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Ich war mit dem 7hoch2 Festival spazieren und habe...

Ich war mit dem 7hoch2 Festival spazieren und habe schiache Orte in Salzburg gesucht.

Ich fang jetzt mal mit dem Offensichtlichen an: Salzburg ist eigentlich eine ziemlich schöne Stadt. Altstadt, Stadtberge, pastellfarbenes Häusermeer, Dom, Pferdeschwemme, Mirabellgarten. Das wissen nicht nur die Touristen und – innen, die Jahr für Jahr in immer umfangreicheren Scharen an die Salzach strömen, das wissen auch jene Damen und Herren, die in Salzburg wohnhaft sind. Was letztere auch wissen? Dass es in den Zwischenräumen der ansehnlichen Pastellstadt auch Ecken und Winkel gibt, die, sagen wir, nicht ganz so optimal sind. Nicht ganz so optimal, was ihre Gestaltung angeht, ihre Nutzung und ihren Zweck für jene Personen, die ihre Anrainer sind und sich jeden Tag in ihrem Umfeld aufhalten.

Diesem Problem widmet sich aktuell ein Festival, das Salzburgs „leerstehende Lokale, störende Sackgassen, verwaiste Plätze, urbane Konfliktzonen, unerschlossene Rückzugsorte und verblasste Ruheoasen“ sammeln, dokumentieren – und neu nutzen will. Das 7hoch2 Festival für zivile Auftragskunst hat es sich zum Ziel gesetzt, Salzburgerinnen und Salzburger zu befragen, wie sie den öffentlichen Raum in ihrer Stadt neu nutzen und gestalten möchten, welche Orte in der Stadt Veränderungen verlangen und was man sich für ein gelungenes Zusammenleben in der Stadt wünscht.

Wie das funktioniert und wie auch du deinen Beitrag dazu leisten kannst, das hat mir 7hoch2-Koordinator Josef Kirchner beim Stadtspaziergang erklärt.

Salzburg Nonntal, der Zebrastreifen beim Unipark. Der Fußängerübergang von Busparkplatz und Uni in Richtung der Altstadt bietet einen recht repräsentativen Querschnitt der Anrainer der Salzburger Altstadt: Studierende, Tagestouristen, Urlauber, Berufstätige, die zu Justizgebäude oder Bezirksgericht strömen, SchülerInnen der nahgelegenen Schulen, Besucher des Sportzentrums Mitte und der ARGEkultur, Seniorinnen, die ihre Einkäufe vom Markt am Kajetanerplatz nach Hause tragen. An diesem Übergang ins touristisch interessante Salzburg mischen wir uns mit Josef Kirchner ins Gedränge. Unser Ziel: Der Betongarten unterhalb des Justizgebäudes, an der Abzweigung zur Nonntaler Hauptstraße. „Dieser Ort ist ein Klassiker für 7hoch2“, bekommen wir erklärt. Auf der Betonfläche gruppieren sich Bänke, Sitzskulpturen, Bodenmarkierungen und Blumenbeete, niederlassen möchte sich aber niemand, der kleine Park wird zum Durchzugsgebiet in die anschließende Schanzlgasse. „Bei dieser Fläche fragt man sich, wozu sie eigentlich da ist. Ist sie eine Erholungsfläche, ein Spielplatz, ein Skaterpark, oder einfach nur eine Transitzone?“. An einem neuralgischen, hochfrequentierten Punkt zwischen Universität und Altstadt wird so, im Grunde, öffentlicher Raum einfach verschwendet.

Solche Orte im öffentlichen und halböffentlichen Raum – Freiflächen, Parks, Straßen, Gassen, leerstehende Lokale und Geschäfte oder ungenutzte Plätze will das 7hoch2 Festival sammeln und dokumentieren – mit Hilfe der lokalen Bevölkerung. Wie das vonstatten geht, das wird uns gleich präsentiert. Per Handyfoto und kurzer Lokalisierung sowie Beschreibung wird die Beton-Transitzone auf der Webseite des Festivals als veränderungswürdiger Ort eingereicht. Dort entsteht ein Pool an ungenutzten, verschwendeten, unansehnlichen und übersehenen Orten in Salzburg, an denen sich die Bevölkerung Veränderung wünscht.

Bis 15. Jänner 2017 hat dabei jeder und jede Einzelne Zeit, Orte zu erfassen und vorzuschlagen. Was anschließend damit passiert? Die Veranstalter suchen nach vorgegebenen Kriterien sieben Orte mit besonderem Potenzial aus und überantworten diese sieben lokalen KünstlerInnen. Diese sind VertreterInnen unterschiedlichster Kunstgattungen und Ansätze, vom Breakdancer zur Schauspielerin und vom bildenden Künstler zur Performance-Künstlerin und bringen so ihre jeweils eigenen, spezifischen Werkzeuge und Blickwinkel für und auf den öffentlichen Raum mit.

Vom 24.-30. April liegt es dann an den sieben KünstlerInnen, ihre Orte umzugestalten und Handlungsanweisungen in die Tat umzusetzen – Ergebnis ungewiss. Wichtig dabei ist jedoch die Einbindung der lokalen Bevölkerung und die gemeinsame Invention an den Salzburger Hoffnungsorten. Gemeinsam mit BürgerInnenteams, die je nach persönlichem Zeitbudget und Interesse an den Interventionen teilnehmen können werden die Orte vorübergehend verändert und neu genutzt – und erhalten so die Aufmerksamkeit, die Anstoß zu einer permanenten Veränderung sein kann.

7hoch2 Festival für zivile Auftragskunst
Orte können noch bis zum 15. Jänner 2017 unter https://www.7hoch2.net/#upload eingereicht werden

Ach du gute Güte! ist assoziierte Partnerin des Festivals.


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  1. uta

    5 Januar

    Wie cool ist das denn bitte?! Ich mach mich gleich auf die Suche – nach Taxham fahren ist aber geschummelt, oder?

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