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Die Gute Güte unterwegs: 13 Tipps für Venedig. Ein...

Die Gute Güte unterwegs: 13 Tipps für Venedig. Ein kleiner Reiseführer.

Die allererste Stadt, in der ich als Teenager alleine, ohne meine Eltern Urlaub machen durfte, war Venedig. Immerhin liegt die Lagune ja in einer halbwegs überschaubaren Entfernung von der österreichischen Grenze und an der direkten Zuglinie nach Salzburg und eignet sich so wunderbar für die ersten Alleinreisesporen, die man sich als Sechzehnjährige so verdient. Ich kannte die Stadt zwar schon von Familienbesuchen, sie aber einmal ganze alleine, mit Freundinnen und auf eigene Faust zu erkunden, war damals das erste, kleine, aufregende Bisschen Freiheit, über das ich mich freuen durfte.

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Seitdem bin ich viele Male wiedergekommen und hab die venezianischen Gässchen, Museen, Kunstwerke, Kirchen und Weinbars immer wieder erkundet. Und nach meinem achten? neunten? zehnten? (wer zählt schon mit…) Besuch vor ein paar Wochen, dachte ich, warum nicht einmal einen kleinen Cityguide schreiben? Zehntausend Fotos und viele verspeiste Cicchetti später , darf ich ihn nun herzeigen und hoffe, er gefällt. Hier sind meine 13 Lieblingstipps, die ich mir in 15 Jahren Venedig-Besuchen erarbeitet habe. Viel Spaß!

1. Die beste Saison für Venedig ist die Nebensaison.

Hotelpreise in Venedig können sprachlos machen. Gerade im Sommer zahlt man auch für die bescheidenste Absteige noch Unsummen – und muss sich die Stadt gleichzeitig mit ganzen Horden von Touristen teilen. Hitze inklusive. Ähnliches gilt für die Karnevalswochen zu Jahresbeginn, in denen man zwar allerorts schöne Masken fotografieren kann – aber auch nur, wenn man sich vorher durch eine Mauer an Co-Fotografen und Schaulustigen boxen will. Besser dran ist man bezüglich all dieser Dinge in der Nebensaison, etwa im Februar mit etwas Respektabstand zum Karneval oder im toten November. Zu dieser Zeit findet man oft eine fast menschenleere Stadt vor, die mystisch und morbid ist und in den fast ausgestorbenen Unterkünften zahlt man bessere Jugendherbergspreise – auch in nächster Nähe des zentralen Markusplatzes.
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2. Nimm den Nachtzug!

Wer von Salzburg aus nach Venedig reist, hat es wunderbar einfach. Es gibt einen ÖBB-Zug, der um kurz nach ein Uhr morgens am Hauptbahnhof abfährt und um kurz vor neun in Venedig ankommt. Augen zu und da. Das beste daran: Für diesen Zug (der zu meiner Teenagerzeit noch den klingenden Namen „Orientexpress“ trug), gibt es Sparschiene-Tickets um 29 Euro pro Strecke. Es gilt: rechtzeitig buchen

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3. Mestre ist keine Option!

Wer die hohen Hotelpreise in Venedig nicht zahlen mag, weicht oft nach Mestre aus, den Industrievorort der Stadt. Der ist nicht nur, sorry, schiach, sondern auch unpersönlich und beraubt den Urlauber jeder Möglichkeit, die nächtlichen Kanäle entlangzuspazieren. Lieber Tipp 1 beherzigen und Mestre Mestre sein lassen.

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4. Bei Regen und Hitze und kaputten Füßen weicht man ins Museum aus.

Parkbänke sind in Venedig nonexistent. Und wenn es regnet, ist die Stadt mehr als unangenehm, gerade in den kühleren Monaten. Wenn der Himmel also weint, weiche ich immer wieder gerne in Museen aus. Und zwar in solche, in denen man zur Not auch Stunden verbringen kann und die keine Eintrittspreise jenseits der 20 Euro verlangen, sollte die Sonne dann doch bald wieder scheinen. Meine erste Wahl dabei ist die Accademia, die venezianische Malerei von der Gotik bis zum Rokoko zeigt – darunter viele Highlights von Giorgione oder Tintoretto, die kunstsinnige Damen und Herren bestimmt als beliebte Postkartenmotive wiedererkennen. Man löhnt etwa 8 Euro an Eintritt und kann, wenn man mag, den ganzen Tag Antonello da Messinas Annunciata anstarren und dabei den Regen aussitzen. Pro-Tipp: Bei Veronese gibt es beheizte Sitzbänke.

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5. Es gibt auch Dinge, die man kostenlos besichtigen kann.

Ist das Budget besonders eng, gibt es auch Dinge, die man kostenlos besichtigen kann. Einerseits ist dies der Markusdom, der einen Fixpunkt jedes Venedigaufenthalts darstellen sollte, andererseits ist etwa die markante Salute-Kirche ebenso gratuito zu besichtigen. Und: Im Prinzip ist die ganze Stadt ein Museum, spazieren gehen wird also nie langweilig.

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6. Es ist schwierig, in Venedig halbwegs gut zu essen, ohne zu verarmen – es ist aber nicht unmöglich.

Essen gehen ist in Venedig immer wieder eine Qual. Aufgrund der hohen Transportkosten für Lebensmittel ist die Gastronomie von vornherein schon nicht gerade günstig und die Rolle der Stadt als massiver Touristenmagnet ist nicht unbedingt ein kulinarischer Qualitätsfaktor. Mein Tipp: Man suche die lokalen Kantinen auf, in denen auch einheimische Arbeiter ihren Teller Pasta konsumieren. Besonders zentral liegt dabei etwa die Rosticceria Gislon, die man ein paar Schritte von der Rialtobrücke entfernt findet. Für einen Teller sehr akzeptabler Pasta nach Tagesangebot und ein Glas Hauswein oder Bier zahlt man hier unter 10 Euro, die Damen und Herren hinterm Tresen sind freundlich, das Interieur eher zweckmäßig. Wenn man in Ruhe und gut essen gehen möchte, empfehle ich, ins Umland auszuweichen – siehe Tipp Nummer 6.

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7. Ehre die Cicchetti!

Cicchetti sind so etwas wie venezianische Tapas und werden in Weinbars serviert. Daherkommen tun sie in mannigfacher Gestalt, von Schinkenkroketten über frittierte Kartoffeln, gebratenen Tintenfisch bis hin zu klassischen Antipasti, wie man sie auch hier vom Italiener kennt. Zahlen tut man sie pro Happen und sie machen zu einem Glas Wein mehr als gute Laune. Cicchetti- und Weinbars findet man in Venedig zur Genüge, empfehlenswert ist etwa das Un Mondo Divino (pun intended) im Viertel Cannaregio. Abendprogramm: gesichert.

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8. Snacks zwischendurch machen glücklich

Ein Punkt noch zum Essen: Wenn der schnelle Hunger oder der überbordende Kaffeedurst kommen, findet man relativ schnell Rettung. Recht venezianisch snackt man dann einen besonders fettigen Mozzarella in Carrozza – ein frittiertes Mozzarella-Sandwich mir diversen Füllungen. Und in kleinen Kaffeebars kriegt man auch in Venedig vielerorts den berühmten italienischen Thekenkaffee (=Espresso, versteht sich) um einen Euro. Nach diesem hält man am besten in den ruhigeren Vierteln der Stadt Ausschau – siehe Tipp Nummer neun. Zum Kaffee kann man sich etwa ein Stück des diversen bunten, kunstvollen Backwerks gönnen, das hinter Bäckereifenstern freudig entgegenwinkt – etwa Buranelli, Cannoli oder einen dieser bunten Baiser-Berge, bei denen ich mich immer frage, wer sowas essen kann.

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9. Weiche in die ruhigeren Viertel aus!

Wie schon mehrfach angedeutet: Die besten Dinge findet man auch in Venedig abseits der Touristenrouten. Für kulinarische und spaziergängerische Abenteuer bieten sich dabei vor allem die untouristischeren Stadtviertel an, etwa das ruhige Cannaregio, in dem man tatsächlich noch auf Einheimische trifft, kleine Geschäfte für Dinge des täglichen Gebrauchs findet und in denen es Lokale gibt, die nicht schon von Weitem mit Touristenmenüs werben.

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10. Du sollst Traghetti benutzen.

Der Klassiker für einen Venedig-Aufenthalt ist eine Gondelfahrt. Kann man machen, muss man aber nicht. Hust. Wer aber trotzdem in den Genuss einer – wenn auch kurzen – Fahrt mit einem hübschen schwarzen Boot und einem noch hübscheren Venezianer kommen möchte, nimmt ein Traghetto. Traghetti sind Fähren, die Einheimische wie Touristen gleichermaßen an diversen Stellen des Canal Grande von einem Ufer ans andere bringen – vor allem dort, wo die nächste Brücke weit ist. Erkennen tut man Traghetto-Stationen an den großen Schildern, auf denen – Überraschung – „Traghetto“ zu lesen ist. Fahren tut es, sobald sich jemand ins Boot bequemt hat, zahlen müssen einheimische ein paar Cent, Touristen zwischen einem und zwei Euro. Übrigens: Profis bleiben während der Überfahrt stehen.

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11. Vaporetto-Tickets für einen Tag reichen

Das schöne an Venedig ist, dass die Stadt das passende Format hat, um alles zu Fuß zu erkunden. Daher halte ich es persönlich für Menschen, die gut zu Fuß sind, überflüssig, Wege innerhalb der Stadt mit dem Vaporetto, dem Wasserbus, zurückzulegen. Es gibt nur einen Fall, in dem man tatsächlich ein Vaporetto braucht: Wenn man die Inseln um die Stadt besuchen möchte. Auf die Glasbläser-Insel Murano, auf die Fischerinsel Burano und ihre Nachbarinsel Torcello kommt man genauso nur mit dem Boot, wie auf die malerische Friedhofsinsel San Michele. Und diese Fahrten zahlen sich – mit Ausnahme von Murano, das ich für übertouristisch und auslassenswert halte – mehr als aus.

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Auf Burano spaziert man zwischen bunten Häusern an Kanälen entlang und auf Torcello erkundet man ein verwildertes Eiland mit zwei einzigartigen, uralten Kirchenbauten, die im Inneren mit wunderschönen, Jahrhunderte alten Mosaiken überraschen. Diese 20 Euro für ein Vaporetto-Tagesticket sind wirklich gut investiert.

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12. Vergiss nicht auf das Umland!

Das Schöne an Venedig sind fraglos seine Lage – und seine perfekten, billigen Zugverbindungen ins Umland. Innerhalb einer Dreiviertelstunde erreicht man nicht nur die Universitätsstadt Padua mit der berühmten Arenakapelle, sondern auch das malerische Vicenza und – natürlich – die Romeo und Julia-Stadt Verona. Alle drei der genannten Städte haben wunderschöne Altstadt-Kerne und bieten gute Alternativen, wenn man im Venedig-Urlaub auch einmal ordentlich, gut und angemessen essen gehen möchte. Städetguides für Padua und Vicenza? Folgen, wenn gewünscht.

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13. Wähle deine Souvenirs mit Bedacht.

Zu guter Letzt: Die leidigen Mitbringsel. Bei einem Venedig-Aufenthalt erwartet man sich meistens den heiligen Dreiklang bestehend aus Karnevalsmaske, Burano-Spitze und Murano-Glas (alles Made in China, außer man schaut ganz genau), ich würde hier jedoch eine Alternative vorschlagen: Papier. Venedig hat eine große Tradition der Marmorpapierherstellung und versteckt einige wunderschöne, nostalgische Papierhandlungen in seinen Gassen. Und so ein Marmorpapier-Notizbuch hat doch meistens etwas mehr Sinn, als ein gläserner Staubfänger. Oder?

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  1. Elisabeth

    7 März

    Hallo ! Danke für die tollen tipps,ich kenne Venedig auch nur mit Familie,möchte aber demnächst mit mann hin 😉 hättest du auch tipps fürs wohnen? Wie schauts mit Lido aus?

    Danke,LG elisabeth

    • Hallo Elisabeth!
      Danke für deinen Kommentar 😀
      Tipps fürs Wohnen habe ich eigentlich keine besonderen – ich war bisher jedes Mal in einem anderen Hotel und fand sie alle ok, aber auch nicht außergewöhnlich gut.
      Am Lido kann man bestimmt auch schön wohnen, allerdings braucht man von dort aus halt auch immer den Wasserbus, wenn man in die Stadt rein will – ebenso, wenn man auf der Insel Giudecca wohnt, übrigens 🙂
      Zusammengefasst hab ich leider keine wirklichen Hoteltipps, würde aber empfehlen, dich in Cannaregio umzusehen – dort ist es etwas ruhiger, günstiger und du bist trotzdem mitten in der Stadt 🙂
      Liebe Grüße!

  2. Elli

    19 März

    Wow! Ich muss wieder mal hin, aber nicht im Sommer. Tolle Fotos und Tipps, die Lust auf einen kleinen Abstecher machen. Das Umfeld kenne ich noch gar nicht, obwohl ich schon oft in Venedig war. Wenn du da auch ein par Ratschläge hast, wär toll!
    Danke und liebe Grüße,

  3. Lucia

    14 April

    Nach der Lektüre deines Städteguides möcht‘ ich unbedingt und SOFORT nach Venedig und erwarte sehnsüchtig Berichte über Padua und Vicenza!!
    Liebste Grüße!

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