2. Hanna

    16 Februar

    Hey Caro,
    Also wenn du bei Google „lifestyle definition“ eingibst, dann bekommst du: „the way in which a person lives.“ und das ist für mich persönlich die Definition nach der ich gehe, wenn es um Lifestyle Blogger geht.
    Da geht es schon lange nicht mehr nur um Marken und Shopping sondern eben darum, dass Leute über das schreiben wie sie ihr Leben so leben. Die einen schreiben über ihren Jetset Lifestyle, die anderen über ihre letzten Drogeriemarkt-Hauls, wieder andere über ihr Leben im Einklang mit der Natur und du schreibst über Salzburg aus der Perspektive einer kulturinteressierten jungen Zuagroasten der das Shoppinggen fehlt 😉
    LG

  3. Anna

    16 Februar

    Finde ich super! Und ehrlich gesagt schon bewundernswert (auch ganz ohne offensichtliche Askese) in unserer Konsum-liebenden Zeit, in der ich zum Beispiel fast jeden Tag etwas sehe, das ich „unbedingt“ brauche (trotz Minimalismus-Vorsätzen auf meinen Pinterest-Boards).

  4. Haydee

    16 Februar

    Ich finde, das ist ein „Lifestyle“.. nur eben nicht so ein arg konsumorientierter. Aber ich weiß was du meinst. Ich habe in grauer Vorzeit mal als Interior Bloggerin angefangen und das recht schnell aufgegeben. Weil eben aus genannten Gründen. Heute ist das ganz ganz selten Thema auf dem Blog. Ich habe zwar eine „must have“ Liste aber die ist auch eher eine: wenn ich mal im Lotto gewinne, dann hätte ich das gerne Liste. Breuer Stühle z.B. .. dazu wirds nie kommen 🙂
    Ansonsten habe ich beim Lesen deines Post andauernd genickt. Geht mir ähnlich oder genauso… was soll ich bitte mit dem 37. Teelichthalter?? Aber ich schaue sie mir immer noch gerne auf Fotos und in Geschäften an. Nur kaufe ich sie mittlerweile nicht mehr.
    LG

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