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Salzburg: Das Schweiger Deli. Über den Mut zur Ver...

Salzburg: Das Schweiger Deli. Über den Mut zur Veränderung.

Eines kann man wohl mit relativer Sicherheit sagen: Salzburg ist mit hippen gastronomischen Einrichtungen nicht unbedingt gesegnet. Da gibt es das Jetlag mit seinem Vintage-Handel im Kaffeehaus, die Cabreras mit ihrem Shop-im-Lokal-Konzept – und seit Kurzem gibt es da noch etwas: Das Schweiger Deli nämlich.

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Alteingesessene Salzburger und Innen werden das Schweiger Eis wahrscheinlich seit ihrer Kindheit kennen. Dorthin ging man, wenn man einen Eisbecher von der Größe Brasiliens verspeisen, in der Gesellschaft von eigenen und fremden Erbtanten die Bunte lesen oder zu späterer Stunde in den ersten Stock zum Dartspielen entfleuchen wollte. Ein klassisches Grätzel-Kaffeehaus mit großem Eisangebot, eben. Ende des letzten Jahres schloss diese Itzlinger Institution dann ihre Tore – der Chef ging nach mehreren Jahrzehnten Dauerbetriebs in die wohlverdiente Pension. Und die Nachfolge? Die stand alsbald bereit und macht genau das, was Nachfolgegenerationen am besten können: Alles anders.

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Juliana, die neue Wirtin im Schweiger, kommt auf direktem Wege aus Wien, wo sie besonders eng auf Tuchfühlung mit der hiesigen Lokalszene gegangen war. Folgerichtig bringt sie so ziemlich alles mit an die Salzach, was in mondäneren Städten gerade gut, hip und angesagt ist. Wo früher Plüschbänke, Bananensplits und Zwielicht an der Tagesordnung standen, gibt es jetzt Designersessel neben Flohmarktfunden, Rhabarbersaft und Craft-Beer, Cheesecakes im Glas und Flammkuchen und große, lichtdurchflutete Räume.

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Dass das ehemalige Schweiger-Stammpublikum mit dieser Metamorphose dezent überfordert ist, kommt nicht gerade unerwartet. Der Umstand, dass es im Schweiger nun keine drei Kilo schweren Eisbecher mehr gibt, wird der jungen Wirtin nicht nur auf Facebook regelmäßig angekreidet. Das traditionelle Eis gibt es in der Itzlinger Hauptstraße 93 zwar noch, statt einer ganzen Sortenarmada konzentriert man sich jedoch lieber auf wenige, handverlesene Geschmacksrichtungen. Da gibt es etwa das zum Niederknien fruchtige Marilleneis, exotisches Basilikumsorbet oder einfaches, schlichtes Milcheis, nach Wunsch mit wählbaren Toppings, aber eigentlich lieber pur. Ganz nach dem bewährten Grundsatz „weniger, aber besser“. Was man außerdem Wiederbelebt hat, sind die althergebrachten Schweiger Eiszapfen, hausgemachtes Eis am Stiel.

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Dieses „Weniger, aber besser“, das sich Konzentrieren auf das Wesentliche, ist ganz allgemein der Leitgedanke des neueröffneten Lokals. Alles, was hier auf den Teller oder ins Glas kommt, ist handverlesen, natürlich, frisch und regional. Es gibt keine stark gezuckerten Limos mehr, sondern hausgemachte Säfte, keinen Aperol-Spritzer, sondern Spritzer mit Ingwer und Zitrone, das Angebot umfasst Veganes und Handgemachtes, in der Vitrine stehen regelmäßig neue Kreationen, das Ambiente ist offen und hell, die Musik jazzig angehaucht.

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Es gehört ordentlich Mut dazu, sich in einer Stadt, die das ihr Vertraute so schätzt und in einem Lokal mit einem so großen, in die Jahre gekommenen Stammpublikum etwas derart Neues, Innovatives zu wagen. Und ich bin zu Tode froh, dass es jemand tut – gerade in einem Stadtteil wie Itzling, der sich – auch wegen dem neuen Schweiger Deli – gerade in Windeseile gentrifiziert. Es bleibt zu hoffen, dass das Salzburger Publikum bereit dafür ist. Mein neues Stammlokal habe ich mit dem Schweiger Deli jedenfalls gefunden.

 

Bestell-Tipps:

Zum Trinken: Ingwer-Zitrone-Spritzer mit Gurke

Zum Naschen: Marillen-Eiszapfen

Zum Löffeln: Cheesecake im Glas

 

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Itzlinger Hauptstraße 93
5020 Salzburg
Di – Fr: 10:00 – 21:00
Sa – So: 14:00 – 21:00

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  1. Nana

    27 August

    Mei, wie klasse. Ich muss gestehen, bei „Cheesecake im Glas“ blieb mein Herz für ein Sekunderl stehen. Holy Moly. Wie genial… Wird ASAP ausprobiert. ♥

    Nana

  2. Loda

    27 August

    Schaut gut aus, aber ist doch leider etwas dezentral gelegen. Ich hoffe, dass da genug Kundschaft aus der Siedlung nebenan bzw. aus dem Techno-Z kommt.

    • Ja, das ist wahr. Aber ich finds spitze, dass sich Itzling aktuell so belebt. Ich hoffe, das hält an.

  3. Anna

    27 August

    Liebe Caro!
    Find ich super, dass du über das Schweiger Deli schreibst 🙂 Steht bereits auf meiner „Lokale-zu-besuchen-Liste“, danke!
    Mir sind die Kommentare auf Facebook auch aufgefallen, das find ich so unfair! Es kann doch nicht immer alles gleich bleiben, etwas frischer Wind ist doch super!
    Liebe Grüße,
    Anna

  4. Mir gefällt das Lokal richtig gut, genauso wie ich den modernen Ansatz der neuen Besitzerin sehr ansprechend finde. Weg von Quantität und hin zu Qualität. Dieser Leitgedanke sollte nicht nur in der Lebensmittelproduktion, sondern auch im Gastgewerbe immer präsenter werden. Da hab ich lieber ein etwas leereres Teller mit qualitativ hochwertigen Inhalt statt einem überfüllten Teller ohne jegliche Qualität!
    Liebe Grüße,

  5. Daniela

    27 August

    Ich bin mit den Schweiger Eiszapfen, den alten schrulligen liebenswerten früheren Schweigers aufgewachsen. Unsere Jugend verbrachten wir auch dort, im hinteren Teil des Lokals, wo es noch keinen ersten Stock gab und die Wirtsleute extra für uns einen Billardtisch hin stellten. Bis zum Schluss ging ich gerne noch hin zum frühstücken mit Freunden und traf immer wieder noch *alte* Itzlinger. Ich finde es bedauerlich was daraus gemacht wurde. Den gerammelt vollen Garten im Sommer wirds ’s wohl nie mehr geben. Denn wegen den legendären Eisbechern gingen viele da hin 😉 lg

    • Liebe Daniela,
      um einen geschätzten Kollegen zu zitieren: „Schön, dass nicht alle den gleichen Geschmack haben“ 🙂
      Liebe Grüße

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