Ich bin im Geiste 65 Jahre alt

Hallo, mein Name ist Güte und ich habe ein Problem. Kennt ihr diese tollen Artikel, in denen sich Menschen dazu bekennen, sich nach und nach in die eigene Oma zu verwandeln? Die könnten allesamt von mir sein. Während die Ginger auf Snapchat schon ihre grauen Haare zählt, bleibt ich davon zwar noch halbwegs verschont, aber innerlich, innerlich trage ich schon den ganzen Tag Jogginghosen, löse Kreuzworträtsel und verbaue meine Couch in ein Nest mit Snacks und WLAN, aus dem ich mich nur im äußerste Notfall (Arbeit, Wohnungsbrand, Klo) hinausbewegen möchte. Ist es das Alter? Ist es meine allgemeine Konstitution, die mich eher nach Kissenhöhle, Tee und Netflix verlangen lässt, als nach Sauftour und Technoschuppen? Folgende Dinge bringen mich jedenfalls auf die Vermutung, eine Oma im Körper einer 29-jährigen zu sein.

  1. Ich wünsche mir fast ausschließlich Küchengeräte zum Geburtstag.
  2. Ich besitze ein Buch namens „Stricken für Dummies“. Und ich habe es bereits benutzt.
  3. Ich kann mir beim besten Willen nimmer vorstellen, auf einem Festivalgelände zu zelten.
  4. Das Innere eines Clubs ist mir an 364 Tagen im Jahr auf so schmerzhafte Art und Weise zu laut, dass mir am liebsten das Hirn mit einem Teelöffel auskratzen würde.
  5. Und wenn ich mal durch das Nachtleben streiche, versumpfe ich am liebsten in ruhigen Bars.
  6. Der schönste Ort der Welt ist mein Bett, wenn ich gleichzeitig eine Packung Chips drinnen finde. Mit Paprikageschmack. Und mein Kindle.
  7. Wenn ich eine neue Teigspachtel zu Weihnachten bekomme, freue ich mich aufrichtig.
  8. Wenn ich mich betrinke, hab ich drei Tage später noch einen Kater.
  9.  Ich finde eine Heizdecke, so, als Konzept, eine wunderbare Idee. Die Ginger hat schon eine. Ich mein: Wer hat schon nicht gerne einen gut getoasteten Allerwertesten, wenn er beschließt, beim Netflix-Marathon auf der Couch einzuschlafen?
  10. Auf langen Zugfahrten löse ich mit Vorliebe Kreuzworträtsel.
  11. Die Abstände zwischen rührseligen Nostalgieepisoden werden immer kürzer.
  12. Wenn ein Medley der Top Hits aus 2003 auf Youtube läuft, fühlt man sich plötzlich wieder jung.
  13. Auf Partys, die ich veranstalte, gibt es keinen Sangria-Kübel und keine Saure Apfel-Shots mehr, sondern Rotwein und Gin Tonic. Und irgendwie sind alle viel entspannter als damals.
  14. Spieleabend? Count me in!
  15. Ich schlafe mit Büchern in der Hand ein.
  16. Ich verwende meine Katzen gerne als Muff. Sind immerhin schön warm.
  17. Gut sortierte Schubladen geben mir ein wohliges Gefühl.
  18. Ich führe Unterhaltungen über Staubsauger und Krankenversicherungen.
  19. Meine Kleidung plane ich in Schichten und gerne einen Tick zu gemütlich.
  20. Ich bin endgültig auf das Konzept „praktischer Kurzhaarschnitt“ umgestiegen.
  21. Jugendliche siezen mich plötzlich.
  22. Und wenn es jemandem in meinem Umfeld schlecht geht, hab ich plötzlich den unstillbaren Drang, betreffende Person zu bekochen.

 

Bild: Pixabay, User Unsplash. Danke!

 

 

 


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  1. Hanna

    9 November

    Willkommen im Club 😉

  2. … das Hirn raus löffeln… ich kann nicht mehr 🙂 – kenne ich aber nur zu gut, das Gefühl. Genau wie den Rest des Reigens. Aber ich finds jetzt „im Alter ;)“ viel schöner… und entspannter.

  3. uta

    9 November

    also meinen ersten pullover hab ich mir gestrickt, da war ich zwölf. was sagt das über mein jetziges alter aus? 😀

  4. sarah

    9 November

    herrlich . ich find‘ mich in sovielen punkten wieder ..
    in kombination mit deiner überschriftenzahl . krieg ich jetzt ein klein wenig ’ne alterskrise 😀 hehe ..

    liebe grüße
    von der einen geistesoma zur anderen 😉

  5. ina

    12 November

    Auch schon lange: „IN“! 😉

  6. Nana

    24 November

    😀 😀 😀 HERRLICH!

  7. Lena

    21 Dezember

    Juhu, ich bin nicht alleine ;-)!

  8. jessas! saurer apfel. dem trauere ich definitiv NICHT nach! und meine haare sind noch lang. aber wer weiß, wie lange noch…

  9. Eve

    10 Januar

    Super!!! Musste laut lachen und erkenne mich in (beinah) allen Punkten wieder! 🙈😅

  10. Katka

    10 Januar

    Ich fühle mich so verstanden von der Welt plötzlich. Danke!
    Verfolge deinen Blog schon länger und bin echt begeistert, auch als Nicht-Salzburgerin.
    Beste Grüße aus Nö,
    Katka

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